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Susa Pop: "Ich bin eine Schnittstellenakteurin"

Susa Pop: "Ich bin eine Schnittstellenakteurin"
Foto: © Anna Demidova

Susa Pop ist Kulturmanagerin und hat das Public Art Lab (PAL) ins Leben gerufen, eine interdisziplinäre Plattform von Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Medienkunst und IT in Berlin mit dem Ziel, den Dialog im öffentlichen Raum zu führen. Wir stellen Susa Pop heute im Profil der Woche vor. Mehr noch: Sie ist auch Berlin's Best-Akteur und erhält von uns eine Auszeichnung. Gratulation! 


CCB Magazin: Hallo Susa, stell dich mal vor: Wer bist du und was machst du? 

Susa Pop:Ich bin Susa Pop, künstlerische Leiterin von Public Art Lab (PAL) und kuratiere Urban Media Art Projekte im öffentlichen Raum. Ich würde mich selbst als Schnittstellenakteurin bezeichnen. Ich vermittle an den Schnittstellen und baue Brücken zwischen den verschiedenen Kulturen und Disziplinen. Dabei entstehen Netzwerke und interdisziplinäre Kooperationen zwischen Kunst und Kulturen, Technologien, Wissenschaft, Stadtplanung und Marketing.

CCB Magazin:Was genau ist das Public Art Lab?

Susa Pop:Public Art Lab (PAL) wurde 2003 von mir gegründet und versteht sich als interdisziplinäre Plattform von Experten aus den Bereichen Stadtplanung, Medienkunst und IT in Berlin. Wir verwirklichen die Vernetzung urbaner Kunstprojekte, die künstlerische Prozesse und öffentliche Aufmerksamkeit an temporär besetzten städtischen Orten katalysieren. Dabei regen wir das Publikum an, Teil von kreativen Prozessen zu werden und die eigene Umgebung aus einer anderen Perspektive zu erleben. Die Projekte zielen auf Förderung der Gemeinschaftsentwicklung, Identitätsbildung und Kommunikation zwischen den Bewohnern der Stadt ab. 

Unsere Projekte zielen auf Gemeinschaftsentwicklung, Identitätsbildung und Kommunikation zwischen den Bewohnern der Stadt ab

CCB Magazin:Wie bist du zu deiner Arbeit gekommen?

Susa Pop:Ich habe Design und Kulturmanagement studiert und mich schon immer für Kunstprojekte im urbanen Raum interessiert, über die Passanten mitmachen können und ein gemeinsames Erlebnis teilen. 2008, als die Gentrifizierung in Berlin ihren ersten Höhepunkt erreichte, haben wir das erste Mal unser ‚Medienfassaden Festival‘ veranstaltet. Hierzu haben wir Künstler und Kreative eingeladen, für die neu entstandenen digitalen Großbildschirme, die normalerweise nur Werbung zeigen, aktivistische Projekte à la reclaim the screens zu entwickeln. An dieser Stelle haben wir sehr schnell gemerkt, dass die Screens interaktiv mit neuen Medientechnologien als Plattformen für 'Local Communities' genutzt werden können. Ja - man kann selbst Städte und ihre Bewohner in Austausch bringen, was wir durch das darauffolgende Projekt 'Connecting Cities' erfahren haben.

CCB Magazin:Wie und in welcher Form?

Susa Pop:Connecting Cities ist eine Auseinandersetzung mit dem Potential von Medienarchitekturen, digitalen Großbildschirmen, mit interaktiven Projektionen und Medien. Darüber können wir den Dialog im öffentlichen Raum für die Bewohner und Passanten durch künstlerische interaktive Szenarien direkt erlebbar machen. Und alle können an den Installationen teilnehmen: Gemeinsam, nicht allein mit dem Smartphone oder nur vor dem Computer. 2015 haben wir beispielsweise auf zwei gigantischen Screens in Gunaghzou in China und in Perth in Australien die Bewohner der beiden Städte direkt in Austausch gebracht. Die Besucher konnten sich so per Screen beobachten und miteinander telepräsent interagieren, auch wenn sie in anderen Städten waren. Mit der gleichen Installation haben wir über eine Rückprojektion auch unser Ladenschaufenster in Berlin-Wedding mit der Europäischen Kulturhauptstadt Riga 2014 vernetzt.

