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Manuela Murschetz: „Mein Tatendrang ist groß“

Schwerpunkt Zürich

Manuela Murschetz: „Mein Tatendrang ist groß“
Foto: © Manuela Murschetz

Wie arbeitet und lebt man als Kreativschaffende(r) in der Schweiz? Manuela Murschetz hat eine eigene Corporate Design-Agentur: Studio Murschetz. Geboren wurde sie in Zürich, dann ging sie nach Berlin. Heute lebt sie wieder in Zürich – und arbeitet dort. Am 14. Dezember ist sie eine von 6 Podiumsgästen im Popup-Club der Kulturprojekte in Zürich zur Frage: „Zwischen zwei Metropolen: Kreativschaffende diskutieren über Produktionsbedingungen, Umsetzungsstrategien und ihre Erfahrungen in Berlin und Zürich“. Wir stellen Manuela Murschetz heute vor und wollen wissen: Wie entfaltet sich das kreative Sein in der größten Stadt der Schweiz? 
 



CCB Magazin: Hallo Manu, wie geht‘s dir?

Manuela Murschetz: Prima, und dir?

CCB Magazin:Gut. Stell dich doch mal vor: Wer bist du und was machst du?

Manuela Murschetz:Ich bin Manu, freiberufliche Grafikdesignerin aus Zürich. In den letzten Jahren hab ich mich auf Corporate Design spezialisiert.

CCB Magazin:Kannst du ein bisschen über deine Arbeit erzählen? Wir wird man das, was du machst?

Manuela Murschetz:1998 hab ich zunächst eine vierjährige Lehre als Polygrafin gemacht. Nach der Ausbildung war ich dann für zwei Jahre in Berlin. Da habe ich ein Grafikpraktikum absolviert, natürlich ohne Bezahlung. Das war in einer sehr jungen Firma mit jungen Leuten. Das Praktikum hat mir zwar kein Geld gebracht, aber eine Perspektive gegeben: Denn seitdem weiß ich, dass ich selbständig arbeiten will. Nach einigen Jahren habe ich dann noch eine Weiterbildung absolviert und mein Netzwerk und meine Kontakte ausgebaut. Heute habe ich meine eigene Agentur: Studio Murschetz. Zu meinen Kunden gehören Unternehmen wie Foto-Ernst, Strochen Optik, ETH Zürich, Axel Springer Verlag, Local Search, Konrad korrigiert, Swissperform oder Montblack-Bar.

CCB Magazin:Was würdest du sagen, was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Manuela Murschetz:Ich bin ständig im Austausch mit Auftraggebern oder anderen Freiberuflern aus meinem Netzwerk. So komme ich immer wieder mit den verschiedensten Geschäftsfeldern in Kontakt. Beim ersten Meeting mit Auftraggebern muss ich genau zuhören und informiere mich im Anschluss vertiefend mit der neuen Materie. Am Ende eines Projekts bin ich dann meist eine Art Spezialistin in diesem Bereich. Das ist alles super interessant. Und es sind immer wieder neue Themen, Ideen und Herangehensweisen. 
 

Illustration von Manuela Murschetz
 

CCB Magazin:Du hast eine Zeit lang in Berlin gelebt. Vermisst du Berlin manchmal?

Manuela Murschetz:Ein bisschen, ich habe aber auch noch Freunde dort, die ich regelmäßig besuche. So gesehen bin ich mit Berlin noch immer verbunden, vor allem weil ich etwa einmal in der Woche mit Leuten aus Berlin skype. 

In Zürich verdient man selbst im Kreativsektor angemessen Geld

CCB Magazin:Wenn du Berlin mit Zürich vergleichst: Wie arbeitet man in Zürich in deinem Feld, wie in Berlin?

