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Shai Hoffmann: "Traut euch neue Dinge zu tun! Das ist wie eine neue Liebesbeziehung!"

Shai Hoffmann: "Traut euch neue Dinge zu tun! Das ist wie eine neue Liebesbeziehung!"
Foto: © Shai Hoffmann

Shai Hoffmann hat einen turbulenten Lebenslauf: Er hat als Jugendlicher in deutschen Soaps mitgespielt, dann Betriebswirtschaftslehre studiert, heute nennt er sich Karma-BWLer. Shai Hoffmann bringt Crowdfunding-Kampagnen auf den Weg, arbeitet als Crowdfunding-Berater und hat sein eigenes Unternehmen shai hoffmann gegründet. Zudem organisiert er die Get Engaged-Konferenzen, mit denen er Sozialengagierte in Berlin zusammenbringt. Und jetzt spielt er auch noch Theater. Zeit, dass wir diesen Herren einmal im Profil der Woche vorstellen (Teil 16).


CCB Magazin: Hallo, Shai, leg mal los, wer bist du und was machst du?

Shai:Hallo, ich bin Shai Hoffmann, ich bin Karma-BWLer und arbeite an Projekten, die Werte wie Wertschätzung, Vertrauen und Glück schöpfen. Werte, die meines Erachtens in unserer Gesellschaft zunehmend abhandengekommen sind. Dafür habe ich ein eigenes Unternehmen shai hoffmann gegründet, mit dem ich mich auf Crowdfunding-  sowie Social-Media Strategie-Beratung spezialisiert habe. Zudem habe ich mit meiner guten Freundin Amira Jehia, Geschäftsführerin von Mein Grundeinkommen e.V., die Karma Ventures UG gegründet, mit der wir lauter bunte und schöne Projekte realisieren, die die Welt ein Stückchen besser machen sollen.

CCB Magazin: Was willst du "besser" machen? 

Shai: Ich wünsche mir, dass wir uns wieder mehr wertschätzen. Egal, ob wir HartzIV-Empfänger, Krankenschwester, Busfahrer, Ärztin oder Banker sind. Wertschätzung erfordert aber Empathie und vor allem einen Paradigmenwechsel in der Ökonomie. Darum brauchen wir eine Ökonomie, die humanes Streben befördert, und nicht eine, die auf Gewinnmaximierung ausgerichtet ist. Hier will ich ansetzen:  Ich produziere mit der Karma Ventures UG faire nachhaltige Sneaker, die Karma Classics. Zudem organisieren wir Konferenzen wie die Get Engaged, mit der wir Sozialengagierte zusammenbringen und die unterschiedlichsten Perspektiven diskutieren. Auch halte ich Vorträge und berate mit shai hoffmann „junge“ und „alte“ Sozialunternehmer zum Thema alternative Finanzierungsmodelle – und blogge und vlogge auf meinem Blog CrowdLove über Dinge, die mich persönlich beschäftigen.

CCB Magazin: Was willst du mit deiner Arbeit bewegen? 

Shai:Ich will mit meiner Arbeit andere motivieren, einen Perspektivwechsel zu wagen. Das beginnt schon im Kindergarten und zieht sich durch das ganze Leben. Oft steige ich in den Bus ein, zeige meine Umweltkarte vor und bedanke mich bei den Fahrern. Einfach so. Die schauen mich dann an, als hätten sie ein UFO gesehen – freuen sich aber meistens darüber. Wir müssen einfach dankbarer werden. Wir dürfen das, was wir haben, nicht für selbstverständlich nehmen.  

Wir müssen einfach dankbarer werden. Wir dürfen das, was wir haben, nicht für selbstverständlich nehmen

CCB Magazin: Du hast schon so einiges gemacht in deinem Leben. Erzähl mal, wie wurde es zu dem, was es heute ist? 

Shai:Oh, ich habe wirklich einen turbulenten Lebenslauf. Angefangen mit einem nicht erwähnenswerten schlechten Realschulabschluss über eine mit ach und krach bestandene Ausbildung zum Hotelfachmann bis hin zu diversen Engagements als Schauspieler in deutschen Vorabendserien – damals bei GZSZ. Ok, ich war jung und brauchte das Geld. Dann habe ich meinen Abschluss in Betriebswirtschaftslehre gemacht, in Berlin und New York City. Irgendwann dachte ich mir: „Moment mal, ich möchte nicht nach Gewinnmaximierung zu Lasten anderer streben und die soziale Ungerechtigkeit weiter befeuern. Ich will Dinge tun, die mir und allen Menschen, die daran teilhaben, Spaß machen und uns vor allem zusammenbringen“.  Wertschätzung, davon bin ich fest überzeugt, ist der nachhaltigere Wohlstand. So arbeite ich aktuell zum Beispiel noch bei Netafim Germany und bin für das Social Media Marketing zuständig. Netafim Germany ist Marktführer in der effizienten Tropfenbewässerung von Ackerflächen und Urban Gardening-Projekten. Das alles ist wirklich ein buntes Potpourri an Projekten, die mich jeden Morgen mit einem breiten Grinsen und großer Lust auf den Tag aus dem Bett holen. 

