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Anthony Genillard: "Wir lieben Licht"

Anthony Genillard: "Wir lieben Licht"
Foto: © sygns

Sooo viele Leute: sygns. Machen (fast) alles selbst.

Überall in den Straßen der Hauptstadt entdeckt man sie, die kleinen Boutiquen, Läden und Labels, die Selbstgemachtes herstellen. Auch sygns aus Berlin-Mitte sind so ein Unternehmen und fertigen individuelle Neon-Lichtinstallationen in Handarbeit an. Sygns gehen aber einen Schritt weiter: Das Team aus Berlin-Kreuzberg ist zudem ein Vertrieb und Full-Service-Provider, der ganzheitliche Lösungen für Kunden anbietet. "Nur so kann man als Unternehmen wachsen, ohne Massenware herstellen zu müssen", sagt einer der Gründer Anthony Genillard. Wir stellen sygns heute im Profil der Woche vor und sprechen mit Anthony über Unternehmenskonzept, hippe Leuchten in der Stadt und Grenzen der Manufaktur in Berlin.


CCB Magazin: Hallo Anthony, erzähl mal: Wer bist du und was machst du?

Anthony: Hallo, ich bin Anthony und einer der drei Gründer von sygns. Zuvor habe ich Business und Finance in Mailand studiert, 2014 habe ich dann sygns gegründet. Seitdem designen und produzieren wir Neon-Lichtinstallationen, also Editionen, die in Zusammenarbeit mit Künstlern aus verschiedenen Feldern entstehen, so zum Beispiel aus dem Bereich Architektur, bildender Kunst, Grafik und Interior Design. Wir ermöglichen unseren Kunden aber auch die komplette Personalisierung ihrer Installation. Wir lieben Licht und vor allem Neon.

CCB Magazin:Wie kam es dazu, dass du sygns gegründet hast?

Anthony:Durch Eigenbedarf: Ich wollte eine Neon-Installation für meine neue Wohnung, bin aber von den horrenden Preisen in Galerien geschockt worden. Also habe ich mich mit Nils und Max, die ebenfalls zu den Gründern von sygns gehören, auf den Weg gemacht, um einen der letzten Glasbläser in Deutschland in seiner Werkstatt zu besuchen. Da haben wir festgestellt, dass er für genau die Galerien produzierte, die wir wenige Wochen vorher gesehen hatten. Wir waren so fasziniert von dem raffinierten Handwerk und der finalen Installation. Darum entschlossen wir uns, Neon aus dem Umfeld der Galerien zu befreien und auch anderen zugänglich zu machen. So ist sygns entstanden. 

Wir wollen Neon aus dem Umfeld der Galerien befreien und anderen zugänglich machen

CCB Magazin:Ihr bezeichnet euch auch als Manufaktur. Stellt ihr das alles selbst her?

Anthony:Nicht direkt, wir machen die Entwürfe selbst, produziert wird es dann von diversen Glasbläsern, zudem arbeiten wir mit kleinen Betrieben aus Berlin und dem Berliner Umland zusammen. Das Tolle ist: wir machen es den Leuten einfacher. Unsere Kunden müssen nicht drei Mal zu einem Glasbläser fahren, der den Entwurf dann doch nicht versteht. Bei uns können die Kunden von zu Hause aus unseren Online-Konfigurator anwerfen und sich ihre Lichtkunst selbst zusammenstellen. Im Anschluss wird jedes Neon-Objekt in mühevoller Handarbeit hergestellt.

CCB Magazin:Holm Friebe und Thomas Ramge werten in ihrem Buch „Marke Eigenbau“ die Renaissance der Manufaktur als „Aufstand der Massen gegen eine anonyme industrielle Massenproduktion“. Wie groß kann man als Unternehmen eigentlich werden, um nicht selbst zur Massenindustrie zu gehören?

Anthony:Gute Frage, wir sind im Grunde keine reine Manufaktur. Denn als reine Manufaktur wäre es sicher schwierig, als Unternehmen überleben zu können. Wir verdienen unser Geld darum nicht nur über die Produktionen, sondern auch über den Vertrieb unserer Lichtinstallationen. Wir sind also auch reiner Dienstleister, wenn es um die Umsetzung der Ideen unserer Kunden geht, auch ein Full-Service-Provider, der ganzheitliche Lösungen anbietet, inklusive kreativem Input, Beratung, Produktion und Montage. Nur so kann man als Unternehmen mit unserer Ausrichtung wachsen, ohne Massenware herstellen zu müssen. 

