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Kulturförderpunkt Berlin: Auf den Punkt beraten

Kulturförderpunkt Berlin: Auf den Punkt beraten
Foto: © Kulturförderpunkt Berlin

Frauenquote 100 Prozent - der Kulturförderpunkt Berlin. v.l.n.r: Charlotte Warkentin, Laura Seifert, Nathalie Küchen. Im Gespräch mit Creative City Berlin, Laura Seifert (Mitte)

Anlaufstelle für Berliner Kulturschaffende, Künstler, Projektinitiatoren, Vereine und Akteure der Freien Szene, kostenlose Beratung aus erster Hand: das alles ist der Kulturförderpunkt Berlin, der 2013 gegründet wurde. Wie wird der Kulturförderpunkt bislang angenommen? Was sind Fragen, die Kulturschaffende in der Stadt bewegen? Creative City Berlin stellt in einer neuen Reihe die wichtigsten Beratungsstellen für Kultur- und Kreativschaffende in der Stadt vor. In Teil 1 sprechen wir mit Laura Seifert, Leiterin des Kulturförderpunkts.

 

INTERVIEw  JENS THOMAS

 

CCB Magazin: Hallo Laura, du bist mit deinem Team der Kulturförderpunkt Berlin, ihr bietet kostenlose Direktberatung an. Was sind die häufigsten Fragen, mit denen Kulturschaffende an euch herantreten?

Laura: Die häufigste Frage ist: „Wo finde ich Geld für mein Projekt?“. Die Frage ergibt sich ja auch aus unserem Auftrag als Beratungsstelle zur Finanzierung kultureller Projekte, indem wir eine Orientierungsberatung anbieten und einen Überblick über verschiedene Fördertöpfe, Antragsbedingungen, Deadlines und Kombinierbarkeit von Förderung aus verschiedenen Quellen geben. Es ergeben sich aber auch andere Fragen in den Beratungen, so zum Beispiel zur langfristigen Planung von Fundraising, zur Darstellung und Öffentlichkeitsarbeit oder zur Vernetzung mit möglichen Projektpartnern. Da die meisten Projekte, die durch private und öffentliche Förderer unterstützt werden, zeitlich begrenzt sind, ist die Frage nach der langfristigen und institutionellen Förderung wohl eine der schwierigsten.

CCB Magazin:Wer kommt zu euch und an wen richtet sich euer Angebot?

Laura:Wir richten uns mit dem Angebot an alle, die eine Orientierung bei der Suche nach Förderern brauchen oder detailliertere Fragen zu einzelnen Programmen, zur Gestaltung von Anträgen und Finanzierungsplänen haben. Einzige Bedingung ist, dass die Projektemacher in Berlin arbeiten oder das Projekt – zumindest teilweise – in Berlin stattfindet. Ist dem so, kann man auch zu uns kommen, um einen Antragscheck zu machen. Und wir raten und beraten auch zu alternativen Einnahmeoptionen wie Sponsoring, Merchandising oder Crowdfunding.

CCB Magazin:Aus welcher Idee heraus ist der Kulturförderpunkt entstanden?

Laura:Die Idee entstand gemeinsam mit der Berliner Kulturverwaltung. Hier ging es um die Frage, wie Berliner Künstler und Projekte, vor allem aus der Freien Szene, bei der Suche nach Finanzierung unterstützt werden können. Dabei geht es nicht so sehr um die Förderprogramme der Kulturverwaltung selbst, sondern auch um Fördermöglichkeiten der EU, auch um private Stiftungen und Förderprogramme, die auf den ersten Blick nicht direkt mit Kulturförderung zu tun haben, aber bei denen man kulturelle Projekte mit bestimmten Themenschwerpunkten trotzdem beantragen kann. 

Die häufigste Frage in unseren Beratungen ist: „Wo finde ich Geld für mein Projekt?“

CCB Magazin:Ist der Kulturförderpunkt auch eine Reaktion auf die zunehmende Internationalisierung der Kunst- und Kulturszene Berlins? Immer mehr Künstler kommen in die Stadt. Die Mittel für Kulturförderung werden zwar nicht weniger, auf die Fördertöpfe bewerben sich aber immer mehr Leute.

Laura:Ja, Berlin wird immer internationaler und die Konkurrenz nimmt zu. Uns ging es aber in erster Linie darum, bei der immer komplexer werdenden Antragstellung auf EU-Ebene Hilfe zu leisten.

CCB Magazin:Wie viele Beratungsleistungen bietet ihr pro Tag an? Und wie wird der Kulturförderpunkt bislang angenommen?

Laura:Das Projekt wird bislang sehr gut angenommen, die Nachfrage ist gleichbleibend hoch. Da wir für alle Sparten und jede Größe von Projekten der erste Ansprechpartner sind und dann bei Bedarf an die jeweiligen Förderer oder Experten verweisen, kommen sehr viele Menschen zu uns. In der Regel führen wir zwei persönliche Beratungen pro Tag durch. Da wir jede Anfrage individuell anschauen und beraten, nehmen wir uns auch für die Vorbereitung Zeit, um alle Möglichkeiten zu recherchieren und die Projekte und die Antragsunterlagen genau zu prüfen. Im Team des Kulturförderpunkt führen aber nur zwei Personen Beratungen durch. Mehr können wir derzeit nicht leisten. Meistens kommen auch noch Beratungen per Telefon und Email dazu. Zusätzlich bieten wir pro Monat mindestens eine Veranstaltung oder Workshop zu aktuellen Förderthemen an und müssen natürlich auch die Förderdatenbank unserer Webseite pflegen. Im Jahr 2014 haben wir insgesamt fast 400 Beratungen durchführen können. Da wir durch die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE) gefördert werden, können wir die Beratungen kostenlos anbieten.