CCB Magazin:Was würdest du sagen, was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Susa Pop:Mediale Kunst im Stadtraum (Urban Media Art) ist so vielseitig wie die Menschen es sind - und aufgrund der medialen Vernetzungsmöglichkeiten sehr international und durch die neuesten Technologien zeitaktuell. Häufig ist meine Arbeit auch sehr zukunftsweisend. In der Kunst geht es ja vor allem darum, wichtige Fragen zu stellen und diese in künstlerischen Installationen zu vermitteln und zu reflektieren. Da es sich nicht um direkte Lösungsvorschläge handelt, sondern mehr um Experimente und Prototypen, muss ich natürlich immer wieder Partner finden, die Interesse haben, an den Projekten mitzuwirken. Viele unserer Projekte sind von der Europäischen Union gefördert. Es ist oft leichter, Partner im Ausland zu finden, da die Konkurrenz in einem Kreativhub wie Berlin sehr groß ist.

CCB Magazin:Auch wenn es sich bei deiner Arbeit eher um Experimente und Prototypen handelt: Kann deine Arbeit die Gesellschaft in irgendeiner Weise verändern?

Susa Pop:Mit meiner kuratorischen Arbeit kann ich wichtige Fragen zur Umwelt, Stadtplanung, digitalen Gesellschaft,  interkultureller Austausch,  Migration, Gemeinschaftsbildung im Stadtraum zur Diskussion stellen. Auch kann ich Passanten und Menschen durch interaktive und künstlerische Szenarien einladen, wichtigste Themen mitzugestalten und ihre Meinung zu äußern. Dadurch entsteht ein Bewusstsein, ja manchmal sogar ein Engagement, Austausch, Perspektivenwechsel. Das ist doch schon mal was.

Durch unsere Arbeit entsteht ein Bewusstsein, ja manchmal sogar ein Engagement, Austausch, Perspektivenwechsel. Das ist doch schon mal was

CCB Magazin:Du bist aus Berlin: Was bedeutet Berlin für dich als Lebens- und Standort?

Susa Pop:Berlin ist wie eine große Liebe. Hier lässt es sich gut leben, arbeiten, Kinder kriegen, tolle Menschen kennenlernen und es gibt immer wieder unerwartetes zu entdecken, obwohl man denkt, man kennt schon alles.

CCB Magazin:Du bezeichnest dich als Schnittstellenakteurin und thematisierst Entwicklungen im Stadtraum. Wie sollte Berlin deiner Meinung in Zukunft gestaltet werden?

Susa Pop:Ich würde mir wünschen, dass Berlin so vielfältig bleibt wie es ist und es weiterhin so viele Freiräume und Spielräume für Kreative gibt, die sich hier ausprobieren und experimentieren können. Freiheit, Abenteuer, Überraschung und Diversität machen eine kreative Stadt aus. Ich wünsche mir auch, dass diese Kreativität nicht von rein finanziellen Geschäftsinteressen vertrieben wird. Alle lieben Berlin als Stadt der vielen Möglichkeiten. Das sollte so bleiben.

CCB Magazin:Susa, was planst du in der Zukunft?

Susa Pop:Urban Media Art ist ein noch sehr neues Genre, in der Zukunft möchte ich meine Erfahrungen in diesem Feld sehr gern weitervermitteln.  Nächste Woche kommt unser Buch 'What Urban Media Art Can Do - Why Where When and How?' raus. Das ist schon mal ein guter Ansatz, um ein breiteres Publikum zu erreichen.


Profil von Susa Pop auf Creative City Berlin 

Profil von Public Art Lab auf Creative City Berlin 

Auszeichnung Berlin's Best

 

Rubrik: Im Profil

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