Wir sind ein Full-Service-Provider. Nur so kann man als Manufaktur wachsen, ohne Massenware herstellen zu müssen

CCB Magazin:Was würdest du sagen, auf was kommt es an, wenn man ein Unternehmen wie sygns gründen will?

Anthony:Als Gründer, besonders in der Anfangsphase, mussten wir wirklich Tag und Nacht arbeiten. Denn wichtig ist, sich erst mal einen Namen zu machen und alles durchzuplanen. Und wichtig zu wissen ist, dass Dienstleistungen, die man erbringen will, eine hohe Beständigkeit und Planungssicherheit voraussetzen. Deshalb ist es auch so essentiell, ein strukturiertes Team zu haben, um alles im Überblick zu behalten. Wir zum Beispiel pendeln zwischen unserer Produktion, den Büros in Berlin und Kopenhagen, zwischen Kundenterminen, Bau-Montagen und unserem Lager die ganze Zeit hin und her. Da ist viel Koordination vonnöten. Es macht aber auch echt Spaß.

CCB Magazin:Wenn ihr anderen einen Tipp geben würdet: Wie baut man ein funktionierendes Unternehmen im Bereich Design-Produktion auf?

Anthony:Man braucht keine riesige Startfinanzierung, um ein Projekt wie unseres ins Rollen zu bringen. Ehrlichkeit zu Mitstreitern und eine faire Gewinnbeteiligung im Projektverlauf, das sind starke Motivationsmechanismen. Und du brauchst Leidenschaft für das, was du tust: Wir sind ein Team aus leidenschaftlichen Künstlern, Designern, Architekten und Techies.

CCB Magazin:Ihr seid am Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain gestartet, jetzt sitzt ihr in Mitte: Was bedeutet Berlin für dich und deine Arbeit?

Anthony:Berlin ist der gründerfreundlichste Ort in ganz Deutschland mit strukturellen Vorteilen: Berlin ist ein Netzwerk von „Young Talents“, von praxisbezogenen Universitäten und einem unschlagbaren Lebensstandard. Mich persönlich hat der gute Vibe in Berlin damals angezogen. Ich bin in der Vergangenheit immer wieder hier gewesen, um Freunde zu besuchen und habe mich in diese Stadt verliebt. Es gibt ein so breites Kulturprogramm, das beste Nachtleben Europas und einfach viele Gleichgesinnte, die größtenteils angenehmer und weltoffener ist, als in anderen deutschen Städten.

CCB Magazin:Welche Infrastruktur wünschst du dir in Berlin in der Zukunft, damit Businessmodelle wie eure eine Chance haben?

Anthony:Galerien und Pop-Up Stores sind meiner Meinung nach noch viel zu teuer in Berlin. Hier würden wir uns wünschen, dass es gerade im kreativen Bereich mehr Förderungen von Ausstellungen und Creative Spaces abseits von Büros gibt. Zum Beispiel würden wir sehr gerne mal eine große Neon-Ausstellung organisieren.

CCB Magazin:Anthony, wie geht’s weiter mit euch? Was plant ihr in der Zukunft?

Anthony:Man muss realistisch bleiben, Neon ist ein „Anti-Trend“ zur Modernisierung durch LED -  ja, fast schon ein Anti-Medium durch unmoderne Charakteristik. Deshalb möchten wir uns auch in diesem Markt ein Standbein aufbauen und tüfteln gerade an unserer neuen Marke „Kien“. Licht 1, das erste Produkt von Kien, ist eine smarte LED-Leuchte und wir wollen die erste Produktion über Kickstarter finanzieren. Zudem sind wir Teil des Pop-up-Stores "pop into berlin" in Warschau, Madrid und Zürich in den nächsten drei Monaten. Da freuen wir uns drauf!

CCB Magazin:Anthony, viel Erfolg bei allem, mach’s gut.


Profil von Sygns auf Creative City Berlin 

Infos zu "pop into berlin"

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