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Anja Thonig: „Crowdfunding ist wie ein kleines Baby, man muss sich drum kümmern und es großziehen“

Anja Thonig: „Crowdfunding ist wie ein kleines Baby, man muss sich drum kümmern und es großziehen“
Foto: © Anja Thonig

Wenn Anja Thonig lacht, geht die Sonne auf. Und wenn Anja Thonig spricht, informiert sie andere über Crowdfunding: Seit zwei Jahren arbeitet sie als Berliner Ansprechpartnerin für die Crowdfunding-Plattform visionbakery.com. Aktuell war sie an der Gründung des neuen Crowdfunding Campus beteiligt, der Weiterbildungen, Kurse und Workshops rund um das Thema Crowdfunding anbietet. Im Profil der Woche spricht sie über Berlin als Leidenschaft, leidenschaftliches Finanzieren und darüber, warum Berlin im Grunde wie Crowdfunding ist.


CCB Magazin: Hallo Anja, leg mal los: Wer bist du und was machst du?

Anja: Hey. Ich bin Anja und unterstütze Menschen dabei, ihre Ideen und Projekte zu realisieren. Über Crowdfunding. Seit zwei Jahren arbeite ich bei VisionBakery, der zweitgrößten Crowdfunding-Plattform in Deutschland. Hier bin ich Ansprechpartnerin für Berlin. Professionell gesprochen heißt das: Ich bin Crowdfunding-Spezialist :-) Ich lebe jetzt seit knapp einem Jahr in Berlin und will hier auch erstmal nicht weg.

CCB Magazin:Wie kam es dazu, dass du dich mit Crowdfunding beschäftigt hast und in diesem Feld arbeitest?

Anja: Ich habe zuvor als Marketingmanagerin und Projektleiterin in verschiedenen Agenturen und Online-Start-ups gearbeitet. Irgendwann wurde ich dann gefragt, ob ich bei Vision Bakery einsteigen möchte – von Stephan Pop, dem Gründer der VisionBakery. Voll der Luxus also. So kam eins zum anderen. Momentan kann ich mir auch nichts anders vorstellen. Darum arbeiten Stephan und ich immer noch zusammen.

CCB Magazin:Was ist für dich das Besondere am Crowdfunding? Was willst du mit deiner Arbeit bewegen?

Anja: Das Besondere am Crowdfunding ist, dass man eigene Ideen mit anderen realisieren kann: Crowdfunding bringt die Menschen zusammen, die an eine gemeinsame Projektidee glauben. Es gibt aber im Bereich Crowdfunding noch immer nicht genügend Experten, die auch Experten sind: Viele Berater sind nicht umfassend kompetent. Darum haben wir gerade den Crowdfunding Campus gegründet, den ersten Bildungsträger in Deutschland, der Weiterbildungen, Kurse und Workshops rund um das Thema Crowdfunding anbietet. Entstanden ist die Idee, weil Crowdfunding zwar immer populärer wird, die Erfolgsquote in Deutschland im letzten Jahr aber wieder rückläufig war: Sie liegt gegenwärtig bei 54 Prozent. 

Crowdfunding-Projekte, die keinerlei Beratung in Anspruch nehmen, sind viel weniger erfolgreich

CCB Magazin:Was sind die Gründe dafür?

Anja: Das liegt vor allem daran, dass Projekte, die keinerlei Beratung in Anspruch nehmen, viel weniger erfolgreich sind. Eine gute Beratung macht also wirklich etwas aus, darum muss es auch mehr Bildungs- und Beratungsangebote geben. Wir wollen jetzt mit dem Campus gezielt Projektmanager, Start-ups, Vereine und Initiativen das nötige Rüstzeug für die Betreuung von Crowdfunding-Kampagnen mitgeben.

CCB Magazin:Du bist ursprünglich aus Leipzig und seit einem Jahr in Berlin: Was bedeutet Berlin für dich als Lebens- und Standort?

Anja: Berlin steht für gutes Essen, Internationalität und jede Menge Potential zum Netzwerken. In Berlin wird probiert und gemacht, man rennt einfach mal los. Darum macht es einem Berlin auch nicht ganz so schwer, hier anzukommen. Zugleich ist es aber auch echt schwierig, hier richtig Fuß zu fassen, sich zu etablieren und einen festen Job zu finden.

CCB Magazin:Das klingt so, als sei Berlin ein bisschen wie Crowdfunding: Man probiert mal aus und schaut was passiert. Richtig etablieren kann man sich mittels Crowdfunding auch nicht: Die Durchschnittssumme einer Finanzierung liegt in Deutschland pro Projekt bei rund 8.000 Euro. Das Crowdfunding schafft keine Arbeitsplätze.

Anja: Ja, ein bisschen ist das so. Vor allem der Bereich reward based Crowdfunding ist bislang komplett projektbezogen, ganz anders als in den USA. Crowdfunding ist in Deutschland nur eine gute Zusatzfinanzierung. Das Crowdfunding ist eben wie ein kleines Baby, man muss sich drum kümmern und es erst mal großziehen. Das gilt auch für Berlin:-)

CCB Magazin:Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sollte Berlin in Zukunft gestaltet werden?

Anja: Das Spätiverbot zum Sonntag sollte definitiv aufgehoben werden ;-) Es ist mir in einigen Ecken einfach zu dreckig und verlottert. Das ist aber nicht die Schuld der Stadt, sondern der Menschen, die darin leben. Hier wäre ein wenig Rücksichtnahme wirklich angebracht.

CCB Magazin:Anja, was planst du in der Zukunft?

Anja: Ein Haus am Meer!

CCB Magazin:Finanziert über Crowdfunding?

Anja: Mal schauen, wenns läuft:-) Finanzierst du mit?

CCB Magazin:Klar, einen Euro hab ich noch.

Anja: Ok, das beruhigt mich aber. Lassen wir das mal auf uns zukommen. Am Ende kommt ja eh immer alles anders, als man denkt, ne.

CCB Magazin:Anja, viel Erfolg!


Profil von Anja Thonig auf Creative City Berlin 

Ein vertiefendes Interview zum Crowdfunding Campus gibt es auf Crowdfunding Berlin: www.crowdfunding-berlin.com

Rubrik: Im Profil

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