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Heute da, morgen vielleicht wo anders

Schwerpunkt Pop-up-Stores

Heute da, morgen vielleicht wo anders
Foto: © Patrick Burkert

Sie tauchen in Hotelzimmern auf, in Containern, als Galerie und sogar in großen Einkaufszentren: Pop-up-Stores, temporäre Läden, die genauso schnell wieder verschwinden wie sie kamen. Patrick Burkert ist Managing Director von Go—PopUp, einer Vermittlungs-Plattform, die seit 2013 kreative Projekte und ihre Macher bei der Suche eines geeigneten Pop-up-Space unterstützt. Bislang hat Go—PopUp 2500 Flächen mit Partnern zur Kurzzeitvermietung verfügbar gemacht. Welches Potenzial haben Pop-up-Stores für die Berliner Kreativwirtschaft? Wir sprachen mit ihm.
 

INTERVIEW  JENS THOMAS
 


CCB Magazin: Hallo Patrick, auf eurer Webseite steht: „Pop-up-Stores bieten Chancen für Mieter und Vermieter“. Welche sind das?

Patrick Burkert: Über Go—PopUp finden Marken passende Gewerbeflächen, die kurzeitig angemietet werden können. So lassen sich Produkte testen, saisonale Kampagnen starten, die Markenbekanntheit steigern oder eine Geschäftsidee validieren, kurz: Pop-up-Stores bieten Zugang zum stationären Einzelhandel ohne großes Risiko und ohne lange oder komplizierte Mietverträge. Zudem erhalten Vermieter die Möglichkeit, mit ungenutzten Flächen oder Teilflächen Geld zu verdienen. Durch Kurzzeitmieter können sie das eigene Geschäft ankurbeln oder auch mitfinanzieren und so Standorte beleben.

CCB Magazin: In Berlin leben zirka 200.000 Kreativschaffende. Welche Chancen bieten Pop-up-Stores gezielt Kreativschaffenden in Berlin?

Patrick Burkert: Vor allem bietet die gewerbliche Kurzzeitmiete oder der Pop-up-Store Zugang zum stationären Einzelhandel. Und das vor allem auch in guten Lagen, die seit Jahren von den kapitalstarken Unternehmen beherrscht werden. Durch die Verknappung und den kurzen Zeitraum kann der Pop-up-Store schnell zum Selbstläufer auf allen Kanälen werden und damit zum kostengünstigen und effizienten Marketing- und Public-Relations-Werkzeug, um auf sich aufmerksam zu machen oder neue Kunden zu gewinnen. Chancen bietet der Pop-up-Store vor allem dann, wenn man weiß, was man damit erreichen will, und das sollte man wissen. Ist es der Abverkauf, das Markenerlebnis, die Neukundengewinnung, das Kundenfeedback? Pop-up funktioniert wie eine Kampagne in der Online-Werbe-Welt. 

Pop-up funktioniert wie eine Kampagne in der Online-Werbe-Welt

CCB Magazin: Für welche Kreativbranchen eignen sich Pop-up-Stores, für welche nicht?

Patrick Burkert: Pop-up eignet sich wirklich für jeden und jede noch so verrückte Idee. Wir sehen aber, dass es erst mal die kleinen Marken sind und die etablierten, mittelgroßen Unternehmen, die Pop-up für sich nutzen. Viele Impulse kommen auch aus der Maker-Szene, von den Food-Entrepreneuren und den jungen Fashion Labels. 

CCB Magazin: In Berlin eröffnete 2014 das erste Shopping-Center, das Pop-up-Stores in sein Konzept integriert: Im BIKINI BERLIN gibt es 20 feste Stores, die für einen Zeitraum von drei bis zwölf Monaten angemietet werden können. Welche Bilanz ziehst du?

