Vernetzung, Corona Zurück

Digitaler Innenhof zum Ausprobieren

Digitaler Innenhof zum Ausprobieren

Heute startet die MEDIA CONVENTION Berlin. Zum ersten Mal völlig digital. Wir stellen an dieser Stelle die Highlights des Programms vor und wollen wissen: Wer sind die Gewinner und Verlierer der Corona-Krise? Ein Gespräch mit Projektleiterin Sabine Wessels. 
 

INTERVIEW   JENS THOMAS 

 

CCB Magazin: Frau Wessels, die MEDIA CONVENTION Berlin findet in diesem Jahr erstmals digital statt. Was genau passiert da? 

Sabine Wessels: Wir streamen von 13:00 – 21:30 Uhr mehr als acht Stunden live aus dem Studio von ALEX Berlin. Dazu haben wir ein Programm zusammengestellt, das die aktuellen Debatten der Branche abbildet – wir bieten aber auch Perspektiven für die Zeit nach Corona. Die Themen reichen von Streaming Wars bis Desinformation, von Lokaljournalismus bis hin zu politischem Aktivismus in der Influencer-Szene, von Impact Distribution bis Deutschrap. Schauspieler*innen wie Lavinia Wilson und Max Mauff werden vertreten sein, auch die Influencerin Hatice Schmidt, Autor Peter Wittkamp, Produzent Philipp Kässbohrer von der bildundtonfabrik, die Gamedesignerin Cornelia Geppert und viele mehr. Unter #mcbremote können Besucher zudem Fragen stellen, die wir zu unserem Moderator Louis Klamroth ins Studio geben. Einzelne Sessions werden zusätzlich durch Deep Dives vertieft, bei denen die Teilnehmer direkt mit den Speakern sprechen können. Gemeinsam mit der re-publica haben wir zudem einen digitalen Innenhof zum Austausch organisiert. All das wird auf auf  www.re-publica.tv, www.mediaconventionberlin.com, und den TV- und Webkanälen von ALEX Berlin gestreamt und kann zusätzlich auf unseren Youtube- und Facebook-Kanälen live verfolgt werden.

CCB Magazin: Eine Frage, die diskutiert wird, lautet: Wirkt die Corona-Krise als Katalysator für die Digitalisierung oder gehen konventionelle Medien nachhaltig gestärkt aus dieser Zeit hervor? Wer könnte denn „nachhaltig gestärkt“ aus dieser Krise hervorgehen? 

Sabine Wessels: Klassischer und fundiert recherchierter Journalismus zum Beispiel. Der hat derzeit ja Hochkonjunktur. Klassische Nachrichtensendungen im linearen Fernsehen, aber auch Angebote wie der Livestream von WELT oder ntv haben zurzeit höhere Abrufzahlen denn je. Ganz offensichtlich verlangen die Menschen in Krisenzeiten nach zuverlässiger Information, das ist ein gutes Zeichen. Und wir dürfen gespannt sein, ob es gelingt, das Momentum der Stunde auch nach Corona zu nutzen. Spannend bleibt auch die Frage, wie es in Krisenzeiten darüber hinaus gelingt, sich vor Desinformation zu schützen. Darüber diskutieren auf der MEDIA CONVENTION mit Sabine Frank, Leiterin Regulierung, Verbraucher- und Jugendschutz bei Google, Tobias Schmid, Direktor der Medienanstalt NRW, Ben Scott, Direktor für Policy und Advocacy bei Luminate und Juliane von Reppert-Bismarck, Gründerin von Lie Detectors. 

Klassischer und fundiert recherchierter Journalismus ist ein Gewinner der Krise. Offensichtlich verlangen die Menschen in Krisenzeiten nach zuverlässiger Information - das ist ein gutes Zeichen

Fotos: MCB Ulf Büschleb // MCB Uwe Völkner


CCB Magazin: Zweifellos gehören derzeit auch die großen Streaming-Dienste zu den Gewinnern der Corona-Krise, die mit wachsenden Zugriffszahlen sogar noch auftrumpfen. Das sind doch letztlich alles sehr düstere Prognosen für die kleineren Anbieter. Was kann man dem wie entgegensetzen?  

Sabine Wessels: Sicher sind Netflix, Amazon Prime Video und Disney+, die ja erst kürzlich fulminant auf dem deutschen Markt gestartet sind, die größten Profiteure des Shutdown. Wir sehen aber auch, dass die deutschen Medienunternehmen sehr fleißig an ihren Online-Angeboten arbeiten und neben den On-Demand-Bereichen für ihre linearen TV-Angebote auch immer mehr Online-First-Formate entwickeln, die mit frischen Erzählweisen experimentieren und in den letzten Wochen wachsende Zugriffszahlen verzeichnen konnten. Während TVNOW dabei eher auf junges Entertainment à la „Prince Charming“ setzt, hat JOYN einige neue Serien herausgebracht, die von etablierteren Formaten wie „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf bis zu dem aktuellen Sadcom-Experiment „MAPA“ reichen. Die große Frage dabei ist: Sind diese neuen Projekte vor allem gut fürs Image oder ist speziell das jüngere Publikum bereit, Geld in Streaming-Abos deutscher Anbieter zu investieren? Und wer kann sich nach Corona nachhaltig neben den US-Riesen etablieren? Darüber wollen wir mit Henning Tewes, Geschäftsführer TVNOW, Alexandar Vassilev, Geschäftsleiter JOYN und ZDF-Neo-Chefin Nadine Bilke diskutieren.

CCB Magazin: Eine andere Frage der MEDIA CONVENTION lautet, wie Kreative und Medienmacher mit den derzeitigen Einschränkungen umgehen. Was könnte sich zum Schluss durch Corona zum Besseren wenden? 

Sabine Wessels: Das bleibt spannend. Eine interessante Frage dabei ist, wie sich die aktuelle Krise auch auf unser Storytelling auswirken wird: Wie werden wir künftig von dieser Zeit erzählen? Können Plots für Filme, Serien, Games noch genau so entwickelt werden, wie in der Zeit vor Corona oder werden sie ihre Relevanz verlieren? Werden wir uns zum Corona-Heldenepos ums Lagerfeuer versammeln oder sehen wir mehr gebrochene Charaktere à la Joker oder Systemsprenger? Von Autor Peter Wittkamp („Für mich soll es Neurosen regnen“) und Game Designerin Cornelia Geppert („Sea of Solitude“) wollen wir darum wissen, was diese Zeit mit ihrer Kreativität macht und umgekehrt. Da beide auch Spezialisten für psychische Ausnahmezustände sind, möchten wir von ihnen aber auch ein ein paar Tipps hören, wie wir am besten geistig gesund durch die Krise kommen. Ich hoffe, wir sehen uns am 07.05. alle auf www.re-publica.tv. Es lohnt sich! 


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