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Patrick Bengsohn: "Wir wollen Menschen in eine andere Welt entführen"

Patrick Bengsohn: "Wir wollen Menschen in eine andere Welt entführen"
Foto: © Patrick Bengsohn

Was hat Unternehmensgründung mit einem selbstgebrannten polnischen Holunderschnaps zu tun? Wie macht man Filme und Animationen für Hosentasche, Leinwand, Netz, Events und Messen? Patrick Bengsohn weiß es. Er hat dazu die Agentur MOTOMOTO GbR mitgegründet. Im Profil der Woche (Teil 11) spricht er über seine Arbeit und den Standort Berlin. 


CCB Magazin: Hallo Patrick, wer bist du und was machst du?

Patrick Bengsohn: Hallo, mein Name ist Patrick Bengsohn, ich lebe seit 2007 in Berlin. Ursprünglich komme ich aus der Nähe von Köln und ich bin Mitgründer der Agentur MOTOMOTO GbR.

CCB Magazin: Was macht deine Agentur?

Patrick Bengsohn: MOTOMOTO macht Filme und Animationen für die Hosentasche und die Leinwand, fürs Internet, für Events und Messen. MOTOMOTOs Projekte erzählen Geschichten, machen Lust auf Produkte und inszenieren ganze Räume. Wir gestalten und produzieren 2D- und 3D-Animationen, konzipieren mediale Raumbespielungen und auch Imagefilme machen wir… in schön. 

CCB Magazin: Wie kam es dazu, dass du MOTOMOTO GbR gegründet hast?

Patrick Bengsohn: Als ich nach Berlin kam habe ich zunächst in einer Festanstellung als Junior Art Director Media bei einer Design Agentur gearbeitet. Nach ein paar Jahren wurde mir aber klar, dass es da draußen noch mehr zu erleben gibt und dann bin ich der Verlockung erlegen, mich als Freelancer im Bereich Motion Design selbstständig zu machen. Das war eine sehr lehrreiche Zeit. Man kommt viel rum, sieht sehr viel und lernt viele Leute kennen. Vor zwei Jahren war ich dann mit ein paar ehemaligen Kommilitonen auf einem Wochenendtrip in Polen. Bei selbstgebranntem polnischen Holunderschnaps kam dann die Idee auf, eine eigene Motion Design- und Filmagentur zu gründen. So kam es zu MOTOMOTO. 

Bei selbstgebranntem polnischen Holunderschnaps kam plötzlich die Idee auf, eine eigene Motion Design-  und Filmagentur zu gründen

CCB Magazin: Was willst du mit deiner Agentur erreichen?

Patrick Bengsohn: Ein Teil unserer Arbeit soll Menschen Zusammenhänge vermitteln und natürlich auch Produkte bewerben. Das ist dann der etwas nüchterne und zuweilen auch trockene Aspekt unserer Arbeit. Der weitaus größte Anreiz ist, Menschen durch mediale Inszenierungen zu begeistern und kurzzeitig in eine andere Welt zu entführen. Das kann man im kommerziellen Bereich etwa auf Messen oder Preisverleihungen erreichen. Interessanter sind aber oftmals die kleineren, weniger kommerziellen Projekte, bei denen weder der Auftraggeber noch die Adressaten eine berufliche Nähe zum Thema haben und medial weniger eingefahren sind. Ziel ist es für uns, immer genau dieses Gefühl der Begeisterung auch auf andere Projekte zu transportieren. 

CCB Magazin: Welche Anforderungen stellen sich an deine Arbeit, auf was kommt es an?

Patrick Bengsohn: Bei unserer Arbeit kommt es drauf an, dass man von allem eine Ahnung hat. Das kann Segen und Fluch zugleich sein. Meiner Erfahrung nach wird von Motion Designern erwartet, dass sie gute Grafiker, 3D-Animatoren, Cutter, Colorgrader, Sounddesigner, Storyboarder und Regisseure in einem sind. Im Klartext heißt das aber, dass wir uns - neben all den kreativen Fähigkeiten - mit einer Menge Technik auskennen müssen. Daher sind gute Motion-Designer sehr gefragt. Das Zusammenspiel aus Kreativität und technischer Weiterentwicklung ist in unserer Branche ein andauerndes Thema. Wir bei MOTOMOTO schauen auch gerne mal nach links und rechts und überlegen, wie man eine neue Entwicklung außerhalb unserer Branche auch medial nutzen kann. Dabei legen wir besonderen Wert darauf, auch Projekte anzunehmen, die nur ein sehr kleines oder gar kein Budget haben, wenn es uns als Idee interessiert oder wir mit unserer Arbeit einen guten Zweck unterstützen können. 

Für uns ist es wichtig, so nah wie möglich am kreativen Markt zu sein und alltäglich inspiriert zu werden

CCB Magazin: Was bedeutet Berlin für dich als Standort für deine Arbeit? 

Patrick Bengsohn: Meiner Meinung nach bekommt der Standort eines Unternehmens in Zeiten von Onlinevermittlungen von Kunden an die globale Kreativgemeinschaft eine immer geringere Bedeutung. So kommt es manchmal vor, dass ich Kunden in München habe und unsere Agentur in München Kunden aus Berlin betreut. Für uns ist es aber trotzdem wichtig, so nah wie möglich am kreativen Markt zu sein und alltäglich inspiriert zu werden. Und was das angeht, ist Berlin noch immer ein Paradies. Im Vergleich zu anderen Städten habe ich hier das Gefühl von kreativer Freiheit. Die springt einen auch regelrecht auf Flächen wie dem RAW-Gelände, dem Tempelhofer Feld, dem Mauerpark oder einfach nur in Form von Wandkritzeleien auf der Toilette einer x-beliebigen Bar an. Allerdings habe ich den Eindruck, dass sich in der kurzen Zeit, in der ich hier lebe, einiges verändert hat. Was vielleicht an den Herausforderungen liegt, denen sich eine schnell wachsende Stadt zu stellen hat. Berlin wird irgendwie erwachsener, was ich persönlich schade finde.

CCB Magazin: Sollte sich in Berlin etwas verändern? Was darf nicht verloren gehen?

Patrick Bengsohn: Freiräume sollten bestehen bleiben, das macht Berlin so besonders. Die Stadt muss aber auch weiterentwickelt werden, unbedingt, so wie zum Beispiel mit dem Projekt „Radbahn“. Aber bitte nicht den Charakter verlieren.

CCB Magazin: Was planst du in der Zukunft?

Patrick Bengsohn: Da ich erst vor kurzem Vater geworden bin, bin ich im Moment noch voll mit der Planung beschäftigt, wie ich den nächsten Tag am besten organisiere. Da bleibt nicht mehr viel Zeit für Zukunftspläne. Schön wäre es allerdings, wenn wir als Agentur langsam und gesund wachsen könnten und uns unsere Freude an der Arbeit erhalten.

CCB Magazin: Patrick, viel Erfolg dabei!


Profil von Patrick Bengsohn auf Creative City Berlin

Rubrik: Im Profil

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