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Robin Resch: „Ein Unternehmen ist wie ein Gesamtkunstwerk“

Robin Resch: „Ein Unternehmen ist wie ein Gesamtkunstwerk“
Foto: © Jens Thomas

Dieser Mann arbeitet, arbeitet und arbeitet: Robin Resch. Mal initiiert er Projekte wie Labour Games, über das er 40 Spiele zur Zukunft der Arbeit in einem Expertenteam entwickelt, dann gründet er ein Unternehmen wie coGalleries, worüber er zwischen Kunstinteressierten, Sammlern und Künstlern vermittelt – und darüber sein Geld verdient. Robin Resch hat eine Mission: Er will Kunst und Ökonomie so verzahnen, dass auch Künstler daran verdienen, und zwar vor allem auch die jungen und die „im mittleren Feld“ angesiedelten, wie er sagt. Dazu hat er aktuell Geld vom „sozialen“ Investorennetzwerk Purpose erhalten. Wir haben den arbeitsumtriebigen Kulturunternehmer in seinem Atelier in Lichtenberg besucht und fragen: Wie gründet man ein Unternehmen wie coGalleries? Was haben Berliner Künstler davon? Und wie „sozial“ und kunstverträglich bleibt ein Unternehmen, wenn plötzlich ein ganzes Investorennetzwerk mit am Tisch sitzt?  
 

 INTERVIEW JENS THOMAS

 

CCB Magazin: Hallo Robin, Robin, du bist Mitbegründer von coGalleries. Was genau macht ihr? 

Robin Resch: Wir vermitteln zwischen Künstlern, Kunstinteressierten und Galerien. Dazu bieten wir spezielle Kunstführungen an, fernab des Mainstreams. Bei unseren Führungen werden immer mehrere Künstler in ihren Ateliers und Galerien von Sammlern und Kunstinteressierten besucht. Nicht selten kommt es dann auch zum Verkauf von Kunstwerken, die Sammler und Kunstinteressierten sollen aber auch die Person hinter dem Kunstwerk kennenlernen. Bei unseren Touren entstehen teilweise richtig tolle Begegnungen, auch Freundschaften und natürlich Berufskontakte. So bekommt jetzt zum Beispiel ein Künstler durch unsere Vermittlung eine Ausstellung im Museum of Liberty in den USA. Wir wollen hier vermitteln. 

CCB Magazin:Und wie genau? 

Robin Resch: Künstler und vor allem die jüngeren und noch nicht von Galerien vertretenen bekommen über uns eine Öffentlichkeit durch die Touren, und die brauchen sie auch, denn die fehlt oft. Wenn wir vermitteln, können Künstler in der Regel auch an ihren Werken verdienen – und wir bekommen etwas für die Vermittlung. 

Bei Künstlerin Pola Brändle. Foto: Laura Fiorio

CCB Magazin:Und wie läuft dieser Prozess ab? Was verdient ihr daran? Und was bekommt – im Idealfall – der Künstler? 

Robin Resch: Zunächst verdienen wir an den Ticketpreisen der Führungen. Davon können wir die Fixkosten, also den Guide, unser kleines Team und unsere Raummieten finanzieren. Im Falle des Verkaufs eines Kunstwerkes erhalten wir zusätzlich eine Kommission. Die liegt zwischen 20 - 30 Prozent des verkauften Kunstwerkes ab der Führung einschließlich zweier Jahre. Das ist nicht viel. Wenn Künstler mit Galerien zusammenarbeiten, geben sie in der Regel 50 Prozent des Preises an die Galerie ab. Die Preise unserer Künstler bewegen sich zwischen 200 und 10.000 Euro pro Kunstwerk – je nach Karrierezeitpunkt, Umfang der Arbeit und natürlich dem aktuellen Marktpreis.

CCB Magazin:Der Markt  für Kunst ist schwer umkämpft. Mit welchen Galerien und Künstlern arbeitet ihr zusammen? Und nach welchen Kriterien sucht ihr die Künstler und Kunstinteressierten aus?  

