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Katrin Dröse and Jürgen Schepers: "Wir dürfen jetzt das Weitermachen nicht vergessen"

Katrin Dröse and Jürgen Schepers: "Wir dürfen jetzt das Weitermachen nicht vergessen"
Foto: © IHK Berlin

In Deutschland gibt es 79 IHKs, eine IHK vertritt klassischerweise Unternehmen und Gewerbetreibende in einer Region. Was macht die IHK aber für die Kreativwirtschaft in Berlin? Darüber sprachen wir mit der IHK-Branchenmanagerin Katrin Dröse und dem Key Account Manager Jürgen Schepers.

 

INTERVIEW Jens Thomas   

 

CCB Magazin:Hallo Katrin und Jürgen, Ihr seid Branchenmanager*in bzw. Key Account Manager für die Kreativwirtschaft bei der IHK Berlin. Bitte stellt Euch mal kurz vor: Was macht ihr, welchen Hintergrund habt ihr?

Katrin:Hallo, ich bin Katrin und seit drei Jahren Ansprechpartnerin für die Kreativen der Stadt Berlin als deren Branchenmanagerin. Davor habe ich im Bereich Film mit Schwerpunkt Filmproduktion und Filmförderung gearbeitet. Mein Fokus bei der IHK liegt auf den Unternehmen, die bislang erst wenig Kontakt mit der IHK Berlin hatten. Hier schaue ich in persönlichen Gesprächen, wo genau ich sie mit den Angeboten der IHK Berlin abholen und unterstützen kann. Sei es, dass ich Ihnen Impulse für ihre Unternehmensführung oder Tipps für Förderungen sowie den Bereich Nachhaltigkeit gebe – oder dafür, wie man ein Netzwerk aufbaut.

Jürgen:Ich bin seit über zwölf Jahren bei der IHK, habe zuvor als Volontär/Redakteur bei einer Tageszeitung und anschließend 13 Jahre im Bereich PR & Marketing in der Kreativwirtschaft für Film, TV, Clubs, Musik und Entertainmentverlage gearbeitet. Ich bin bei der IHK als Key Account Manager für die Unternehmen, Verbände, Institutionen und Netzwerke aus der Kreativwirtschaft zuständig. Zudem arbeite ich mit Politik und Verwaltung zusammen, um die Interessen der Kreativen zu vertreten. Dazu versuche ich sie aus gesamtwirtschaftlicher Sicht zu unterstützen, untereinander zu vernetzen und ihre Anregungen, aber auch Probleme, bei Politik und Verwaltung zu positionieren. Dafür bin ich viel unterwegs.

Wir stellen Netzwerke her, wir bieten Informations- und Kooperationsveranstaltungen, hinzu kommen Produktvorstellungen, politische Stellungnahmen oder wir entwickeln neue Formate wie jüngst unser IHK-Pop-Up-Büro, eine Art mobile Außenstelle

 

Jürgen Schepers (oben, Foto © yoonaverse) und Katrin Dröse (unten, Foto © IHK Berlin) in Aktion

CCB Magazin:Könnt ihr mal euren Tagesablauf schildern? Wie sieht die Arbeit einer Branchenmanagerin bzw. eines Key Account Managers für die Kreativwirtschaft bei der IHK Berlin aus?

Katrin:Wir führen insgesamt viele Gespräche mit ganz unterschiedlichen Akteur*innen – denn wir haben über 320.000 Mitgliedsunternehmen, von denen viele noch keinen oder kaum Kontakt zu uns hatten. Das wollen wir ändern. Unsere Kammer lebt vom Engagement und dem engen Austausch mit den Mitgliedern. Dazu machen wir Unternehmensbesuche, Netzwerk-, Informations- oder Kooperationsveranstaltungen, hinzu kommen Produktvorstellungen, politische Stellungnahmen oder wir entwickeln neue Formate wie jüngst unser IHK-Pop-Up-Büro, eine Art mobile Außenstelle. Natürlich sind wir auch Ansprechpartner für unser Ehrenamt, also den Unternehmern, die sich aktiv engagieren, wie in den Fachausschüssen und der Vollversammlung.

