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Oliver Lang von der Sonnenrepublik: Stromfrei und Spaß dabei

Oliver Lang von der Sonnenrepublik: Stromfrei und Spaß dabei
Foto: © Sonnenrepublik

Von wegen, die Digitalisierung spart Ressourcen. Sie ist ein wahrer Klimakiller! Oliver Lang, Haare kurz, große Ziele, hatte 2013 eine Vision: Er gründete die Sonnenrepublik, das weltweit erste Unternehmen für solare Ladegeräte mit modularem Aufbau, mit denen sich vom Smartphone bis zum Tablet alles stromfrei laden lässt. Seitdem arbeitet er Tag ein Tag aus an der Energiewende in Berlin, bringt immer wieder Neuerungen auf den Markt und bastelt am ökologischen Weltfrieden. Wie baut man ein Unternehmen wie die Sonnenrepublik auf? Und was ändern kleine Geräte am großen Ganzen? 
 

Interview Jens Thomas 

 

CCB Magazin: Hallo Oliver, ihr seid die Sonnenrepublik und habt mittlerweile ein ganzes Sortiment an Produkten auf dem Markt, die ganz ohne Strom funktionieren – klimafreundlich, sehen schick aus, passen in jede Tasche. Bricht euch im Winter nicht jedes Mal die Kundschaft weg? 

Oliver Lang: (Lacht) Nein, auch im Winter scheint ja hin und wieder mal die Sonne und unsere Produkte funktionieren sogar mit weniger Sonnenlicht – wenngleich die Ladezeiten im Sommer natürlich kürzer sind. Um die Weihnachtszeit sind unsere Produkte im Übrigen auch gute Geschenke, zum Beispiel für den Urlaub in der Sonne.

CCB Magazin:Euer erstes Produkt war ein 4×4 cm kleines Solarmodul, das man wie ein Puzzle zusammenstecken konnte. Es war der weltweit kleinste Solarlader für USB-Geräte. Mittlerweile habt ihr eine Menge anderer Solarmodule entwickelt. Wie funktionieren all die Geräte? 

Oliver Lang:Die funktionieren alle ähnlich – nämlich ohne Strom aus der Steckdose. Wing12 ist zum Beispiel ein hochwertiger Solarlader für Tablets. Die Wing12 gibt es mit ökologischem Außenmaterial aus portugiesischem Naturkork oder in der besonders widerstandsfähigen Cordura-Variante. Sie lädt ein Smartphone bei voller Sonnenstärke in zirka zwei und ein Tablet in zirka drei Stunden auf. Die Alleskönner-Powerbank MP18 versorgt neben USB-Geräten sogar Notebooks – und ist entsprechend teurer. Das Solarladegerät Base9 wiederum ist der eher robuste Begleiter für alle Outdoor-Aktivitäten wie Fahrradfahren, Campen, Wandern und vieles mehr. Du siehst, es ist für Jeden was dabei. 

Mein Ziel war von Anfang an, ein sinnvolles Unternehmen aufzubauen und einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. Darum habe ich die Sonnenrepublik gegründet

CCB Magazin:Wie kam die Idee der Sonnenrepublik auf, welche Idee steckt dahinter?

Oliver Lang:Ich hatte schon viele Jahre vor der Gründung eigene Solarmodule entwickelt. Mein damaliger Kollege, Andreas Guba, regte mich dann Anfang 2012 an, all unsere Ideen in eine gemeinsame Firma einzubringen. Technisch hatte ich schon alles skizziert. Und irgendwann entstanden die ersten Prototypen. Mein Ziel war von Anfang an, ein sinnvolles Unternehmen aufzubauen und einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten. 

Foto: © Sonnenrepublik

CCB Magazin:Der Ökonom Tilman Santarius hat in seinen Analysen aufgezeigt, dass die Digitalisierung, entgegengesetzt dem Glauben, dass sie Ressourcen einspart, ein wahrer Klimakiller ist: Die Rechnerleistung pro Kilowattstunde habe sich im Laufe der Zeit alle 1,5 Jahre verdoppelt. Zugleich sei der Leistungsbedarf von Prozessoren, Bildschirmen und Datenzentren angestiegen – was enorm viel Strom frisst. Gerade auch die Allgegenwart unseres Smartphones trägt laut Santarius zum erhöhten Stromverbrauch bei. Löst die Sonnenrepublik genau dieses Problem? 