Robin Resch: Die Künstler, mit denen wir zusammenarbeiten, sind ganz verschiedene. Ich will hier keine bestimmten hervorheben, wir müssen die Künstler einfach spannend finden und glauben, dass auch andere sie gut finden – nur dann werden ihre Werke auch anerkannt und eben auch gekauft. Ich denke, wir gehen hier auch ein grundsätzliches Problem an. 

CCB Magazin:Welches denn? 

Robin Resch: Es gibt heute einige wenige Künstler, die sehr viel verdienen, weil die großen Galerien sie mit viel Geld fördern und sich die ‚richtigen‘ Sammler sich um sie bemühen und mit horrenden Summen in sie investieren - ja investieren, denn hier geht es immer mehr um Wertsteigerung, Anlagensicherung und letztlich das große Kapital. Es kommt nicht von ungefähr, dass ein großer Teil der großen Kunstsammler heute - ca. 40 Prozent von ihnen - im Finanzbereich tätig sind, als Hedgefonds-Manager oder Investor gearbeitet haben. Diese Sammler bestimmen wie es und was läuft. Das Gros der Künstler verdient dagegen kaum Geld, weil sie aber auch kaum einer kennt und sie kaum Marktzugänge haben. Hier kommen wir ins Spiel. 

Das Gros der Künstler verdient heute kaum Geld, weil sie aber auch kaum einer kennt und sie kaum Marktzugänge haben. Hier kommen wir ins Spiel

 

Wer denkt, ist klar im Vorteil - macht sich Gedanken über die Verzahnung von Kunst und Ökonomie, Robin Resch. Foto: Jens Thomas 
 

CCB Magazin:Wie genau läuft so eine Tour genau ab?

Robin Resch: Wir schauen zunächst, ob und wie Künstler und Interessenten zusammenpassen können. Dazu erfragen wir im Vorfeld die Interessen der Besucher ab. Zu uns komman aber nicht die typischen Sammler und Kunstkäufer, sondern vor allem die vielfältig interessierten Leute von Museen und Galerien und auch rein Kunstinteressierte. Die wollen sich erst mal tiefergehender mit der Berliner Kunst an sich beschäftigen; oft wollen sie auch neue unbekannte Künstler entdecken. Dann organisieren wir die Tour. Und innerhalb einer Tour sind wir bei zirka fünf Galerien und bei ein bis zwei Ateliers, die Galerien wechseln dann je nach Programm und Interesse der Buchenden. In Berlin haben wir aktuell 50 Ateliers, die wir besuchen können. Wir führen bei den Touren dann gezielt zu speziellen Galerien oder Off-Spaces, die man nicht so einfach finden kann, oft geht es auch um ganz spezifische Themen. Gerade bieten wir zum Beispiel eine Tour an, die sich dem Thema künstliche Intelligenz befasst und Künstler einbindet, die sich in ihren Werken damit auseinandersetzen. 

CCB Magazin:Wie kam die Idee von coGalleries auf? Und wie bringt man ein solches Unternehmen voran? 

Robin Resch: Ich komme ja selbst aus der Kunst. Ich habe an der Kunsthochschule Weißensee studiert und weiß wie schwer es ist, sich als Künstler zu finanzieren. Ich war es irgendwann aber einfach leid, mich ständig den Antragsmodalitäten anzupassen und mal hier mal da ein kleines Finanzierungstöpfchen anzuzapfen. Ich wollte unabhängig sein, so bin ich zum Kulturunternehmer mutiert – und je tiefer ich darin eintauche, desto mehr Bock habe ich darauf. Unternehmertum passt einfach zu mir und meiner Biografie! Die Idee von coGalleries hatte ich aber nicht allein, sondern gemeinsam mit einem besten Freund, mit Jeremy Zelkha – erst ist ein verdammt kreativer und erfahrener Unternehmer aus Palo Alto, Kalifornien. Zusammen haben wir coGalleries – zunächst recht spontan aus einem Impuls heraus – ins Leben gerufen und aufgebaut.

