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Auftakt: So lief meine erste Veranstaltung im Berliner Podewil

Auftakt: So lief meine erste Veranstaltung im Berliner Podewil
Foto: P. Scheller

Am 15. März war es soweit: Im Berliner Podewil hatte ich meinen Auftakt zur neuen Kreativwirtschaftsberatung. Jens Thomas von Creative City Berlin war auch vor Ort. Hier findet ihr den Nachbericht! 
 


"Mir geht es um Passion"

Die neue Kreativwirtschaftsberatung Berlin hat am 15. März zum verheißungsvollen Meet 'n' Greet im Berliner Podewil geladen. Gekommen sind mehr als 100 Vertreter und Netzwerker der kreativen Branchen. Diskutiert wurde über berufliche Lust und Leidenschaft und Wege der Professionalisierung. Wie mache ich aus Passion Geld? Wie finanziere ich mein Projekt? Und was erwartet man von einer solchen neuen Anlaufstelle für Kreativschaffende? Ein Nachbericht.


teXT Jens Thomas   //  FOTOS Josephine Weisflog
 

Melanie Seifart hält das Mikrofon fest in der Hand. Es läuft leise Musik im Hintergrund, Gäste kommen in den Saal, Melanie Seifart betritt die Bühne und begrüßt ihr Publikum. „Hallo, könnt ihr mich hören?“. Die Leute nicken, sie wirken gespannt, denn erstmals präsentiert sich die Kreativwirtschaftsberatung Berlin an neuer Wirkungsstätte. Der Ort: das Berliner Podewil. Das Motto: Meet 'n' Greet. Seit Anfang des Jahres leitet Melanie Seifart die neue Kreativwirtschaftsberatung als Anlaufstelle für Kreativschaffende in der Stadt. Hervorgegangen ist die Kreativwirtschaftsberatung aus dem Kompetenzzentrum Kultur- und Kreativwirtschaft des Bundes und ist nun Teil des neuen Berliner Beratungszentrums für Kulturförderung und Kreativwirtschaft – beheimatet in der Kulturprojekte Berlin GmbH, Klosterstraße 68.

Der Abend beginnt, und wie so oft dreht es sich bei Kulturveranstaltungen dieser Art nicht ums ganz große Geld, aber eben doch ums Geld. „Ziel meiner Beratung ist es, Selbständige der Kreativwirtschaft gezielt zu Unterstützungsstrukturen zu beraten und zu vernetzen“, stellt Melanie Seifart gleich zu Beginn klar. Gekommen ist an diesem Abend die Kulturlandschaft und Kreativwirtschaft Berlins: Netzwerker, Branchenvertreter, Schnittstellen, Querdenker und Kreativproduzenten der Stadt. 100 Leute sind es geworden. Sie sind gekommen mit Fragen, Anregungen, Ideen - und mit viel Gesprächsbedarf. Auf dem Podium sitzen Maggie Coker, Gründerin und Berliner Vernetzungswunder, Nadine Becker, Managerin, Produktions-/Veranstaltungsleiterin und überzeugte Tourbegleiterin, eine So-ziemlich-vieles-in-einem also. Und last but not least Maren Heltsche, Mit-Gründerin und Mit-Herausgeberin des Berliner Online-Magazins ROSEGARDEN. Melanie Seifart selbst moderiert die Veranstaltung an diesem Abend.

„Ich will in erster Linie ein Heft auf den Markt bringen, von dem ich überzeugt bin“ - Maren Heltsche, ROSEGARDEN-Magazin

Die Diskussion kommt in Fahrt und schnell wird deutlich, dass sich viele Kreativschaffende noch immer schwer damit tun, den Spagat zwischen Passion und finanzieller Absicherung zu schaffen: Wie mache ich aus Leidenschaft Geld? Wie finanziere ich mein Projekt oder Unternehmen und was muss ich dafür leisten? Auf dem Podium geht es um konkrete Projektumsetzung: „Ich will in erster Linie ein Heft auf den Markt bringen, von dem ich überzeugt bin“, sagt Maren Heltsche vom ROSEGARDEN-Magazin. „Mir geht es um Passion“, unterstreicht sie. Leben könne sie von ihrem Heft zwar nicht, das sei aber auch nicht ihr vorrangiges Ziel. Darum mache sie das in einer Nebentätigkeit. Managerin Nadine Becker handelt hingegen klar unternehmerisch, wenn sie als Tourbegleiterin unterwegs ist, denn beim Tourmanagement geht es vor allem (auch) um eines: Geld. Maggie Coker bildet wiederum eine Art Schnittmenge: Sie ist Künstlerin mit wirtschaftlichen Interessen sozusagen. Maggie Coker trägt Hut, ursprünglich kommt sie aus England, von dort berichtet sie auch. In Neukölln habe sie mittlerweile viele Projekte realisiert, viel Geld sei dabei aber nicht abgefallen. In England laufe das alles anders. Dort herrsche ein ganz anderer Unternehmensgeist. Man mache einfach und überlege nicht so viel: „Have a go and let see what happens“, sagt sie. 

