Innovation & Vision

Daniel Büttner: Wer fühlen will, muss auch hören

Daniel Büttner: Wer fühlen will, muss auch hören
Foto: © Lofelt
Er wollte den absoluten Sound, jetzt hat er ihn: Daniel Büttner entwickelte das Basslet. 

Das Rockkonzert am Arm, im Bass baden gehen oder Techno to go: Das Berliner Hardware-Startup Lofelt will das über ein Basslet  möglich machen, ein neues Armband, das Musik auf den Körper überträgt. Finanziert wurde der erste Prototyp über Crowdfunding mit satten 600.000 Euro. Jetzt kommt Basslet auf den Markt. Wir sprachen mit Erfinder und Gründer Daniel Büttner und Crowdfunding-Campagnerin Susanne Marcus über Sinn, Zweck, Vision und Zukunft des satten Sounds in körperlich fühlbaren Welten.
 

Interview Jens Thomas

 

CCB Magazin: Hallo Daniel, hallo Susanne, schönes Armband habt Ihr da. Wie oft werdet ihr eigentlich gefragt, was das ist?

Susanne: Oh, sehr oft. Entweder fragen die Leute „was ist das?“ oder „ist das eine Uhr?“ oder auch: „Ist das der neue Fitness-Tracker?“. Dann kläre ich auf und sage, dass es sich hier um das Basslet handelt. Ich freu mich schon darauf, dass die Leute einmal fragen: „Ist das ein Basslet?“

CCB Magazin:Erzählt mal, wie kam es zu der Idee, ein Armand zu produzieren, das Musik auf den Körper überträgt?

Daniel: Ich bin selbst Musiker und spiele seit ich 14 Jahre alt bin Kontrabass. Die Fühlbarkeit von Musik hat mich dabei schon immer fasziniert. Als ich von 2006 bis 2014 als Produktmanager bei der Berliner Musik-Software-Firma Ableton arbeitete, betreute ich alle Produkte im Bereich Instrumente und Sound Design. Und hier entstand die Idee zu Basslet: Zusammen mit dem Hardware-Experten Gwydion ap Dafydd, der damals bei Native Instruments arbeitete, entwickelte ich 2014 den ersten Prototyp. Den zeigte ich dann Freunden. Plötzlich hatte ich ein Dutzend Bestellungen. Da wusste ich, dass so etwas gebraucht wird. 

Musikhören fühlt sich über das Basslet so an, als würde man einen Kontrabass in der Hand halten oder an einer Box stehen

CCB Magazin:Wie genau funktioniert Basslet?

Susanne: Das Basslet wird angelegt wie eine Uhr. Zusätzlich gehört ein kleiner Sender dazu, den man zwischen Kopfhörer und Audioquelle stecken kann. Mittels einer neuartigen Sound-Technologie werden anschließend die tiefen Musikfrequenzen direkt auf den Körper übertragen. Musikhören fühlt sich dann so ähnlich an, als würde man einen Kontrabass in der Hand halten oder an einer Box stehen. Die Intensität lässt sich am Basslet selbst regeln. Hier, probier mal.
 

Geht auf die Ohren, überträgt sich aber auch auf den Körper: Hören mit dem Basslet. Foto: © Lofelt.
 

CCB Magazin:Oh ja, zuckt ordentlich. Ist Basslet ausschließlich für das Handgelenk gedacht? Ich könnte mir vorstellen, dass andere die Vibration an anderen Körperteilen wie Bauch oder Fuß besser finden würden. 

Daniel: Wir haben das Basslet für das Handgelenk optimiert, du kannst es aber auch am Fuß oder anderswo am Körper tragen. Das Interessante ist ja, dass wir die körperliche Dimension von Musik nicht separat wahrnehmen, sondern dass unser Gehirn den Sound und die Vibration zu etwas Ganzheitlichem zusammensetzt - auch wenn die Vibration nur an einer Stelle des Körpers übertragen wird. Man muss das Basslet darum auch ein paar Mal benutzen, dann fühlt es sich auch nicht mehr so an, als ob sich die Vibration auf das Handgelenk beschränkt.

CCB Magazin:Ihr habt Basslet über Crowdfunding auf Kickstarter finanziert. Satte 600.000 Euro habt ihr in die Kassen gespült. Das ist ordentlich. Habt ihr damit gerechnet?

Susanne: Nein, überhaupt nicht! Unser Finanzierungsziel lag eigentlich bei 50.000 Euro, zum Schluss wurde es mehr als das 10-Fache. Natürlich hatten wir gehofft, dass wir die anvisierte Zielsumme überschreiten, aber an dieses Ausmaß hat wirklich keiner geglaubt.

CCB Magazin:Für was hattet ihr die 50.000 ursprünglich eingeplant? Und für was setzt ihr die jetzigen 600.000 Euro ein?

Susanne: Die 50.000 Euro hätten wir gebraucht, um überhaupt in die Produktion zu gehen. Uns ging es aber nicht nur ums Geld. Unser Ziel war es, unsere Idee raus aus unserem Büro unter die Leute zu bringen. Vor der Kampagne hatten wir über 500 User-Tests gemacht, um ein Gefühl dafür zu bekommen, für wen wir das hier eigentlich machen. Über die Kampagne wollten wir herausfinden, ob die Masse ein solches Produkt will. 