Manuela Murschetz:In Zürich existieren viele Atelier-Gemeinschaften, oder Gegenden mit vielen Freiberuflern. Und in Zürich verdient man selbst im Kreativsektor angemessen Geld. Von Freunden in Berlin höre ich immer wieder, wie schwer es ist, in Berlin als Kreativschaffender Fuß zu fassen, dass sie mal den einen und den anderen Job machen. Viele haben auch mehrere Jobs, weil sie von einer Arbeit nicht leben können. Dafür ist Berlin vergleichsweise günstig. In Zürich ist dagegen der Lebensstandard extrem hoch. Berlin strahlt natürlich eine wahnsinnige experimentelle Intensität aus, die Zürich so nicht hat. Und in Berlin macht man einfach mal: man gründet ein Startup oder rennt mit einer Idee los. In Zürich überlegt man sich das lieber zwei Mal.

CCB Magazin:Kürzlich war ich im ‚Basislager‘ in Zürich. Das hat mich irgendwie an das Betahaus in Berlin erinnert.

Manuela Murschetz:Ja, es gibt Strukturen, die sich zumindest ähneln. Das Basislager ist eine Ansammlung von Kreativschaffenden und kreativen Agenturen aus Zürich, auch ich habe dort bis vor kurzem meinen Sitz gehabt. Solche Strukturen sind in Zürich aber recht überschaubar. Ein vergleichbares Netzwerk wie Creative-City-Berlin wäre auch der Impact-Hub oder der Citizen Space, nur in kleinerem Maße. 

CCB Magazin:In Berlin existieren gegenwärtig rund 30.000 Unternehmen und 200.000 Selbständige in den kreativen Branchen. In Zürich sind es 33 000 Beschäftigte in 5000 Betrieben. In Berlin ziehen Künstler und Kulturschaffende meist dahin, wo sich kostengünstige Freiräume bieten. Auch die Kreativen Zürichs wechseln oft ihre Standorte, das zeigt die Studie „Räume und Bewegungen der Kreativen in Zürich“. In den letzten zehn Jahren haben sich aber Verlagerungen der Kreativen von den Fabrikarealen zu Büro- und Gewerbegebäuden ergeben. Macht sich das bemerkbar?

Manuela Murschetz:Das kann ich nur schwer beurteilen. Ich weiß aber, dass in der Industriezone „Züri-West“ zum Beispiel in den vergangen Jahren viele Industriegebäude von Kreativschaffenden genutzt werden. Ich selbst habe vor Kurzem ein neues Atelier in Zürich-Wipkingen bezogen, das ich mir mit einer Texterin und einer Modedesignerin teile. 

Meine Homebase wird sicher Zürich bleiben, da mein Netzwerk hier einfach funktioniert 

CCB Magazin:Manu, wo willst du in Zukunft hin? Was planst du? 

Manuela Murschetz:In den nächsten 30 Jahren wird noch so einiges passieren. Das steht fest. Meine Homebase wird sicher Zürich bleiben, da mein Netzwerk hier einfach funktioniert und es sich in Zürich gut leben lässt. Für mich als Designerin ist es auch kein Problem, europaweit mit anderen zusammenzuarbeiten. Ich kann mir aber auch vorstellen, dass meine Firma in den nächsten Jahren weiter wachsen wird, dass ich fusioniere oder mit anderen Kreativen zusammen etwas ganz Neues aufbaue. Mein Tatendrang ist groß, und das Feld breit gefächert. Zurzeit genieße ich aber erst mal die Vorzüge des selbstbestimmten flexiblen Arbeitens. Und heute bin ich ja auf dem Podium zur Diskussion im Popup-Club mit Dir. Ich freue mich drauf!

CCB Magazin:Ja genau Manu, ich freue mich auch. Bis später!

Manuela Murschetz:Ja bis gleich Jens.


Die Diskussionsrunde "Zwischen zwei Metropolen: Kreativschaffende diskutieren über Produktionsbedingungen, Umsetzungsstrategien und ihre Erfahrungen in Berlin und Zürich“ beginnt heute, am 14. Dezember, um 19:30 in der Schoffelgasse 2 - 4. Hier gibt es alle Infos


Profil von Manuela Murschetz auf Creative City Berlin

 

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