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Alexander Masche: "Mit den richtigen Leuten Gin Tonic trinken gehört dazu"

Alexander Masche: "Mit den richtigen Leuten Gin Tonic trinken gehört dazu"
Foto: © Alexander Masche

Alexander Masches ständiger Begleiter ist die Kultur: Studium der Kulturwissenschaften und -management, Produktionsassistent an der Berliner Staatsoper, Marketing beim Filmverleih, zwischendurch Party-Veranstalter. Ein wilder Mix aus Hoch- und Popkultur. Heute ist der 28-Jährige als Projektmanager im Club Ritter Butzke angestellt und organisiert „A Space Under Construction“ (ASUC): eine 600 m² große Plattform zur gemeinschaftlichen Erarbeitung kreativer und künstlerischer Ideen, ein Raum zwischen Kulturpräsentation und Eventlocation.


CCB Magazin:Hallo Alexander, erzähl mal: Wer bist du und was machst du?

Alexander: Ich bin Kulturmanager und organisiere gemeinsam mit meinem Kollegen Reinhold Köhler seit Juni den Projektraum „A Space Under Construction“ über dem Ritter Butzke. Der Raum war erst eine Kantine, stand dann einige Zeit leer und wir dachten uns: „Hey, was kann man daraus machen?“ Wir wollten den Kosmos ausweiten: unten weiterhin das elektronische Musikprogramm machen, für das der Ritter Butzke bekannt ist, aber oben neue Dinge auszuprobieren. Auch, um ein Stück weit erwachsener zu werden, andere Leute anzusprechen. Das sieht man z.B. in den Kunstausstellungen: Das ist ein urbaneres, älteres Publikum, das den Weg hoch in den Raum findet. Das unterscheidet sich teilweise schon von dem Club, obwohl es auch Wechselwirkungen gibt: wir versuchen z.B. die Aftershowpartys im Ritter Butzke zu machen, damit sich beide Kosmen miteinander verbinden.

CCB Magazin: Wie bist du dazu gekommen dort zu arbeiten?

Alexander: Ich habe lange Zeit mit dem Berliner Partykollektiv „Head vs. Heart“ Veranstaltungen gemacht. Mein Kumpel, der liebe Robert, der dieses Kollektiv mit trägt, macht im Ritter Butzke heute das Booking. Und wie das so kommt: Wir haben zusammen studiert, wir haben zusammen gefeiert und Schnaps getrunken und irgendwann kam die Frage: „Hey Alex, haste nicht Bock hier einzusteigen?“ Zu diesem Zeitpunkt lief mein Job beim Filmverleih gerade aus und letztendlich war klar: Club, urbanes Leben, elektronische Musik, Events – Do it! Why not? Letztendlich war es also wie so oft: Gin Tonic trinken mit den richtigen Leuten gehört einfach zum Beruf dazu! Ich habe dann erst unten im Club angefangen, arbeite dort an den Wochenenden immer noch als Selector, aber unter der Woche  gilt meine volle Aufmerksamkeit jetzt dem ASUC.

Fotoausstellung "Oliver Blohm - Strum und Zwang“, Foto: © Mathias Völzke .

CCB Magazin:Was genau ist „A Space Under Construction”?

Alexander: Es war ein langer Weg den Namen zu finden. Aber die Tatsache, dass dieser Raum immer „under construction“, also sich immer verändern und keinen vordefinierten Look bekommen soll, war dann ausschlaggebend. Er soll durch seine Architektur wirken. An sich sind wir keine klassische Galerie, sondern ein „Project Space“, den z.B. verschiedene Marken mieten können. Aber Reinhold und ich wollen auch die Möglichkeit nutzen, zusammen mit verschiedenen Künstlern den Raum erfahrbar zu machen. Gerade arbeite ich an unserer neuen Reihe „Art Under Construction“,  in der wir einmal im Monat Kunst stattfinden lassen wollen. Mit renommierten Künstlern und jungen Wilden, die wir für talentiert halten, wo wir sagen: „Hey, die müssen wir fördern, die brauchen eine Fläche, um gesehen zu werden.“

CCB Magazin:Wie lange gehen die Events dann jeweils? Und was kann man dort sehen?

Alexander: Im Regelfall sind das Pop-Up-Veranstaltungen. Meistens vier, fünf Tage. Ich finde das persönlich auch gar nicht schlecht. Man kennt das ja: Ich wollte z.B. seit Ewigkeiten in die Erwin-Wurm-Ausstellung gehen und wann habe ich‘s gemacht? Einen Tag vor Schluss. Manchmal ist ein kurzer Zeitraum ein guter Motivator. Die „Floating Peers“ von Christo haben unheimlich viele Menschen für Kunst in sehr kurzer Zeit begeistert. Ich will mich jetzt nicht mit Christo vergleichen, um Gottes Willen, aber Begrenztheit fördert das Interesse! Insgesamt sehen wir uns eher weniger im Bereich bildende Kunst. Wir wollen vor allem Fotographie und  Medienkunst zeigen, aber auch diverse andere Formate. Wir arbeiten z.B. bald mit dem „Etvas Magazine“ zusammen. Es wird da unter anderem ein Live-Record-Studio mit Musikern geben oder Live-Foto-Sessions. Das heißt alles, was man im Magazin sehen kann und Teile des Entstehungsprozesses kann der  Leser im realen Leben erfahren. Das ist der Ansatz: mit Kreativen genau solche verrückten Ideen zu verwirklichen. Darauf kommt es uns an.

Es ist wirklich irre, was es in diesem nächtlichen Kosmos an Potential gibt

CCB Magazin: Was unterscheidet euch von anderen? Was macht deine Arbeit besonders?