CCB Magazin:Wo liegt eure Grenze? Was kann der Kulturförderpunkt nicht leisten?

Laura:Wir beraten nur zur Finanzierung von kulturellen Projekten, da hier unsere Expertise liegt. Reine Forschungs- oder Bildungsprojekte verweisen wir zum Beispiel an andere Informationsangebote. Auch für rechtliche Beratungen und Gründungscoaching gibt es andere spezielle Beratungsangebote, wie etwa die Initiative Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und das Starterkit, die auch Informationen zu Businessplänen, Coaching und Krediten anbieten. Für Vernetzung von Start-ups und klein- sowie mittelständischen Unternehmen aus dem Bereich Kreativwirtschaft auf europäischer Ebene ist vor allem das Enterprise Europe Network (EEN) zuständig.

CCB Magazin:Es gibt auch noch die Beratungsangebote des LAFT Berlin (PAP) und von ARTWert, letzteres heißt jetzt Creative Service Center. Wie unterscheidet ihr euch von den anderen Angeboten?

Laura:Im Gegensatz zu PAP und ARTWert, beziehungsweise dem Creative Service Center, bieten wir keine Workshops oder Weiterbildungen im Bereich Kultur- und Projektmanagement an. Wir konzentrieren uns nur auf den Bereich Finanzierung, obwohl es hier natürlich auch in Fragen zu Marketing und Öffentlichkeitsarbeit Überschneidungen gibt.

CCB Magazin:Die Berliner Förderprogramme des Senats ist unterteilt in klassische Kultur – Bildende Kunst, Tanz & Theater, Musik, Literatur und Kulturelle Bildung – und in den Bereich der Kultur- und Kreativwirtswirtschaft – den Buch- und Pressemarkt, Design, Film- und Rundfunkmarkt, Games, Mode, Musik. Ist Künstlern und Kulturschaffenden diese Abgrenzung überhaupt bewusst? Geht man ins Betahaus oder andere Coworking-Spaces, wird man eines Besseren belehrt. Diese Abgrenzung gibt es in der gelebten Praxis de facto nicht.

Laura:Ja, diese Erfahrung machen wir in unseren Beratungen auch. Oft arbeiten Künstler und Kreative in beiden Bereichen und die Aufteilung der Förderung in klassische Kultur und Kulturwirtschaft ist darum nicht immer sinnvoll. Das gilt im Übrigen auch für die strikte Trennung nach Sparten, die leider immer noch in einigen Förderprogrammen angewendet wird. Darum wollen wir uns auch gezielt mit Beratungsangeboten aus dem Bereich Kreativwirtschaft vernetzen und gemeinsame Veranstaltungen an Orten initiieren und durchführen, wo wir diese Zielgruppe auch erreichen.

Die Konkurrenz um freie Projektmittel wird zunehmend größer

CCB Magazin:Laura, wo siehst du die Kulturförderung in der Zukunft? Welche Modelle sind denkbar? Welche sind unumgänglich?

Laura:Wir haben in Deutschland im Vergleich zu den meisten unserer europäischen Nachbarn eine sehr gute öffentliche Förderstruktur und auch viele private Stiftungen, die fördernd tätig sind. Aber die Konkurrenz um freie Projektmittel wird zunehmend größer. Da aber in naher Zukunft mit keiner Aufstockung der Mittel zu rechnen ist, müssen sich Projekte nach Alternativen umschauen, das tun die meisten auch. Hier kann vor allem Crowdfunding eine neue potentielle Einnahmequelle sein, selbst wenn im Bereich der klassischen Kultur das durchschnittliche Finanzierungsvolumen pro Projekt in Deutschland bislang bei „nur“ 7.000 Euro liegt. Generell sollte alternative Förderung aber nie die bestehenden Kulturförderungen ersetzen, sondern die Vielfalt kultureller Projekte erhöhen und im Idealfall auch dazu beitragen, die oft prekäre Situation von Künstlern und Projektemachern zu verbessern. In diesem Sinne wäre es sinnvoll, dass Crowdfunding noch stärker als Kofinanzierung für öffentliche Förderungen anerkannt wird. Und wünschenswert ist, dass sich in Zukunft noch mehr Unternehmen und Privatpersonen mit einer „Kultur des Gebens“ für Projekte der Kultur einbringen, damit noch mehr kleinere Projekte und Initiativen unterstützt werden können.

CCB Magazin:Laura, vielen Dank für dieses Gespräch.


Der Kulturförderpunkt ist ein Projekt der Kulturprojekte Berlin GmbH und wird gefördert durch die Senatskanzlei – Kulturelle Angelegenheiten und den Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (EFRE). Die Beratungen sind kostenlos.

Alle weiteren Infos gibt es hier: www.kulturfoerderpunkt-berlin.de  und auf facebook unter: www.facebook.com/kulturfoerderpunkt

Und hier findest du das Profil vom Kulturförderpunkt auf Creative City Berlin.

Kategorie: Wissen & Analyse

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