Ich komme aus der Kunst. Ich war es irgendwann aber leid, mich ständig den Antragsmodalitäten anzupassen und mal hier mal da ein kleines Finanzierungstöpfchen anzuzapfen. Ich wollte unabhängig sein. So bin ich zum Kulturunternehmer mutiert

CCB Magazin:Und das hat gleich von Anfang an alles funktioniert? 

Robin Resch: Überhaupt nicht.  Alles braucht seine Zeit. Die Umsätze waren zunächst recht bescheiden – obwohl alle unsere Idee total toll fanden. Es war aber gerade zu Beginn schwierig, aufs richtige berufliche Gleis zu kommen. Darum haben wir relativ schnell angefangen, uns nach Investoren umzuschauen. Das Problem: Viele legten gleich am Telefon auf, als sie das Wort "Kunst" hörten. Die haben unser Konzept aber einfach nicht verstanden. Viele Investoren hören einfach nicht zu – die meisten wollen schnelle Skalierbarkeit, und wenn man dann mal für sie über den Teppich rutschen durfte stand die Frage im Raum: „Ach sach mal, an wen verkaufen wir das denn dann“? Wir wollten das Unternehmen aber nicht verkaufen! Wir wollten es wachsen lassen. Glücklicherweise haben wir dann Menschen gefunden, die unsere Einstellungen teilen. Das Unternehmensnetzwerk Purpose, visionäre Pioniere, die sich mit der Transformation von Wirtschaft beschäftigen und dabei eine sehr klare und bedeutende Haltung haben, unterstützen uns jetzt. Wir hatten einfach zur richtigen Zeit großes Glück. Ein großer Dank an dieser Stelle auch an unsere Codinghelden aus Kreuzberg Delodi – unseren ersten Partner und auch die ersten Business Angels und Advisors.

CCB Magazin:Wie viel Geld habt ihr von Purpose bekommen? Und wie läuft so eine Beteiligung von „visionären Pionieren“ wie Purpose konkret ab? 

Robin Resch: Wir haben 150.000 Euro erhalten. Und der Unterschied von Purpose zu anderen Investoren ist einfach, dass Purpose keine Mitspracherechte durch die Investition erhält. Das Problem bei gewöhnlichen Investitionen ist ja, dass der Investor enormen Einfluss auf das Unternehmen nach der Investition hat. Hält ein Aktionär zum Beispiel 25 Prozent der Anteile, kann er Beschlüsse verhindern. Hat jemand 50 Prozent der Anteile, ist er oft komplett gleichberechtigt. Bei uns hat die Investition keinen Einfluss auf unsere unternehmerischen Entscheidungen, ausgenommen die Gewinnverteilung.

Auf einer coGalleries-Art-Tour im Studio bei Künstler Carlos Silva: Foto: Tahian Bhering

CCB Magazin:Das heißt, ihr bekommt das Geld, weil ihr jung seid und es braucht, und macht damit, was ihr wollt? 

Robin Resch: Na ganz so ist es nicht. Wir telefonieren regelmäßig mit Purpose, denn auch das Purpose-Team hat ein Interesse daran, dass unser Unternehmen gut läuft – die wollen schließlich eine Dividende haben, das Ziel ist die Gewinnausschüttung an alle Investoren.  Purpose greift aber nicht inhaltlich ein. Sie haben eher eine beratende Funktion und zudem ein gigantisches Netzwerk an tollen Menschen, die wir allesamt sehr schätzen. Klar ist aber auch: Ein Purpose-Unternehmen darf in der Regel nicht verkauft werden. Die Entscheidungsgewalt soll dauerhaft im Unternehmen bleiben – das Unternehmen gehört sich im wahrsten Sinne des Wortes selbst. Denn wenn du das Unternehmen veräußerst, gibst du damit auch die ganze Verantwortung ab – und die Leidtragenden sind allermeist die Mitarbeiter – schlimm, wie ich finde. Es trifft also diejenigen, die die Werte der Unternehmung mitaufgebaut und erst geschaffen haben. Und genau das wollen wir verhindern. Denn es geht auch anders und da geht noch einiges. Das schnelle Gründen, Hochpeitschen und Verscheppern von Unternehmen ist definitiv der falsche Weg. 