CCB Magazin: Was bedeutet Berlin für dich und deine Arbeit?

Shai: Berlin ist meine Heimat. Obwohl ich israelische Wurzeln habe und regelmäßig in Tel Aviv bin, liebe ich Berlin. Berlin ist so vielfältig, wie ich mir das heutige, vor allem aber das zukünftige Deutschland wünsche.  Die verschiedenen Kieze mit ihren individuellen Flairs inspirieren mich jeden Tag. Auch die Social-Entrepreneurship-Szene wächst hier Dank einer sehr aktiven Szene, was mich besonders freut. Die Menschen in Berlin sind im Vergleich zu anderen deutschen Städten einfach aktionistischer, sie starten Initiativen, die beispielsweise gesellschaftliche Teilhabe von geflohenen Menschen zum Ziel haben. Das können sie hier tun, weil Berlin ihnen die Infrastruktur bietet – relativ günstige Mieten, gute Fördermöglichkeiten, gute Vernetzungsmöglichkeiten.  Dieser Aktionismus motiviert mich, und mal ehrlich: Was gibt es Schöneres, als an einem lauwarmen Sommerabend mit Freunden auf dem Tempelhofer Flugfeld den Sonnenuntergang zu genießen und bei einer Rhabarberschorle Pläne zu schmieden, wie wir unsere Welt ein Stückchen besser machen können? 

Was gibt es Schöneres, als auf dem Tempelhofer Flugfeld den Sonnenuntergang zu genießen und bei einer Rhabarberschorle Pläne zu schmieden?

CCB Magazin: Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sollte Berlin in Zukunft gestaltet werden?

Shai: Ich wünsche mir, dass noch mehr Menschen den Mut und die Kraft aufbringen, die Gesellschaft mitzugestalten und sich zivilgesellschaftlich zu engagieren. Vor allem auch politisch, damit wir rechtspopulistischen Kräften keinen Nährboden bieten. Und ich bin überzeugt: Mit guten, kreativen Ideen und einer packenden Story kann man für sein Projekt tatsächlich Geld einsammeln, auch über Crowdfunding – und das relativ unbürokratisch. Außerdem wünsche ich mir, dass wir erfolgreiche Projekte für Geflüchtete mithilfe der Politik, die ja quasi um die Ecke sitzt, in viele weitere Bundesländer übertragen bekommen. Gute Beispiele gibt es genug: Sharehaus Refugio, Flüchtlinge Willkommen, Kiron University und viele mehr. Eine engere Verzahnung von Politik und zivilgesellschaftlich organisierten Projekten wünsche ich mir ebenfalls.  Lasst uns Berlin noch grüner, bunter und toleranter machen! Damit unsere Stadt auch weiterhin so liebenswert bleibt.

CCB Magazin: Shai, was planst du in der Zukunft?

Shai: Zuerst einmal wünsche ich mir, dass ich gesund bleibe, da ich 2007 eine Niere von meinem Papa erhalten habe. Ohne Gesundheit, keine aufregenden Projekte. Und in Zukunft möchte ich einfach genau das weitermachen, was ich bisher tue. Und ich wünsche mir sehr, dass ich möglichst vielen von euch bei dem ein oder anderen Projekt persönlich über den Weg laufe. Zum Beispiel bei unserer Get Engaged Konferenz am 3.+4.9. im Holzmarkt Berlin zum Thema „Scheitern“ oder auf anderen Netzwerkveranstaltungen der Stadt. Und vor allem möchte ich neugierig bleiben. Das ist der Motor für meine Aktivitäten. So spiele ich derzeit zum Beispiel unregelmäßig Theater. Nicht, weil ich gelernter Schauspieler bin, sondern weil ich das noch nie gemacht habe und ich es liebe, an Herausforderungen zu wachsen. Traut euch auch Dinge zu tun, die ihr noch nie getan habt - es ist aufregend, wie eine neue Liebesbeziehung!

CCB Magazin: Danke für das Gespräch. 


Profil von Shai Hoffmann auf Creative City Berlin

Ein Interview mit Shai Hoffmann zum Thema Crowdfunding findet sich auf www.crowdfunding-berlin.com

Kategorie: Im Profil

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