So ist das eben in Berlin. Das kreative Potenzial in der Stadt ist hoch. Bis zu 30.000 Unternehmen und 190.000 Beschäftigte arbeiten in der Berliner Kreativwirtschaft. Die Berliner Kreativwirtschaft erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von rund 15 Mrd. und damit 6 Prozent aller privatwirtschaftlichen Umsätze in der Region Berlin-Brandenburg. Seit 2009 wächst die Kultur- und Kreativwirtschaft jährlich um durchschnittlich 5,5 Prozent. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite sind die Einkommen gering und steigende Mietpreise stellen die Szene immer mehr vor Probleme – zu diesem Ergebnis kommt der neue Kultur- und  Kreativwirtschaftsindex Berlin-Brandenburg  2015, kurz KKI. Das weiß auch Melanie Seifart. Und das wissen auch die Gäste an diesem Abend. Betont wird aber auch, dass Berlin ein ganz besonderer Teppich ist, der viele Möglichkeiten zur Selbstentfaltung bietet, eine Fläche zum Ausprobieren sozusagen. Das schätzen auch die Besucher dieser Veranstaltung. 

"Ich erwarte von der Kreativwirtschaftsberatung, dass sie mir Lücken aufzeigt, damit ich meine Nische finde" - Karin Blenskens, Crowdfunding-Expertin und Musikpromoterin 

Was aber erwartet man von einem Beratungsangebot wie der Kreativwirtschaftsberatung Berlin? Karin Blenskens, Crowdfunding-Expertin, Musikpromoterin und Gast an diesem Abend, sagt: „Der Kreativsektor in Berlin ist chronisch schlecht bezahlt, weil das Angebot hoch ist und das Preisniveau niedrig. Darum muss man berufliche Lücken finden. Und genau das erwarte ich auch von einer solchen Beratung, dass sie mir solche Lücken aufzeigt, damit ich meine Nische finde“. Simon Alter, Musikproduzent und Labelbetreiber aus Berlin-Friedrichshain geht es vor allem um „neue Impulse und praxisnahe Beratung“. Simon Alter trägt Drei-Wochen-Bart und Brille, er sagt entschlossen: „Ich will von einer solchen Anlaufstelle  wissen, wo ich mich hinwenden kann, wenn ich weitere Fragen zu meinem Business habe“. Maren, Bildende Künstlerin aus Berlin, geht es wiederum um klare Auffindbarkeit von Förderprogrammen. „Jetzt mal ehrlich, das Recherchieren solcher Programme macht echt keinen Spaß! Das hält mich sogar von meiner Arbeit ab“.

Umso besser, dass es dafür Anlaufstellen in Berlin gibt. Die Kreativwirtschaftsberatung Berlin ist die wirtschaftssektorale Ergänzung zum bestehenden Kulturförderpunkt. Der Kulturförderpunkt berät im Podewil seit 2013 die klassischen Kultursegmente - die bildendenden und darstellenden Künste, Literatur, Musik, Soziokultur. Melanie Seifart ergänzt jetzt das Angebot mit ihren Beratungen für Selbständige in der Kreativwirtschaft – in den Bereichen Design, Games, Verlage, Film, Rundfunk und Musik. Sie macht deutlich: „Wir wollen aber nicht nur beraten, wir wollen auch gegenseitiges Vernetzen in der Stadt unterstützen“. Der Vernetzungsgedanke ist Melanie Seifart enorm wichtig, das wird an diesem Abend immer wieder deutlich. „Wir wollen, dass ein gemeinsames Bewusstsein  innerhalb der Branche entsteht“. Dabei ginge es ihr auch um berufliche Selbstwertschätzung. „Unsere Erfahrung zeigt, dass es bei vielen Akteuren noch immer große Unkenntnis über den eigenen Wert der Arbeit und eine Scheu davor gibt, die eigene Arbeit angemessen vergüten zu lassen. Auch hier müssen wir ansetzen“.  

An Anfragen wird es Melanie Seifart künftig wohl nicht mangeln. Der Anteil an Selbständigen in der Berliner Kreativwirtschaft ist deutschlandweit am höchsten - er liegt bei 60 Prozent, im Bundesdurchschnitt sind es 24 Prozent. Und Beratungen haben letztlich noch niemandem geschadet. Melanie Seifart sagt: „Meine Vision ist, dass das Beratungszentrum mit seinem Allround-Angebot von Beratung, Information und Vernetzung künftig eine optimale Unterstützungsstruktur bietet, die auf die Bedürfnisse der kleinteiligen Kreativwirtschaft zugeschnitten ist“. Warten wir es mal ab. Es ist ja erst Dienstag an diesem Abend.

Im Januar 2016 ist das Berliner Beratungszentrum für Kulturförderung und Kreativwirtschaft gestartet. Die Kreativwirtschafsberatung Berlin ist Teil des neuen Berliner Beratungszentrums für Kulturförderung und Kreativwirtschaft.

www.kreativwirtschaftsberatung-berlin.de

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