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Karin Blenskens: "Ich bin eine von diesen vom Glück Geküssten, die im Bereich der Kultur arbeiten"

Karin Blenskens: "Ich bin eine von diesen vom Glück Geküssten, die im Bereich der Kultur arbeiten"
Foto: © Karin Blenskens

Karin Blenskens hat schon einige Stationen hinter sich: Erst zog sie von Düsseldorf nach Heidelberg, danach nach Frankfurt am Main, vor 16 Jahren kam sie nach Berlin, war zunächst bei Sony Music, machte sich später selbständig und arbeitet heute an der UdK Berlin. Und dann ist sie auch noch freiberufliche Musik-Promoterin und Crowdfunding-Expertin und engagiert sich privat im Kiez-Theater „Verlängertes Wohnzimmer“ in Friedrichshain. Mensch, Karin! Das ist wirklich eine Menge. Wir nehmen uns heute die Zeit, sie berechtigterweise im Profil der Woche vorzustellen.



CCB Magazin: Hallo Karin, wenn ich in Berlin auf einer kulturellen Veranstaltung bin, treffe ich dich immer und immer wieder. Bist du dir sicher, dass es dich nur einmal gibt?

Karin: Aber ja (lacht)! Da bin ich mir ganz sicher.

CCB Magazin:Dann leg mal los: Wer bist du und was machst du?

Karin:Ich bin Karin und arbeite am Berlin Career College der UdK Berlin im Projekt „DigiMediaL: Profilbildung für Musik, Schauspiel & Bühne“. Zudem bin ich freiberufliche Musik-Promoterin und Crowdfunding-Expertin für Projekte aus dem Kulturbereich. Seit 2010 arbeite ich zusätzlich ehrenamtlich in der Leitung eines kleinen privaten Kiez-Theaters im Friedrichshain, dem Theater „Verlängertes Wohnzimmer“. Zurzeit organisiere ich aber vorwiegend ein neues Kursangebot an der UdK, das ist meine Hauptaufgabe. Und das ist furchtbar spannend! Es ist nämlich ein vierwöchiger Intensivkurs mit dem Titel „künstlerische Positionierung“ für Musikschaffende und Akteure der Darstellenden Künste.

CCB Magazin: Und, um was geht es da?

Karin:Die Künstlerinnen und Künstler setzen sich im Kurs dialogorientiert mit der eigenen künstlerischen Arbeit und Marktposition auseinander. Ziel ist es, den Teilnehmenden das notwendige Know-how für die Entwicklung und Umsetzung eines erfolgversprechenden Vermarktungskonzepts für ihr künstlerisches Projekt zu vermitteln.

CCB Magazin:Welches Know-how ist wichtig für die „Entwicklung und Umsetzung eines erfolgversprechenden Vermarktungskonzepts“?

Karin:Wichtig ist, dass man sich heute aus dem breiten Angebot auf dem Markt hervorheben kann. Darum ist es im ersten Schritt notwendig, sich zu fragen, was man eigentlich will und wie man sein eigenes Projekt oder Produkt skalieren kann. Denn je mehr Möglichkeiten der Selbstvermarktung es für Künstlerinnen und Künstler gibt, so zum Beispiel durch Facebook, YouTube oder im Musikbereich durch Streaming-Plattformen wie SoundCloud, desto schwieriger wird es, in dieser Masse sichtbar zu sein und seine Zielgruppen erfolgreich anzusprechen. Auch, und insbesondere, in einer so unglaublich kreativen Stadt wie Berlin, in der das künstlerische Angebot schier unüberschaubar ist.

CCB Magazin:Aber ist es nicht ein Trugschluss zu glauben, dass eine entsprechende Selbstvermarktung auch mehr Job-Garantien bringt?

Karin:Das habe ich nicht behauptet. Es geht darum, Alleinstellungsmerkmale zu identifizieren und Zielgruppen zu finden. Das heißt nicht, dass sich Kunst und Kultur dem Markt grundsätzlich unterwerfen soll. Es darf und soll auch in Zukunft Kunst geben, die sich dem Markt entzieht oder eine sehr kleine Niesche bedient. Darum sollen auch alle Formate bei „DigiMediaL“ Berliner Musikschaffende und Akteure der Darstellenden Künste unterstützen, um sich selbst und ihre künstlerischen Projekte erfolgreicher am Markt zu positionieren.

Wichtig im Kulturbereich ist, sein Alleinstellungsmerkmal zu identifizieren

CCB Magazin:Wie bist du dazu gekommen, in deinem Bereich zu arbeiten?

