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Ann Besier: "Die Malerei gibt mir das Gefühl, nach einer langen Suche endlich angekommen zu sein"

Ann Besier: "Die Malerei gibt mir das Gefühl, nach einer langen Suche endlich angekommen zu sein"
Foto: © Ann Besier

Jeden Montag stellen wir euch in unserem Profil der Woche einen kreativen Kopf unserer Stadt vor. Diesmal Teil 6: Ann Besier, bildende Künstlerin mit Tendenz zum Surrealismus und einer Leidenschaft für Tiere mit menschlicher Attitüde.


CCB Magazin: Hallo Ann, leg mal los: Wer bist du und was machst du?

Ann Besier: Ich heiße Ann Besier, bin bildende Künstlerin mit Schwerpunkt Malerei und lebe seit gut 23 Jahren in Berlin. Ich arbeite gegenständlich mit Tendenz Surrealismus, meine Sujets sind in erster Linie Tiere mit menschlicher Attitüde. Thematisch setze ich mich mit der Vergänglichkeit und der Entfremdung der Lebewesen auseinander, meist mit biografischem Bezug unter Einbeziehung traumhafter Sequenzen. Ich experimentiere gerne mit unterschiedlichen Materialien wie Blattgold, Wachstuch, LKW-Plane und Geschirrhandtüchern als Maluntergrund.

CCB Magazin: Warum und wann hast du dich entschieden Künstlerin zu werden?

Ann Besier:Ich habe schon als Kind gerne gemalt und gezeichnet, meine Kreativität hat sich später verlagert - ich wurde Punk und Weltenreisende. Freiberuflich professionell als Künstlerin arbeite ich seit 2005. Die Malerei gibt mir das Gefühl, nach einer langen Suche endlich angekommen zu sein.

"New experiences are waiting for you", Acryl, Blattgold auf Leinwand, 2012, © Ann Besier.

CCB Magazin:Was möchtest du mit deiner Kunst erreichen? Was sind deine Themen?

Ann Besier:In meiner Arbeit lege ich den Fokus auf die Beziehung zwischen Mensch und Tier. Alle Tiere haben für mich eine Seele und eine eigene Persönlichkeit. Die Tiere in meinen Bildern stehen für die abstrakten Vorstellungen des Menschen von der Natur. Inhaltlich geht es mir um die Gestaltung von Schutzräumen, die Erweiterung der Wahrnehmung als auch um eine Begegnung auf Augenhöhe. Und ich denke, wir sind schon auf einem guten Weg, weil die Auseinandersetzung mit unserer Ernährung immer mehr thematisiert wird. Auf lange Sicht wäre es wünschenswert, wenn wir dieses Bewusstsein noch erweitern und dem Leid der Tiere, in Form von Massentierhaltung, endlich ein Ende setzen. Ich selbst bin Vegetarierin, ich bin aber nicht dogmatisch, die Ernährungsfrage muss jeder für sich klären. Wenn aber schon Fleisch, dann ist weniger mehr. Von einer artgerechten Haltung der Tiere profitiert schließlich auch der eigene Körper und es macht ein besseres Gefühl, so zu leben.

In meiner Kunst geht es mir um die Gestaltung von Schutzräumen und um eine Begegnung auf Augenhöhe

CCB Magazin:Was bedeutet für dich als Berlinerin die Haupstadt?

Ann Besier:Berlin ist gerade im künstlerischen Kontext ein wichtiger Standort. Nicht nur was die Vernetzung von Künstlerinnen und Künstlern angeht, sondern auch was die gesamte Galerienlandschaft, die Projekträume und Museen betrifft. Sowohl national als auch international sind Künstler aus Berlin geschätzt und gefragt. Das ist von großem Vorteil und ein absoluter Pluspunkt für die eigene künstlerische Position.

CCB Magazin:Was wünscht du dir für Berlin in der Zukunft? Was sollte sich verändern?

Ann Besier:Viele Berlin-Besucher schätzen vor allem die künstlerische Vielfalt der Stadt. Davon profitiert auch die Tourismusbranche und Berlins Prestige in dieser Welt. Das Alleinstellungsmerkmal „Kunst Stadt Berlin“ schafft Arbeitsplätze und Steuereinnahmen.  Doch die Künstlerinnen und Künstler, die maßgeblich dieses Bild prägen, haben immer das Nachsehen. Geförderte Atelierräume sind rar und die Mieten auf dem freien Markt steigen kontinuierlich. Gut 60 Prozent der Künstlerinnen und Künstler leben von Hartz IV. Hier würde ich eine gezielte Erweiterung und Erhöhung der Fördergelder sowie eine Bestandssicherung mehr als begrüßen. Derzeit erhält die Sparte Bildende Kunst gerade einmal 1 Prozent der Gelder aus dem Senatstopf für Kunst und Kultur. Das kann man besser machen. Wenn schon ein Prestige, dann sollte man diesem mit Wertschätzung auf allen Ebenen begegnen.

"This is the beginning of anything you want", Acryl auf Wachstuch, 2012, © Ann Besier.

CCB Magazin:Ann, was planst du in der Zukunft?

Ann Besier:Derzeit arbeite ich in einer Künstlergruppe, für die Zukunft planen wir Ausstellungskonzepte und gemeinsame Ausstellungen. Künstlerisch arbeite ich gerade an der Reihe HASENLAND. Der Hase ist ein altes Ego von mir aus Kindheitstagen. HASENLAND und die Ambivalenz seiner Hasenplüschwelten unterliegen einem Wechselspiel von Vertrautheit, Vorhersehbarkeit und Harmlosigkeit bis hin zu Bedrohlichkeit, Anonymität, Angst und Unberechenbarkeit. Es entstehen eigenwillige Konstellationen und Gesetzmäßigkeiten, denen ich nachspüre. Hier gibt es viel zu entdecken für mich, denn der Hase an sich ist mehr als er vorgibt zu sein.

CCB Magazin:Ann, vielen Dank für dieses Gespräch.


Profil von Ann Besier auf Creative City Berlin

Rubrik: Im Profil

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