Oliver Lang:Wir gehen zumindest in diese Richtung. Wir lösen aber natürlich nur einen Bruchteil des Problems – immerhin ein Anfang. Und das Problem ist ja nicht nur der erhöhte Stromverbrauch durch die Digitalisierung. Es ist auch geradezu nichtnachhaltig, weil es im Bereich der Technik kaum Standards hierzu gibt. Darum brauchen wir zwei zentrale Neuerungen: Technik selbst muss klimafreundlicher werden und unsere private Nutzung muss ressourcenschonender sein. Mit der Sonnenrepublik vereinen wir beides. 

CCB Magazin:Ihr seid 2013 zunächst mit einem Crowdinvesting auf der Plattform Innovestment gestartet und volles Risiko gegangen. Anfang 2016 habt Ihr eine neue Sonnenrepublik gegründet. Was war passiert? Und wie habt ihr die Sonnenrepublik über die Jahre aufgebaut?

Oliver Lang:Unsere ersten Produktentwicklungen hatten sich als zu klein für die rasant energiehungriger werdenden Smartphones erwiesen. Wir mussten daher auf deutlich größere Solarlader umsteigen. Es braucht viel Durchhaltevermögen, auch ein klares Ziel und natürlich eine klare Zielgruppe. Immer mehr Menschen suchen nach ökologischen und fairen Produkten – das spielt uns in die Karten. Wir haben uns im Laufe der Jahre einen festen Kundenstamm erarbeitet. Angefangen hatte alles mit dem Crowdinvesting, das war eine sehr gute Möglichkeit, unser Produkt zu testen. Wäre das Investment schief gelaufen, hätten wir unser Geschäftsmodell auch nicht weiter verfolgt. 

Foto: © Sonnenrepublik

CCB Magazin:Eine Tendenz der letzten Jahre ist es, dass Kreativunternehmen mehr und mehr ökologische oder soziale Problemstellungen in den Vordergrund stellen – das zeigte eine neue Studie der staatlichen Förderbank KfW aber auch eine des Soziologen Matthias Euteneuer. Was müsste sich in Zukunft ändern, um ökologische oder sozialverantwortliche Unternehmen wie deine mehr nach vorne zu bringen? 

Oliver Lang:Social Entrepreneurship ist nur sinnvoll, wenn alle Player auch fair miteinander umgehen – sonst hat am Ende der eine oder andere Social Entrepreneur das Nachsehen und die anderen sahnen ab. In unserer Branche sind zum Beispiel sehr viele Billiganbieter aus China unterwegs, die oft direkt auf eBay oder Amazon verkaufen. Da wir vorwiegend in Deutschland fertigen, übrigens auch in Behindertenwerkstätten, was wir als unseren Beitrag zum Social Entrepreneurship verstehen, sind wir damit deutlich teurer als die Konkurrenz. Daher meiden wir nach Möglichkeit derartige Plattformen, wo der Preis zur Top-Priorität wird und alles andere nebensächlich ist.

CCB Magazin: Hast du konkrete Vorschläge, wie man das ändert? 

Oliver Lang:Man müsste diese Plattformen zu einem sozialeren, nachhaltigeren Denken bewegen und auch den Handel mit ausländischen Billigprodukten stark reglementieren. Außerdem gibt es einige große Händler im „Ökobereich“, deren überzogene Handelsmargen eine Produktion in Deutschland fast unmöglich machen, also geradezu kontraproduktiv zum nachhaltigen oder sozialen Wirtschaften sind. Hierzu braucht es Lösungen. 

Das Problem ist derzeit nicht nur der erhöhte Stromverbrauch durch die Digitalisierung. Es ist auch geradezu nichtnachhaltig, weil es im Bereich der Technik kaum Standards hierzu gibt. Hier müssen wir ansetzen: Technik muss klimafreundlicher werden und unsere private Nutzung ressourcenschonender sein. 

CCB Magazin:Oliver, willst du zum Schluss noch was sagen? 

Oliver Lang:Let’s go solar! 

CCB Magazin: Alles klar, viel Erfolg dabei.   

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