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Sara Karayusuf-Isfahani: "Wir sind bunt"

Sara Karayusuf-Isfahani: "Wir sind bunt"
Foto: © in|pact media

Sara Karayusuf-Isfahani ist die Herausgeberin des in|pact media Verlages. Die 36-Jährige gründete zusammen mit ihrem Partner das Medienhaus 2008 inmitten der Wirtschafts- und Zeitungskrise. Allen Zweiflern zum Trotz brachte sie ein Printprodukt mit Wirtschaftsschwerpunkt heraus. Heute ist der Verlag Preisträger der European Newspaper Awards und Medienpartner zahlreicher renommierter Printmedien. Wir stellen Sara im Profil der Woche vor.


CCB Magazin: Hallo Sara, erzähl mal: Wer bist du und was machst du?

Sara: Ich bin Sara und jetzt im Moment vor allem Mama: vor drei Wochen habe ich meine zweite Tochter bekommen. Außerdem bin ich die Gründerin und Herausgeberin des in|pact media Verlages. Wir produzieren monothematische, etwa zwanzigseitige Fachpublikationen, die führenden, renommierten Tages-, Wochen- und Wirtschaftszeitungen beiliegen: dem Handelsblatt, der ZEIT, der WELT, der Wirtschaftswoche und der CAPITAL. Unser thematischer Fokus liegt dabei auf Wirtschaft, Technologie, Medizin, Karriere und IT.

CCB Magazin: Wie bist du dazu gekommen, deinen Verlag zu gründen?

Sara:Ich wollte schon immer selbstständig arbeiten. Bereits als Jugendliche. Ich hab dann zunächst Kommunikationsdesign in Düsseldorf studiert und mich dort intensiv mit visueller Wahrnehmung beschäftigt. Nach meinem Studium habe ich einige Praktika gemacht und bei Verlagen gearbeitet. Ich war aber schon immer eine gute Geschäftsfrau: Ich kann meine Ideen gut verkaufen und wollte mit der Umsetzung einer eigenen Geschäftsidee meine Stärken einbringen. 2008 habe ich mir dann den Traum der Selbstständigkeit erfüllt und gemeinsam mit meinem Partner den in|pact media Verlag gegründet.

Wir dachten uns: wenn wir es jetzt schaffen, dann schaffen wir es später erst recht

CCB Magazin: Hattest du keine Bedenken, mitten in der Wirtschaftskrise einen Verlag zu gründen? Du hättest scheitern können.

Sara:Natürlich haben uns viele damals davon abgeraten, in|pact gerade zu diesem Zeitpunkt zu gründen. Wir haben es trotzdem gemacht. Außerdem dachten wir uns, wenn wir es jetzt schaffen, dann schaffen wir es später erst recht. Wir wollten einfach ein hochwertiges Printprodukt schaffen, das sich visuell deutlich von anderen Wirtschaftsbeilagen abhebt. Natürlich hatten wir zu Anfang nur ein knappes Budget. Darum sind wir tatsächlich von unserem privaten Wohnzimmer aus gestartet. Dann haben wir uns einen Coworking Space gesucht und nach eineinhalb Jahren die erste Mitarbeiterin einstellen können. Heute haben wir ein eigenes Büro und in|pact ist ganz organisch gewachsen: Mittlerweile arbeiten bei uns zehn Festangestellte und acht feste Freelancer.

CCB Magazin: Was ist das Besondere an deiner Arbeit? Was unterscheidet in|pact von anderen Wirtschaftsbeilagen?

Sara:Ich würde sagen, dass wir uns vor allem durch die visuelle Gestaltung auszeichnen und uns dadurch von anderen abheben. Unsere Ausgaben sind sehr illustrativ, enthalten viele Handzeichnungen und Grafiken. Und sie sind bunt. Das macht uns aus. Wir sind außerdem ein sehr buntes Team. Edi ist türkischer Herkunft und ich bin im Iran geboren, aber in Deutschland aufgewachsen. Diese Diversity schafft ein offenes Arbeitsklima und Multiperspektivität.

Edi Karayusuf, Foto: © in|pact media Verlag.

CCB Magazin: Verschiedene Beilagen anderer Medien bestehen häufig zu einem Großteil aus Werbeanzeigen. Auch ihr verwertet gekauften Content diverser Unternehmen. Kann diese Form der Berichterstattung überhaupt guter Journalismus sein?

Sara:Wir bei in|pact verfolgen in der Hinsicht auf jeden Fall einen hohen journalistischen und inhaltlichen Anspruch. Etwa 65 Prozent unserer Beilagen sind redaktionelle Inhalte, die wir selbst produzieren, der Rest ist bezahlter Content diverser Unternehmen. Diesen Content suchen wir aber direkt aus. Und er muss unsere Beilage bereichern. Bei anderen Wirtschaftsbeilagen ist dieses Verhältnis eher umgekehrt: sie sind viel eher Werbeblättchen. Thematisch wollen wir außerdem immer am Puls der Zeit sein. Unser journalistischer Anspruch zeigt sich dann auch in der Dauer der Produktion: Von der Idee bis zur Erscheinung vergehen etwa zweieinhalb Monate.