Im Gespräch mit Creative City Berlin: Susanne Marcus. Foto: © Lofelt.
 

CCB Magazin:Worauf führt ihr euren Erfolg zurück? War das Produkt so vielversprechend  oder eure Kampagne so gut?

Susanne: Ich würde sagen, beides. Zunächst hat es uns natürlich geholfen, dass das Basslet eine komplett neue Produktkategorie ist. Das war auch hilfreich, um mediale Aufmerksamkeit zu bekommen. Wir haben aber auch wirklich viel Zeit, Kraft und Energie in die Kampagne gesteckt. Wichtig war uns vor allem ein gutes Video. Das ist das Herzstück der meisten Kampagnen. Das heißt nicht, dass man dafür unheimlich viel ausgeben muss oder dass es immer auf Hochglanz produziert werden sollte. Es geht darum, eine gute Story zu haben und sie per Video authentisch erzählen zu können.

CCB Magazin:Wer ist eure Zielgruppe?

Susanne: Das wussten wir zunächst überhaupt nicht. Alle hören Musik, darum war es auch schwer, eine klare Zielgruppe zu definieren. Wir haben zwar über Usertests, Events und Online-Marketing versucht, erste Annahmen zu treffen. Schlussendlich mussten wir unsere Zielgruppe aber erst über die Kampagne kennenlernen.

CCB Magazin:Und, wer ist jetzt eure Zielgruppe?

Susanne: Die Unterstützer der Kampagne waren fast ausschließlich Männer. Die meisten kamen aus den USA, aus Deutschland und Großbritannien.

CCB Magazin:Woran liegt das? Ich kenne auch Frauen, die ordentlich aufdrehen.

Susanne: Ja (lacht), ich auch. Ich denke, dass das verschiedene Gründe hat: Zum einen handelt es sich bei dem Basslet um ein Tech-Produkt. Diese Domäne hat viele männliche Early Adopter. Zum anderen ist auch das klassische Kickstarter-Publikum überwiegend männlich. In Zukunft wird unser Produkt sicher auch Frauen ansprechen. Wir verstehen das Basslet als ein Unisex-Produkt.

Wir verstehen das Basslet als ein Unisex-Produkt. Und wir sind froh, dass wir jetzt wissen, dass das Basslet massentauglich ist

CCB Magazin:Warum habt ihr eigentlich keine Crowdinvesting-Kampagne gemacht? So hättet ihr Investoren finden könne, die in ein solches Produkt per Investition einsteigen.

Susanne: Unser Ziel war es, das Basslet nach zwei Jahren Arbeit endlich an die interessierte Masse bringen. Investoren standen im Rahmen der Kampagne für uns nicht im Vordergrund. Und wir sind auch echt froh, dass wir jetzt wissen, dass das Basslet massentauglich ist. Erst jetzt gehen wir mit dem Produkt in die Massenproduktion. Im Dezember wollen wir die ersten Basslets an unsere Kickstarter-Unterstützer ausliefern und im nächsten Jahr bringen wir das Basslet auf den Markt. 

CCB Magazin:Reichen für die erste Serie die ursprünglich geplanten 50.000 Euro?

Susanne: Nein, überhaupt nicht. Wir haben ja nicht nur mehr Geld, sondern auch mehr Vorbestellungen erhalten als geplant. Wir brauchen die Crowdfunding-Einnahmen, um diese erste große Serie von 5.000 Stück zu produzieren. 

Das Basslet am Handgelenk. Techno to go. Foto: © Lofelt.


CCB Magazin:Wie wollt ihr Basslet weiter skalieren?

Daniel: Zusätzlich zum Crowdfunding ist der Investor Horizon Ventures aus Hongkong in unsere Firma eingestiegen. Zudem haben wir mehrere Business-Angel-Investoren gefunden. Insgesamt konnten wir darüber etwa zwei Millionen einnehmen.

CCB Magazin:Das ist eine Menge.

Daniel: Ja, aber wir müssen ja auch unser bisheriges Firmendasein finanzieren. Wir haben die Technologie selbst entwickelt. Auch ist die Produktion teuer. Hardware kostet einfach Geld.

Was mich und unser ganzes Team verbindet und antreibt, ist eine leidenschaftliche Beziehung zur Musik

CCB Magazin:Verstehe. Daniel und Susanne, wie geht es mit euch weiter? Wo wollt ihr mit Basslet langfristig hin?

Daniel: Das Basslet ist unser erstes Produkt – zurzeit arbeiten wir intensiv daran, unser Kampagnen-Versprechen umzusetzen und das Basslet im Anschluss in den Handel zu bringen. Schön ist, dass wir durch die Crowdfunding-Runde bereits wachsen konnten. Am Anfang waren wir zu zweit. Jetzt sind wir 12 Personen. Was mich und unser ganzes Team verbindet und antreibt, ist eine leidenschaftliche Beziehung zur Musik. Und nicht nur ich, auch andere von uns sind aktive Musiker oder DJs. Unser Ziel ist es, hochwertige Tech-Produkte zu entwickeln, die die Art, wie wir Musik erleben und machen, in Zukunft verbessern werden.

CCB Magazin:Daniel und Susanne, viel Erfolg dabei.


Auszeichnung Berlin's Best 

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