CCB Magazin:Eine IHK ist ganz klassisch die Berufsvertretung von Unternehmen und Gewerbetreibenden in einer Region, wobei man automatisch Mitglied wird, wenn man gewerbesteuerpflichtig ist. Derzeit gibt es in Deutschland rund 79 IHKs. Was genau macht eine IHK für die Kreativwirtschaft?

Jürgen: Eines vorneweg: Eine IHK vertritt immer das Interesse der gesamten Wirtschaft im Kammerbezirk gegenüber der Politik und ist für Mitglieder aller Branchen Ansprechpartner und Dienstleister, anders als beispielsweise ein Branchenverband. Und ganz wichtig: Unser Engagement für eine Branche hängt nicht von der Höhe der Mitgliedsbeiträge oder der Größe der Firma ab. Um deine Frage zu beantworten: Wir stellen Netzwerke her, wir unterstützen Ausbildungsunternehmen oder ganz praktisch: Wir stellen sogenannte Carnets für Filmdrehs im Ausland aus, damit zum Beispiel bei längeren Produktionen im Ausland kein Einfuhrzoll anfällt.

CCB Magazin:Und wie sehen die Angebote für die Kreativwirtschaft dazu konkret aus?

Katrin:Wir bündeln alle Themen und tragen sie für die Unternehmen zusammen: Digitalisierung, neue Rechtsformen, Nachhaltigkeit. Dazu bieten wir – für alle Mitglieder kostenfreie – Serviceangebote wie Rechtsberatungen, Workshops oder Fortbildungen an. So hatten wir kürzlich zum Beispiel einen Business Ladies Lunch, um die Sichtbarkeit von Frauen in der Branche zu stärken. Oder wir bieten Fortbildungen zu Nachhaltigkeitsthemen wie plastikfreies Produzieren an. Vor allem möchten wir alle Branchen ansprechen, damit sich Synergien ergeben. Dafür vernetzen wir sie untereinander, wie beispielsweise mit unserem Berlin Creative Tech Summit, der im November erstmals zusammen mit Berlin Partner und visitBerlin stattfindet, aber auch branchenübergreifend, wie mit unseren Branchendialogen, wo sich zuletzt die Digitalwirtschaft mit der Bau- und Immobilienbranche ausgetauscht hat. 

CCB Magazin:Neben der Durchdringung von KI ist derzeit die Nachhaltigkeit das dominierende Thema. Wie verändern sich die Aufgabenfelder und Anforderungen der IHK im Zuge des technologischen und nachhaltigen Wandels?

Katrin:Wie die gesamte Wirtschaft müssen auch wir uns intern auf die neuen Gegebenheiten und Herausforderungen einstellen. Dazu passen wir unsere Angebote entsprechend an. Nehmen wir als Beispiel die Themen Nachhaltigkeit oder Fachkräftemangel. Da haben wir in den letzten Jahren unsere Angebote definitiv ausgebaut, weil wir sehen, dass unsere Mitglieder einen steigenden Bedarf haben. Deshalb ist auch der enge Austausch mit unseren Mitgliedsunternehmen so wichtig. Auch ganz praktisch ändern sich die Erwartungen an die IHK, Stichwort Digitalisierung. So hatten wir als erste Kammer in Deutschland einen Chief Digital Officer, der die Digitalisierung unserer Angebote und Services vorangetrieben hat. Die Pandemie war dafür natürlich ein massiver Verstärker.

CCB Magazin:Stichwort Pandemie: Der Gesamtumsatz der Kultur- und Kreativwirtschaft ist im Jahr 2020 auf 160,4 Milliarden EUR gesunken, das sind knapp neun Prozent weniger gegenüber 2019. Am stärksten hat es die Darstellenden Künste (-81 Prozent) getroffen, gefolgt von der Musikwirtschaft (-44 Prozent), Filmwirtschaft (-41 Prozent) und dem Kunstmarkt (-39 Prozent). Werden sich die Branchen wieder erholen? Welche Konzepte braucht es?

