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Helmut Sattler: "Licht kann alles"

Helmut Sattler: "Licht kann alles"
Foto: © Helmut Sattler

Helmut Sattler ist knapp 30 und erfolgreicher Produktfotograf. Im Profil der Woche (Teil 17) spricht er über seine Arbeit, multiple Anforderungen an die Produktfotografie und darüber, was ein Pinsel aus dem Fehhaar eines sibirischen Eichhörnchens mit Blattgold zu tun hat. 


CCB Magazin: Hallo Helmut, leg mal los: Wer bist du und was machst du?

Helmut Sattler: Hallo, ich bin Helmut Sattler, ich arbeite als Fotograf. Vor fünf Jahren bin ich vom Rhein an den Landwehrkanal in Berlin gekommen, ich bin junger Vater einer noch jüngeren und vor allem bezaubernden Tochter. Die runde 30 erwartet mich dieses Jahr und meine Berufung habe ich in der Fotografie gefunden - genauer gesagt in der Produkt-/Stil- und Businessfotografie.

CCB Magazin:Wie kam es dazu, dass du Fotograf wurdest?

Helmut Sattler:Mit jungen Jahren zeigte mir mein Vater, wie ich mit seiner Spiegelreflexkamera Fotos machen kann. Dann folgte erst mal eine längere Pause, ehe mir Jahre später ein Freund eine analoge Spiegelreflexkamera seines Vaters während einer Klassenfahrt mitbrachte: Der Blick durch den Sucher hat mich damals so fasziniert, das hat mich nicht mehr losgelassen. Die Welt zu rahmen, zu beobachten, auszuwählen - das hatte was. Später kramte ich wieder die heimische Kamera meines Vaters hervor und schoss jede Menge Filme. Nach dem Abitur und Zivildienst entschied ich mich dann für die professionelle Fotografie - ich absolvierte eine Ausbildung in zwei Studios im Werbebereich. Eine Zeit, in der ich alles wie ein Schwamm aufsaugte.

CCB Magazin:Was willst du mit deiner Arbeit bewegen oder erreichen?

Helmut Sattler:In erster Linie will ich einfach gute Bilder produzieren, die kreativ, anspruchsvoll und technisch ordentlich sind. Ich sehe die Fotografie in meinem Bereich tatsächlich wie eine Dienstleistung, die einerseits Know-how verlangt und andererseits Kreativität bietet. Wenn am Ende des Tages Bilder stehen, die mir, meinen Kunden und den Kunden meiner Kunden gefallen, ist mein Ziel erreicht. Genau das macht mir Spaß.

Die Fotografie ist ein Spiegel, Pulsmesser und Zeugnis der Zeit: Sie zeigt, was man sehen will, oder sie demonstriert, was man nicht sehen möchte

CCB Magazin:Was ist das Besondere am Feld der Produktfotografie? Auf was kommt es an? 

Helmut Sattler:Über die Fotografie kommuniziert man ohne Sprachhürden. Gerade in Zeiten des Internets ist das Foto darum eine sehr wichtige Informationsquelle, zum Beispiel, wenn man etwas online kaufen möchte: Denn wer kauft schon noch etwas ohne Bilder? Außerdem sind Bilder schnell erfasst, in Bruchteilen von Sekunden. Ich, als Fotograf, muss schnell den passenden Weg finden. Das bedeutet, dass ich zunächst meine Kunden verstehen muss, um zu wissen, was sie sich alles vorstellen. Dann hat das Motiv, zum Beispiel das Produkt, klare Besonderheiten, wie etwa die Materialbeschaffenheit, die Funktion oder ein gewisses Image. Erst dann kommt die technische Seite meiner Arbeit: die Lichtführung und die Perspektive. Licht kann alles - von dunkel und diabolisch bis hin zu hell und freundlich. Das technische Wissen ist wichtig, um einschätzen zu können, was überhaupt umsetzbar ist.

CCB Magazin:Was ist dir bei deiner Arbeit besonders im Gedächtnis geblieben?

Helmut Sattler:Eine schöne Seite der Fotografie ist, dass sie mich immer wieder zu interessanten Menschen oder Orten führt: So fotografierte ich letztes Jahr Martin Böck in seiner Rixdorfer Schmiede, das ist Berlins älteste Schmiede, in der immer noch Schmiedewaren produziert werden. Das zu fotografieren, das war wirklich ein Erlebnis: Funken sprühten, die Steinkohle knisterte, der harte und dennoch nachgiebige Klang des Hammerschlags hallte und ich hielt alles in Bildern fest. Das sind Momente, die vergisst man nicht mehr. Oder ich erfahre über meine Arbeit, wie es aussieht, wenn man Blattgold unbeschadet mit einem Pinsel aus dem Fehhaar eines sibirischen Eichhörnchens aufnehmen kann. Insgesamt ist die Fotografie für mich ein Spiegel, Pulsmesser und Zeugnis der Zeit: Sie zeigt, was man sehen will, oder sie demonstriert, was man nicht sehen möchte.

"Der Schmied": Martin Böck in seiner Rixdorfer Schmiede, Foto © Helmut Sattler.

 

CCB Magazin:Du lebst seit einigen Jahren in Berlin: Was bedeutet Berlin für dich und deine Arbeit?

Helmut Sattler:Für Kreative ist Berlin eines der Epizentren in Deutschland, auch über Berlins Grenzen hinaus. Vor allem die Start-up-Szene findet hier seit Jahren ein etabliertes Umfeld. Für die Fotografie ist Berlin allerdings kein klassischer Standort. Die großen, lange ansässigen Fotostudios sitzen eher in München, Hamburg oder im Ruhrgebiet. 

CCB Magazin:Wenn du einen Wunsch hättest: Wie sollte Berlin in Zukunft gestaltet werden?

Helmut Sattler:Schön wäre es, wenn die kreative Branche noch näher zusammenrückt. Darum sollte der Austausch intensiviert werden. Und schön wäre es, wenn dieses „Verstreute“ in Berlin mehr Ordnung findet. Auch sollte sich Berlin endlich mal von seinem „arm aber sexy“-Image befreien. Das schadet der Stadt mehr als es sie nach vorne bringt. Denn auch Vielfalt und die Fülle kreativer Arbeit in Berlin ist eine Qualität. Das ist auch ein Gut, das man schätzen sollte. Das gilt im Übrigen immer und überall. 

Berlin ist für die Fotografie kein klassischer Standort

CCB Magazin:Was möchtest du in der Zukunft noch erreichen?

Helmut Sattler:Zurzeit bin ich mit anderen kreativen Leuten auf der Suche nach einem Studio, das wir gemeinsam beziehen wollen, um im Kollektiv mehr zu erreichen. Da bedarf es noch organisatorischer Schritte, aber ich freue mich, wenn es soweit ist. Außerdem möchte ich noch einige Handwerker portraitieren und natürlich viele weitere tolle Produkte aus verschiedensten Bereichen fotografieren. Wenn es die Zeit zulässt, experimentiere ich auch mit alten oder alternativen Aufnahmetechniken und würde gerne mal eine Ausstellung auf die Beine stellen.

CCB Magazin:Helmut, viel Erfolg.


Profil von Helmut Sattler auf Creative City Berlin 

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