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André Batz: „Wir wollen den Einzelnetzwerken eine Stimme geben“

André Batz: „Wir wollen den Einzelnetzwerken eine Stimme geben“
Foto: © Kreative Deutschland

Das Team von Kreative Deutschland. André Batz (Mitte) im Gespräch mit Creative City Berlin: "Sich in den Branchen gegenseitig zu unterbieten, das ist auf Dauer für alle eine ersichtlich schlechte Lösung". 
 

„Kreative Deutschland“ ist ein neues bundesweites Netzwerk, das 14 bestehende Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft vereint. Warum und mit welchem Ziel?  Was braucht die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland und was kann ein solches Netzwerk dafür leisten? Wir sprachen mit Initiator und Geschäftsführer von „Kreative Deutschland“, André Batz. 
 

INTERVIEW  JENS THOMAS

 

CCB Magazin: Hallo André, ihr habt gerade „Kreative Deutschland“ ins Leben gerufen, ein bundesweites Netzwerk mit 14 Einzelnetzwerken der Kultur- und Kreativwirtschaft. Erste Frage: Wie kreativ bist du eigentlich? 

André: Ich? Ja, ich bin natürlich auch kreativ, aber eigentlich bin ich Coach und Berater für die Kultur- und Kreativwirtschaft. 

CCB Magazin:Du hast gerade mit anderen „Kreative Deutschland“ ins Leben gerufen. Erzähl mal, wer braucht das und warum? 

André:Im Grunde brauchen ein solches Netzwerk ganz viele, nämlich alle Kreativschaffenden in Deutschland, denen ihre Arbeit und Zukunft wichtig sind. Das Netzwerk hat sich im Oktober 2014 gegründet. 14 Netzwerke der Kultur- und Kreativwirtschaft aus dem gesamten Bundesgebiet sind mittlerweile dabei und haben, auf dem zweitägigen Bundeskongress am 5. und 6. Juni in Hannover, einen Kooperationsvertrag unterschrieben. 

CCB Magazin:Um was geht es da? 

André:Der Kooperationsvertrag sieht vor, dass die Einzelnetzwerke in Zukunft noch enger zusammenarbeiten, um die Interessen der Kreativschaffenden auf Bundesebene und international gemeinsam zu vertreten. Zudem wollen wir eine gemeinsame Außendarstellung über die Plattform entwickeln und die Potentiale der Kultur- und Kreativwirtschaft verstärkt kommunizieren. Natürlich ist das Bundesnetzwerk offen für den Beitritt weiterer regionaler Netzwerke. Außerdem soll der Austausch mit den Verbänden der 11 Teilmärkte der Kultur- und Kreativwirtschaft verstärkt werden.

Wir vernetzen jetzt die bereits bestehenden Netzwerke, die schon gute Arbeit leisten

CCB Magazin:Ok, ihr seid ein Netzwerk für die Netzwerke? 

André:Sozusagen, wir vernetzen die bereits bestehenden Netzwerke, die schon vor Ort gute Arbeit leisten. Aber wir wollen auch den Austausch der Netzwerke untereinander intensivieren und fördern. 

CCB Magazin:In Deutschland sind mittlerweile rund 249 Tausend Unternehmen in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig, insgesamt machen die 11 Teilbranchen rund 145 Milliarden Euro Umsatz im Jahr. Die wenigsten sind aber einem Verband organisiert. Was haben die davon? 

André:Das Netzwerk richtet sich natürlich erst einmal an die Mitglieder der Netzwerke, aber unser Ziel ist es auch, die unorganisierten Einzelkünstler und Unternehmen zu erreichen, indem sie nämlich den Netzwerken beitreten. 

CCB Magazin:Das wollen aber viele nicht. Wie erreicht man die außerhalb der bestehenden Netzwerke, die man noch nicht erreicht hat? Um die geht es doch. 

André:Es geht erst einmal um alle, aber ich gebe Dir Recht, wir müssen natürlich gerade auch die erreichen, die außerhalb der bestehenden Netzwerke aktiv sind. Ich muss aber betonen: Bei uns treten keine Einzelpersonen ein, sondern nur Netzwerke. Darum ist es auch so wichtig, die Netzwerke vor Ort zu stärken und das erreichen wir, indem wir vor Ort sind und Präsenz zeigen. Denn es geht um die generelle Frage:  Wie können wir zusammenarbeiten und voneinander profitieren? Im Grunde haben ja alle Kreativschaffenden ähnliche Probleme und Chancen. Auf Bundesebene wollen wir darum konkret die Bedürfnisse von Solo-Selbständigen und von Klein- und Kleinstunternehmen vertreten. Wir wollen als Lobbyverband für die Kultur- und Kreativwirtschaft auftreten und uns als Ansprechpartner anbieten, wenn es zum Beispiel um neue Fördermöglichkeiten geht. 

CCB Magazin:Was muss denn konkret für die Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland getan werden? 

André:In erster Linie brauchen Kreativschaffende Unterstützung bei der Professionalisierung und Akquise, und hier wollen wir Hilfestellungen geben. Zudem geht es um die Verbesserung von Förderstrukturen. Bund und Länder fördern zwar im Bereich der Kreativwirtschaft schon eine Menge. Zuweilen heißt es aber: Geht doch zur Bank, holt euch einen Kredit zwischen 5.000 und 15.000 Euro, dann bekommt ihr auch eine Wirtschaftsfinanzierung von uns dazu. Das ist aber im Ansatz schon mal falsch gedacht. Viele Einzelselbständige wollen nämlich nur einen Kredit von 5.000 Euro, den bekommen sie aber schwer, weil es an Sicherheit fehlt, die die Bank verlangt. Banken vergeben kleine Geschäftskredite so ungern, weil Kredite stark der Prüfung unterliegen und die Prüfung Geld und Zeit kostet. Das ist natürlich nur ein Beispiel, wo wir ansetzen müssen. Grundsätzlich müssen wir auch über neue Formen der Arbeit insgesamt reden.

In erster Linie brauchen Kreativschaffende Unterstützung bei ihrer Professionalisierung. Zugleich müssen wir aber auch über neue Formen der Arbeit reden

CCB Magazin:Was meinst du? 

André:Zum einen müssen wir die Zusammenarbeit der Kreativschaffenden untereinander stärken, indem es über die Einzelnetzwerke zum Austausch kommt. Zum anderen müssen wir für verbesserte Strukturen sorgen: Hier geht es gezielt um Räume und entsprechende Vergütungen. Räume müssen für Kreativschaffende weiterhin bezahlbar sein. Die derzeitige Entwicklung der steigenden Mieten ist besorgniserregend für die Branche. Zudem haben wir in Deutschland nun den Mindestlohn, viele Freischaffende in der Kreativwirtschaft sind aber weit entfernt davon, überhaupt einen Mindestlohn bekommen zu können, weil sie schlichtweg zu wenig verdienen

CCB Magazin:Was wäre die Lösung? 

André:Auch wenn es dem Einzelnen schwer fällt, sollten Kreative Aufträge, die sich unternehmerisch nicht lohnen, ablehnen. Sich in den Branchen gegenseitig zu unterbieten, das ist auf Dauer für alle eine ersichtlich schlechte Lösung. 

CCB Magazin:André, vielen Dank für das Gespräch und viel Erfolg. 
 


Alle Infos zu Kreative Deutschland gibt es hier: www.kreative-deutschland.de

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