Jürgen:Das sind genau die Teilbranchen, deren Erlöse zum großen Teil aus öffentlichen Veranstaltungen generiert werden und die jetzt langsam auf eine Vor-Corona-Situation hinarbeiten. Es bleibt abzuwarten, wie sich ihre und natürlich auch die Situation der anderen Teilbranchen weiterentwickelt. Die Corona-Hilfen sowie die Programme „Neustart Wirtschaft“ und „Perspektive Kultur“ als Anschubhilfe waren eine wichtige Unterstützung. Wir glauben, dass wir hier auf einem guten Weg sind.

CCB Magazin:Ihr habt den Fachkräftemangel bereits angesprochen. Wie können die kreativen Branchen davon profitieren?

Katrin:Die kreativen Branchen profitieren nicht davon, sie sind selbst davon betroffen – und das ist ein Novum mit der Konsequenz, dass der „war of talents“ auch in der Kreativwirtschaft nicht nur angekommen ist, sondern in vollem Maße stattfindet. Profiteure wird es nicht geben, vielmehr ist es wichtig, dass das Wir im Vordergrund steht.

CCB Magazin:Dieses Wir verändert gegenwärtig auch das Verständnis von Wirtschaft: Postwachstum satt Wachstum, Reduktion anstelle von Überproduktion. Wie wird diese Entwicklung die Kreativwirtschaft mittel- bis langfristig verändern?

Jürgen:Es ist weniger das Verständnis von Wirtschaft, das sich ändert. Natürlich brauchen wir eine florierende Wirtschaft. Kein Wachstum heißt ja nicht mehr Klimaschutz, wahrscheinlich sogar eher das Gegenteil. Weitgehende Einigkeit gibt es aber, dass alle Anstrengungen unternommen werden müssen, um ressourcenschonend und im besten Fall klimaneutral zu produzieren und zu wirtschaften. Das hat wiederum einen massiven Impact auf alle Branchen und auch auf die Kreativwirtschaft, viele Unternehmen sind da schon sehr vorbildlich unterwegs, beispielsweise mit nachhaltigen Festivals oder Filmproduktionen. Die nächste Frage, die sich gerade für die Kreativwirtschaft stellt, ist die, ob die Auswirkungen des wachsenden Einsatzes von KI die Branche möglicherweise noch mehr verändern werden als das Thema Klimawandel.

Unternehmerische Verantwortung bedeutet immer auch gesellschaftliche Verantwortung. Beides ist in der DNA der Kultur- und Kreativwirtschaft verwurzelt

CCB Magazin:Dann dazu bitte zum Schluss noch ein kleines Zukunftskino: Welchen Beitrag können Kreativunternehmen für eine nachhaltige, digitale aber auch inklusive Gesellschaft leisten?

Jürgen:Unternehmerische Verantwortung bedeutet auch immer gesellschaftliche Verantwortung und diese beiden Eigenschaften sind in Berlin in der DNA der Kultur- und Kreativwirtschaft verwurzelt. Man denke nur an die Diskurse bei der „re:publica“, an die nachhaltige Modemesse „beyond berlin“, an Formate wie „Future of Festivals“ oder an die „yoonaverse“, die Nachhaltigkeit und Digitales verbindet, sowie an das „People & Culture-Festival“, wo das Thema Inklusion Berücksichtigung findet. Auch das in Berlin ansässige Aktionsnetzwerk Nachhaltigkeit in Kultur und Medien, das bundesweit zum Transformationsmanager weiterbildet oder die Filmbranche, die den „green consultant“ am Set eingeführt hat, wären hinzuzufügen. Ich habe bestimmt einige vergessen. Mal sind es noch kleine Pflänzchen, mal bereits etablierte Player, aber es zeigt deutlich, dass wir vom Konjunktiv in der Gegenwart angekommen sind. Wir dürfen jetzt nur nicht das Weitermachen vergessen.

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