Patrick Burkert: Das BIKINI BERLIN zählt zu unseren spannendsten Kunden. Wir haben viele gemeinsame Projekte in den letzten Monaten gemacht. Das Pop-up-Konzept dieser Art war sogar eines der ersten in Europa, neben dem Boxpark in London. Und wir glauben fest daran, dass sich das Format Shopping Mall in Zukunft sehr positiv entwickeln wird. Das passiert aber nur unter der Voraussetzung, dass auch hier ein sich veränderndes Nutzungsverhalten der Kunden berücksichtigt wird. Malls werden ein Ort des Erlebens, der Begegnung und der Vielfalt.

CCB Magazin: Gibt es spezielle Orte in Berlin, an denen sich Pop-up-Stores lohnen?

Patrick Burkert: Ja, die gibt es. Und diese zu finden, ist genau unser Job. Wir nennen das Matchmaking, das bedeutet, dass eine Stadt, die aus vielen Menschen besteht, ständig in Bewegung ist und man die Menschen darum in Zielgruppen unterteilen muss. Je nach Zielgruppe X, die man für Grund Y erreichen möchte, sagen wir unseren Kunden, basierend auf einer Vielzahl von Faktoren und Daten, wo, wann und wie das funktionieren kann – und wird. So verteilen sich unsere Flächen über die ganze Stadt, mit dem bisherigen Epizentrum in Berlin-Mitte.

CCB Magazin: Auf was sollte man achten, wenn man plant, einen Pop-up-Store zu eröffnen?

Patrick Burkert: Die passende Fläche finden, das ist die absolute Grundlage. Man sollte zudem lange genug im Voraus planen und wissen, welche Ziele man erreichen möchte. Auch wenn der Zeitraum des Stores kurz ist, bedeutet das nicht, dass man wenig in die Planung investieren sollte. Ganz im Gegenteil: Ein gutes Konzept, der passenden Ort und die richtige On- und Offline-Kommunikation machen den Store zum Erfolg. Für all das haben wir übrigens passende How-To Guides entwickelt.

Gegen strukturelle Probleme sind weder wir noch das Prinzip Pop-up ein Heilmittel

CCB Magazin: Du hast bislang vor allem Vorteile von Pop-up-Stores beschrieben. Inwiefern besteht aber auch die Gefahr der Verdrängung bei temporärer Anmietung? Und spielgelt das nicht auch ein generelles Problem wider, dass Räume für Kreativschaffende schwinden – oder in diesem Falle zeitlich befristet sind?

Patrick Burkert: Ganz im Gegenteil! Man muss endlich verstehen, dass der Pop-up-Store von heute nur noch wenig mit dem Konzept der Zwischen- oder Leerstandsnutzung von damals zu tun hat. Pop-up ist immer eine Form von Marketing und dafür benötigt man die passende Lage und die passende Zielgruppe an dieser Lage – und natürlich einen zeitlichen Rahmen für seine Kampagne. Diese Lagen sind schon lange nicht mehr einfach zu beziehen, das stimmt. Aber dank Pop-up besteht zum ersten Mal die Möglichkeit, auch dort aufzutauchen – da ist die Kurzzeitvermietung der einzige Zugang. Dazu zählen nicht nur Ladenflächen in Innenstädte, sondern auch Shopping Malls, Märkte und Events oder Festivals und mobile Pop-ups. Ohnehin gibt es Flächen und Räume in Berlin zur Genüge, keiner traut sich aber, diese auch wirklich zu nutzen. Im September letzten Jahres haben wir darum eine Leerstandssafari mit dem Bike durch Berlin gemacht, um auf die vielen ungenutzten Flächen aufmerksam zu machen. Gegen strukturelle Probleme sind aber weder wir noch das Prinzip Pop-up ein Heilmittel. Zunächst einmal müssen wir als Start-up daran arbeiten, weiterhin Aufmerksamkeit für das Thema zu erzeugen. Und daran arbeiten wir.

CCB Magazin: Patrick, Danke für das Gespräch. 


Alle Infos zu Go—PopUp findet ihr hier.

Am 14.6. ist Patrick Burkert Speaker der Veranstaltung "Heute hier - morgen wieder weg! Was ist dran am Pop-Up Hype?" der Kreativwirtschaftsberatung Berlin.

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