Die Zeitungskrise ist sehr präsent. Nur wenige werden als Printausgabe überleben

CCB Magazin: Trotzdem seid ihr immer auch vom jeweiligen Trägermedium abhängig. Da muss man doch Abstriche machen.

Sara:Natürlich müssen wir uns mit dem Medium, dem wir beiliegen, absprechen. Wir sind aber trotzdem weitgehend unabhängig und für alles selbst zuständig: Für die Grafik, die Inhalte, den Druck, die Finanzierung. Gleichzeitig profitieren wir von der Reichweite: Je nach Medium haben wir eine Leserschaft von 400.000 bis 850.000.

CCB Magazin: Ihr erscheint als Printprodukt. Welche Zukunft siehst du für die Verlagsbranche?

Sara:Die Zeitungskrise gibt es natürlich und ist sehr präsent. Aber ich glaube, dass wir eine Position gefunden haben, in der wir als Verlag sehr gut funktionieren. Ich denke auch, dass die Zeitung in den nächsten zehn, zwanzig Jahren nicht vollkommen verschwinden wird. Es wird ganz bestimmt eine Selektion geben – nur wenige werden tatsächlich als Printausgabe überleben. Wir bei in|pact spüren allerdings tatsächlich kaum etwas von dieser Krise. Dennoch haben wir mit einem großen Relaunch auf den digitalen Wandel der Medienlandschaft reagiert: Wir bieten all unsere Inhalte zusätzlich digital als App und in einem Online-Magazin an. Print hat jedoch auch in der heutigen Zeit allein durch das Haptische immer noch eine ganz andere Wirkung und die wird von unseren Kunden geschätzt. Das belegt auch das Wachstum unseres Verlages: Das achte Jahr geht zu Ende und es läuft besser als am Anfang.

CCB Magazin: Jede zweite Neugründung geht innerhalb der ersten fünf Jahre Pleite. Welche Hürden musstest du bei der Gründung meistern?

Sara:Also, da muss ich tatsächlich auf Holz klopfen: Es gab keine größeren Hürden, die uns bei der Gründung in den Weg gestellt wurden. Vielleicht lag das auch einfach daran, dass mein Mann und ich ein super Team waren und noch immer sind. Wir haben uns außerdem am Anfang nicht zu viel vorgenommen. Wir sind ohne Fremdinvestitionen gestartet und sind seitdem organisch gewachsen. Und wir haben ein Näschen für gute Themen und die Menschen, mit denen wir arbeiten.

Wenn etwas schief läuft: erstmal durchatmen und in Ruhe nach Lösungen suchen

CCB Magazin: Welche Tipps kannst du anderen für eine Unternehmensgründung geben? Auf was muss man achten?

Sara:Man sollte auf jeden Fall an seine Idee glauben und seinem Bauchgefühl vertrauen. Rückblickend kann ich sagen, dass dieses Bauchgefühl immer gestimmt hat. Außerdem muss man hartnäckig sein und am Ball bleiben, wenn man andere von seiner Idee überzeugen will. Ich finde zudem, dass Sympathie eine große Rolle spielt. Viel lächeln hilft tatsächlich! Und wenn doch etwas schief läuft: erstmal durchatmen und in Ruhe nach Lösungen suchen.

CCB Magazin: Du bist im Ruhrgebiet großgeworden und hast lange Zeit in Essen gelebt. Warum hast du dich für Berlin als Standort entschieden?

Sara:Eigentlich wollte ich gar nicht nach Berlin (lacht) – aber mein Mann hatte dort 2007 eine Stelle in einer Agentur bekommen. Letztendlich war das auch die richtige Entscheidung: 2007 war in der Stadt alles viel günstiger als heute. Die Mieten zum Beispiel. Ich habe außerdem das Gefühl, dass zu diesem Zeitpunkt eine große Aufbruchsstimmung herrschte. Jeder wollte in der Stadt etwas Neues starten –  genauso wie ich. Berlin ist zudem unglaublich kreativ, gerade auch im Bereich der Medien. Unsere Art von Beilage passt daher perfekt in diese Stadt. Berlin hat Geschichte und hat sich toll entwickelt. Die Stadt war damals schon sehr multikulturell – und ist es heute sogar noch viel mehr. Der Wandel ist aber auch eine Gefahr, denn Berlin wird teurer. Ich wünsche mir, dass die Stadt dennoch so kreativ bleibt wie bisher.

CCB Magazin: Was planst du in der Zukunft?

Sara:Ich wünsche mir, dass es weiterhin so gut läuft und sich in|pact auch in Zukunft so organisch entwickelt wie bisher. Trotzdem: ich lebe im Hier und Jetzt, daher genieße ich den Ist-Zustand und denke, dass sich auch in den nächsten Jahren ganz von allein etwas Neues ergeben wird. Ich freue mich schon darauf, mit meinem Team und meinem Mann gemeinsam auf dieses Neue zu reagieren, etwas zu entwickeln und immer wieder Lösungen zu finden.

CCB Magazin: Sara, viel Erfolg dabei!


Profil von Sara Habibi auf Creative City Berlin

Profil des in|pact media Verlages auf Creative City Berlin

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