Karin:Ich komme aus Düsseldorf und habe dann in Heidelberg Übersetzen für Spanisch und Englisch studiert. Mir wurde aber schnell klar, dass ich unbedingt im künstlerischen Umfeld arbeiten will. Ich mache auch seit ich denken kann Musik: angefangen mit Geigenunterricht als Kind über den klassischen Gesang bis hin zum Mitglied in einer Soul-Band. Aber für eine rein künstlerische Tätigkeit als Beruf fehlte mir damals einfach der Mut, darum war der Schritt in die Musikindustrie der einzig logische für mich.

CCB Magazin:Würdest du diesen Schritt als Scheitern bezeichnen?

Karin:Nein, überhaupt nicht! Ich bin eben nur überdurchschnittlich durchschnittlich. Ok, hätte es damals Kurse wie „DigiMediaL“ gegeben, als ich meine ersten beruflichen Weichen stellte, hätte ich vielleicht ganz andere Entscheidungen getroffen. Vielleicht hätte mir das den Anstoß gegeben und den nötigen Mut verpasst, der mir damals gefehlt hat, und ich wäre jetzt selbst Künstlerin, Musikerin oder Schauspielerin. Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht. Und ehrlich gesagt bin ich heute glücklich darüber, dass ich bei DigiMediaL meine persönlichen Erfahrungen an Künstlerinnen und Künstler weitergeben und ihnen Mut machen kann. Ich würde sagen, ich bin eine von diesen vom Glück Geküssten, die im Bereich der Kultur arbeiten und sich auch beruflich mit Musik beschäftigten dürfen.  

CCB Magazin:Der Kultur- und Musikbereich ist aber ein prekärer Sektor. Macht dir das keine Angst?

Karin:Angst? Nein. Wenn man im Kultursektor arbeitet, muss man wissen, worauf man sich einlässt. Aber natürlich ist der Kreativsektor, und gerade der in Berlin, chronisch schlecht bezahlt. Das liegt daran, dass das Angebot so hoch ist und das Preisniveau niedrig. Darum muss man auch berufliche Lücken finden. Das ist aber nicht nur ein Ziel für mich, es ist auch ein Ziel meiner Vermittlungsarbeit als Beraterin.

Wenn man im Kultursektor arbeitet, muss man wissen, worauf man sich einlässt

CCB Magazin:Du bist jetzt seit 16 Jahren in Berlin. Was bedeutet Berlin für dich als Lebens- und Standort?

Karin:Wenn man als Neuankömmling nach Berlin kommt, klärt sich meiner Meinung nach ganz schnell die Frage: Bleibe ich hier oder gehen ich wieder? Entweder du liebst diese verrückte multikulturelle, von Touristen und Touristinnen überflutete Stadt sofort, oder sie ist dir von Anfang an zu laut, zu anonym, zu hektisch. Ein Mittelding gibt es da wohl nicht. Als ich vor 16 Jahren nach Berlin kam, war das Liebe auf den ersten Blick.

CCB Magazin:Aber Berlin verändert sich sehr. Wie sollte Berlin deiner Meinung nach in Zukunft gestaltet werden?

Karin:Ich wohne jetzt seit 16 Jahren in derselben Wohnung in Mitte! Und in dieser Zeit hat sich der Bezirk wirklich sehr verändert. Früher gab es in meiner Straße zahlreiche kleine Handwerksbetriebe, inzwischen mussten die meisten in Außenbezirke ausweichen, weil sie sich die Miete nicht mehr leisten können. Die Berliner Innenstadtbezirke verlieren dadurch ihre Authentizität, ihre gesellschaftliche Durchmischung. Das ist eine wirklich traurige Entwicklung, und ich finde, die Politik müsste dringend entgegenwirken. Es muss genügend günstigen Wohnraum geben und auch Künstlern und Künstlerinnen in Berlin Freiflächen zur Verfügung gestellt werden.  

CCB Magazin:Karin, wie geht’s mit dir weiter? Was planst du in der Zukunft?

Karin:Ich versuche neben aller notwendigen Zukunftsplanung immer im Heute zu leben und offen zu bleiben für neue Impulse und Veränderungen. Natürlich bin ich aktuell sehr gespannt auf den ersten Durchlauf des Intensivkurses „künstlerische Positionierung“, der am 20. September startet. Gleichzeitig freue ich mich, dass ich bald im Theater wieder selbst auf der Bühne stehen werde – eine schöne Abwechslung neben der organisatorischen Vorstandsarbeit. Es wäre doch geradezu langweilig, immer dasselbe zu machen.

CCB Magazin:Karin, viel Erfolg dabei.


Profil von Karin Blenskens auf Creative City Berlin

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