CCB Magazin:Viele Künstler stehen Investitionen in der Kultur grundsätzlich skeptisch gegenüber. Was macht das mit der Kunst, wenn man sie den Kapitalmärkten unterwirft? 

Robin Resch: Ich finde „unterwirft“ schon das falsche Wort. Natürlich darf der Kunst durch Investitionen nicht der Ausverkauf drohen. Es sollten grundsätzlich immer die daran verdienen, die die Kunst machen oder sich darum kümmern – Künstler, Vernetzer, Vermittler. Das heißt aber auch, dass wir heute gerade Geschäftsmodelle für die Kunst und Kultur brauchen, die diese Strukturen unterstützen. Der größte Fehler der Kultur liegt heute darin zu glauben, dass Kultur nichts mit der Ökonomie zu tun hat. Doch! Hat sie. Mischt euch ein. Künstler müssen heute gerade in die Domäne der Ökonomie intervenieren, denn hier findet der wahre Transformationsprozess statt. Und so etwas wie Purpose ist ein guter Weg. Gerade der Kunstmarkt ist aktuell ja höchstproblematisch, weil er grundlegend spekulativ ist. Gerade die Galerien und seit einiger Zeit auch die Museen  – staatliche wie private – kann man da wirklich nicht mehr ausnehmen. 

Natürlich darf der Kunst durch Investitionen nicht der Ausverkauf drohen. Es sollten grundsätzlich immer die daran verdienen, die die Kunst machen oder sich darum kümmern – Künstler, Vernetzer, Vermittler. Das heißt aber auch, dass wir heute gerade Geschäftsmodelle für die Kunst und Kultur brauchen, die diese Strukturen unterstützen

CCB Magazin:Was meinst du? 

Robin Resch: Vor allem die Museen stellen heute das aus, was auf dem Kunstmarkt erfolgreich ist – um ein Publikum zu locken. Es geht um Besucherzahlen, Daseinsberechtigung, Förderungen und Spenden. Das ist zunächst zwar wenig verwerflich. Ich finde aber, dass sich gerade die Museenwelt zu sehr an den vorherrschenden Marktmechanismen orientiert. Ich würde sogar so weit gehen zu behaupten, dass sie einen spekulativen Kunstmarkt erst bedient, den sie zugleich kritisiert. Museen verlieren so auch ihre Eigenständigkeit. Sie sollten mehr wagen. Und das heißt, auch ökonomisch neue Wege einzuschlagen, die für ein neues Verantwortungsbewusstsein in der Gesellschaft stehen.

Foto: Jens Thomas 

CCB Magazin:Robin, wie geht's weiter? Wie setzt ihr das Purpose-Geld ein? Welche Zukunft hat coGalleries?

Robin Resch: Mit der Investition von Purpose finanzieren wir vor allem unser Team und die grundlegenden Arbeitsprozesse. Also Projektmanagement, Kommunikation und die Mieten. Zudem organisieren wir aktuell ein Residence-Programm, bei dem wir internationalen Künstlern die Möglichkeit bieten, für ein paar Monate unsere Atelierräume zu nutzen. In Zukunft wollen wir coGalleries ausbauen. Ziel ist es, coGalleries in anderen Städten und Ländern zu etablieren. Dazu haben wir gemeinsam mit unserem Partner Delodi eine technisch extrem aufwendige Plattform aufgebaut. Geholfen hat uns neben Purpose und Delodi auch die Kommunikationsagentur anschlaege.de mit Axel Watzke – alles wunderbare Menschen, die den Purpose-Gedanken teilen. An einem Unternehmen zu arbeiten, das sehe ich mittlerweile selbst wie ein Kunstwerk. Es ist nie perfekt, das muss es aber auch nicht. Es ist die Idee und die Inspiration, die es braucht und die das Projekt vorantreibt. Und wir wissen jetzt was wir wollen. Es fühlt sich gut an. Wir kommen gerade erst richtig in Fahrt. 

CCB Magazin:Robin, vielen Dank für dieses Gespräch.


Profil von Robin Resch auf Creative City Berlin 

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