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Tobias S. Hoffmann: „Meine Gestaltung hilft mir, eine bessere Version meiner selbst zu werden“

Tobias S. Hoffmann: „Meine Gestaltung hilft mir, eine bessere Version meiner selbst zu werden“
Foto: © Tobias S. Hoffmann

Tobias S. Hoffmann ist freischaffender Motion Designer und 3D Artist. Im Profil der Woche spricht er über neue Wege des visuellen Storytellings, über Mikro- und Makrowelten sowie phantasievolle Metaphern, die man spinnen kann.



CCB Magazin: Hallo Tobias, leg mal los: Wer bist du und was machst du?

Tobias S. Hoffmann: Salut! Ich heiße Tobias S. Hoffmann und bin freischaffender Motion Designer und 3D Artist. Ich produziere Visualisierungen in Form von Einzel- und vorwiegend Bewegtbildern. Das heißt, ich erschaffe virtuelle Objekte, Räume oder sogar Welten.

CCB Magazin: Wie bist du zu deiner Arbeit gekommen?

Tobias S. Hoffmann:Mir war schon sehr früh klar, dass ich gestalten möchte, allerdings fehlte mir damals das passende Werkzeug dafür, das mich langfristig begeistern würde. Während meines Motion Design Studiums absolvierte ich ein Praktikum in einem Postproduktions-Haus, wo zufällig gerade ein großes 3D-Visualisierungsprojekt umgesetzt wurde. Da sprang der Funke sofort über. Ich war überwältigt von den schier grenzenlosen Möglichkeiten der eigenen Ideen-Umsetzung.

Ich erschaffe virtuelle Objekte, Räume oder sogar Welten!

CCB Magazin: Was ist das Besondere an deiner Arbeit?

Tobias S. Hoffmann:Mit einem 3D-Programm zu arbeiten bedeutet, unbegrenzte Optionen zu haben, was Fluch und Segen zugleich ist. Man muss sich stets bewusst machen, dass das Programm, das Tool, wie ein Pinsel ist, den man in der Hand hält. Alles muss der Idee und dem Konzept untergeordnet sein, sonst verliert man sich. Die Kohärenz muss zudem aufrechterhalten werden, denn nicht nur der Inhalt, auch der Look und Stil können frei definiert werden. Genau das unterscheidet diese Disziplin von anderen gestalterischen Fächern.

CCB Magazin: In welchen Feldern hast du bislang gearbeitet?

Tobias S. Hoffmann:Besondere Aufmerksamkeit habe ich bisher der Medizin- und wissenschaftlichen Visualisierung geschenkt. So hatte ich zum Beispiel Kollaborationen mit Neurowissenschaftlern oder habe mich mit Nanotechnologie optisch und inhaltlich auseinandergesetzt. Mich reizt einfach diese Art von Gestaltung, weil man sie eben nicht mit einer realen Kamera irgendwo abfilmen könnte. Man kann ganz neue Wege des Storytellings gehen, indem man beispielsweise Mikro- mit Makrowelten verknüpft oder darüber hinaus phantasievolle Metaphern spinnt.

Alles muss der Idee und dem Konzept untergeordnet sein, sonst verlierst Du dich

CCB Magazin: Was willst du mit deiner Arbeit bewegen oder erreichen?

Tobias S. Hoffmann:Ich möchte mit meiner Arbeit Dinge im wahrsten Sinne des Wortes in neuem Licht erscheinen lassen. Ich möchte Ideen und Visionen ins Leben rufen und dabei unentdeckte Perspektiven eröffnen. Auf der anderen Seite ist Gestaltung für mich auch Selbstreflexion: Sie hilft mir, eine bessere Version meiner selbst zu werden. Und sie hilft auch anderen: Mit der Yale University habe ich zum Beispiel eine Animation produziert, die dabei hilft, bessere Ergebnisse bei Gehirn-Scans mit Kindern zu erzielen. Das ist inzwischen an verschiedenen Instituten erfolgreich im Einsatz und wird somit Forschungsergebnisse positiv beeinflussen. Gestaltete Stage-Visuals für einen Musiker wiederum sorgen im Idealfall für einen eher temporären Gefühlsrausch. Ich denke, Gestaltung hat immer eine Daseinsberechtigung, selbst wenn sie nicht nachhaltig ist. Gestaltung ist eine Notwendigkeit. Wir alle haben Ästhetik gern, nicht?

CCB Magazin: Du bist aus Berlin: Was bedeutet Berlin für dich als Standort?

Tobias S. Hoffmann:Berlin ist magisch und zumindest in Deutschland absolut einzigartig. Kunst, Kultur, Konzerte - hier bin ich an der Quelle für all das, was das Gestalter-Herz verzückt und den Geist nährt. Input, Output.

CCB Magazin: Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sollte Berlin in Zukunft gestaltet werden?

Tobias S. Hoffmann:Freie öffentliche Verkehrsmittel für alle!

CCB Magazin: Tobias, was planst du in der Zukunft?

Tobias S. Hoffmann:Momentan bin ich dabei, ein kleines Kollektiv an Gestaltern zusammenzustellen, um ortsunabhängig größere Projekte gemeinsam anzugehen. Darunter finden sich weitere 3D- und Motiondesigner, Sound Designer oder UX Designer. Ich bin stets auch an interdisziplinären Kooperationen interessiert, wer sich in diesem Moment also inspiriert fühlt, der möge nicht zögern, sich mit mir in Verbindung zu setzen. Außerdem wird Virtual Reality in Bälde ganz gewiss eine große Rolle spielen, das wird verdammt spannend. Und auf ein Kunststudium hätte ich so nebenbei auch noch große Lust - das mache ich spätestens dann, wenn ich einen Weg gefunden habe, die Limitation von 24 Stunden pro Tag auszutricksen.

CCB Magazin: Tobias, viel Erfolg!


Profil von Tobias S. Hoffmann auf Creative City Berlin 

Rubrik: Im Profil

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