Alexander: Unsere Arbeit zeichnet sich vor allem auch durch den Ort aus. Unten der Club und oben ASUC. Sie existieren getrennt voneinander, gehören dann aber doch zusammen. Wie ich finde, ein spannendes Gebilde. Einige Ideen entwickeln sich auch beim Club-Rundgang, bei einem Getränk. Ich hab mich letztens mit einem Bar-Mann unterhalten, der eigentlich Textildesigner ist und sogar schon für Alexander McQueen gearbeitet hat. Eine andere Kollegin im Club ist Fotografin. Das ist wirklich irre, was es in diesem nächtlichen Kosmos an Potential gibt. Das unterscheidet uns auch von klassischen Galerien, die doch eine sehr hohe Hemmschwelle haben, mit Kreativen in Kontakt zu treten. Oder andersherum: die Kreativen mit hochkulturellen Institutionen. Bei uns ist alles entspannter. Einige von uns haben einen akademischen Background, viele aber auch nicht. Wir halten es da etwas flacher und nahbarer. Auch, um mit den Kreativen gemeinsam etwas zu entwickeln. 

CCB Magazin: Euer Fokus liegt auf Event und Kulturpräsentation, zugleich seid ihr ein Projektraum. Inwiefern verträgt sich das überhaupt? Es gibt immer mehr Stimmen in der Stadt, die in der zunehmenden Eventisierung Berlins den Grund für die Verdrängung von Kunst und Räumen sehen, weil Berlin so immer attraktiver und teurer wird. Siehst du diese Entwicklung kritisch? 

Alexander:Ganz im Gegenteil. Es ist doch eine tolle Entwicklung, wenn Projekt- und Eventräume neben Brand-Events im Rahmen ihrer Möglichkeiten den Schulterschluss mit der freien Kunstszene suchen. Das erhöht ihre Sichtbarkeit. Viele junge Künstler hätten in einer klassischen Galerie nie die Chancen präsentiert zu werden, geschweige denn in öffentlichen Ausstellungshäusern. Wichtig sind kreative Ideen und Konzepte, ein gutes Netzwerk. Wenn man das alles im Gepäck hat, dann werden in Off-Locations wie dem ASUC manchmal Dinge möglich, auch kurzfristig, die sich anderenorts tot laufen würden. Einige Ausstellungen unserer Reihe "Art Under Construction" realisieren wir in vier bis sechs Wochen. Das ist manchmal nervenzehrend und -aufreibend, aber auch unglaublich impulsiv und spannend. Das ist Rock ‚n‘ Roll, das ist Berlin!

CCB Magazin:Was ist denn als nächstes geplant?

Alexander: Die Foto-Ausstellung: „Mama, ich liebe dich“.  Klingt ein bisschen kitschig, wird aber gebrochen in der Kunst, die ausgestellt wird. Der Fotograf Eirikur Mortagn hat mit einer analogen Kamera auf seinen Streifzügen durch Berlin 3.000 Aufnahmen gemacht. Danach ist er bei der Betrachtung der Abzüge immer wieder auf das Thema Liebe gestoßen. Jetzt nicht nur Liebe im Sinne von  Verbundenheit, sondern Liebe als Schmerz, als Ware, als  Wergwerfartikel. Er hat in verschiedenen Orten gesucht, im Rotlichtmilieu oder in der King Size-Bar. Ein spannendes Kaleidoskop der Stadt, seiner Protagonisten und der Liebe, die hier in allen Formen stattfindet.  

Lichtinstallation Lukas Laser_re:define space Foto: Dina Schweiger

Lichtinstallation von Lukas Laser, re:define space, Foto: © Dina Schweiger.

CCB Magazin:Was bedeutet es für dich, gerade hier in Berlin ein Konzept wie den ASUC zu realisieren?

Alexander: Berlin ist natürlich dankbar, weil es hier so viele Netzwerke gibt. Und du brauchst schon einen urbanen Raum, um 600 m² zu füllen. Ich habe mich verliebt in Berlin, muss aber natürlich trotzdem sehen: Die Stadt ist in einer Bubble, einer großen Blase. Wenn man die verlässt, wird man mit der realen Welt konfrontiert und denkt: „Oh wow, was in Berlin alles selbstverständlich ist, ist woanders total außergewöhnlich.“ Das ist auch, was mich hemmt, die Stadt zu verlassen. Ich war zum Beispiel mal in Magdeburg und bin mit Freunden tanzen gegangen und ich hatte mich mit Gin Tonic gerade auf mein absolutes Partylevel gebeamt. Auf einmal gingen die Lichter an – und ich stand da und wollte noch die nächsten zehn Stunden durchtanzen. Aber in Magdeburg ist um vier Uhr die Party vorbei. Typischer Bubble-Moment, den man in Berlin natürlich so nicht kennt.

CCB Magazin: Was möchtest du in der Zukunft noch erreichen?

Alexander:Das, was ich hier mit ASUC habe, ist auch eine Möglichkeit mich selbst zu verwirklichen,  als junger Mensch diesen Raum mitzugestalten. Das ist ein Wagnis, aber auch eine tolle Chance. Momentan sind wir in einer Experimentierphase, noch stehen wir ganz am Anfang. Und ich meine, Berlin hat natürlich eine Fülle an Räumen und Möglichkeiten. Das nächste Ziel ist mit den Projekten unseren Namen und eine Identität aufzubauen. Es ist ein langer, langer Prozess, diesem Raum ein Gefühl zu geben. Ich würde mir wünschen, dass wir das nächste halbe Jahr gerockt kriegen und es schaffen, den ASUC in Berlin zu etablieren.

CCB Magazin: Alexander, viel Erfolg dabei.


Profil von Alexander Masche auf Creative City Berlin

Profil von A Space Under Construction auf Creative City Berlin

 

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