Danke!

Danke!
Foto: © Alexander Rentsch

Am 17.09 haben wir unser neues Printmagazin "The Big Good Future#2" präsentiert.  Der Schwerpunkt: Digitalisierung in Kunst und Kultur. Ab 16 Uhr gingen die Türen auf, 20 Aussteller füllten das Podewil, 10 Best-Practice-Projekte gingen auf die Bühne. Wir sagen: Danke an alle Partner! Danke an alle Autoren! Und danke an diese Welt, dass es noch Hefte gibt. Eine Rückschau mit Vorausblick für eine Zukunft im Morgen.

Technik, Technik, Technik, überall diese Technik, und dann auch noch diese klobigen VR-Brillen und der ganze Fortschritt auf einem Fleck: Ein junges Mädchen, vielleicht 5 Jahre, tanzt auf der Stelle, auf ihrer Nase klemmt eine VR-Brille, die größer ist als ihr Kopf. An anderer Stelle macht die sogenannte dadamaschine aus Nägeln und Sperrholz krachenden Sound, in einer anderen Ecke läuft das Stück „Uncanny Valley“ des Theaterkollektivs Rimini Protokoll als Screen: Im Stück sitzt ein humanoider Roboter in Gestalt des Schriftstellers Thomas Melle auf der Bühne und spricht mit dessen Stimme zum Publikum. Eine unheimliche Begegnung? Vielleicht. Vielleicht aber auch mehr Wirklichkeit als wir vertragen können.

Ja, so war das gestern: Wir haben unser neues ‚analog-digitales‘ Printmagazin „The Big Good Future #2“ zum Schwerpunkt Digitalisierung veröffentlicht und einem breiten Publikum präsentiert. Der Ort: das Podewil in der Kulturprojekte Berlin. Das Ziel: von der einen Branche in die andere schielen. Ansätze vergleichen. Trends sichtbar machen. Problemstellungen diskutieren und Chancen aufzeigen, die für Kunst, Kulturproduktion und kreative Arbeit im Zuge der Digitalisierung entstehen. Machen wir uns nichts vor: nichts bleibt auch nur ansatzsweise so, wie es einmal war. Die Verkaufsauflage aller Tageszeitungen in Deutschland ist binnen drei Jahrzehnten um etwa 50 Prozent eingebrochen. Die Erlöse in der Musikindustrie werden schon heute zu rund 50 Prozent digital erwirtschaftet. Ganze Wertschöpfungsketten, so etwa im Bereich Designproduktion, werden durch die Digitalisierung auf den Kopf gestellt. Und jetzt auch noch dieses Heft. Ein Printheft zum Thema Digitalisierung? Geht’s noch? Ja, es geht.

Fotos: Alexander Rentsch

Es geht los, wir stehen auf der Bühne und stellen das Heft vor. 96 Seiten druckfrisch, „The Big Good Future #2“, so der verheißungsvolle Titel. Es geht an diesem Abend (und im Heft) um neue Blockchain- und Streamingmodelle von Darstellender Kunst bis zu Musik, um KI-, VR- und AR-Kunst, es geht um neue kreislauffähige Designkonzepte im digitalen Zeitalter genauso wie um die Frage: Braucht es in Zukunft überhaupt noch den Künstler, wenn eine KI Kunst oder Musik produziert? Im Magazin diskutieren diese Fragen namhafte Autoren von Sozialphilosoph Harald Welzer über Kirsten Niehuus (Geschäftsführerin des Medienboard Berlin-Brandenburg), von Kristoffer Gansing (Leiter transmediale) bis hin zu zahlreichen Berliner Netzwerkern und Forschern. Letztlich ist das Magazin ein erstes analog-digitales Produkt: Rund 40 Beiträge finden sich im Heft, weitere liest man über eine kostenfreie App (von Bowerbird) direkt vom Magazin aus im Netz. Am 17.09.2019 sind die wichtigsten Akteure vor Ort: Sie präsentieren sich und ihre Konzepte. Zu sehen sind experimentelle Klangwelten der Soundkünstler kling klang klong, geboten wird ein Workshop zu neuen „digitalen“ Genossenschaftsmodellen und auf dem Pecha Kucha präsentieren sich die 10 spannendsten Formate zur Frage: Wie sieht die Zukunft kreativer Arbeit aus? Wie wollen wir arbeiten und leben in einer Stadt wie Berlin? Wie wird Kunst und Kultur durch die Digitalisierung bereichert? Und wie bereichern Kunst- und Kulturschaffende die Gesellschaft durch neue digitale Strategien?

Fotos: Alexander Rentsch

Die Antworten dazu werden auf dem Pecha Kucha, einem Pitching-Format, ab 20 Uhr gegeben: Silfir zum Beispiel, ein Berliner Nachhaltigkeits-Modelabel, verfolgt ein klares Ziel. „Wir müssen anders konsumieren. Wir müssen aber auch anders produzieren“, sagt Hannah Kromminga von Silfir auf der Bühne. Kromminga trägt einen weißen Anzug, es ist ihr eigener, den sie selbst hergestellt hat, es ist ihre eigene Silfir-Kollektion, und sie stellt in 6 Minuten a 20 Folien ihre Version von einer Zukunft vor – die Digitalisierung fungiert hier als Türöffner. „Ich habe in meine Kollektion einen ID-Chip integriert, der über Lieferketten und Produktionsprozesse informiert“, sagt die Frau in weiß. „So wissen die Kunden, was sie kaufen“. Genau das sei ein Weg für eine nachhaltigere Zukunft. Letztlich ginge es auch um Transparenz. Um Transparenz geht es auch Elisabeth Caesar. Sie hat die Plattform SPECTYOU gegründet, eine erste Streaming-Plattform für den Bereich Darstellende Kunst im deutschsprachigen Raum. „Wir bringen Tänzer, Theatermacher, Performer und Kunstinteressierte zusammen“, sagt Caesar, während eine Folie nach der anderen im Hintergrund auf der Leinwand durchjagt. Sie stellt klar: „Streaming im Bereich der Darstellenden Künste funktioniert aber anders als im Musikbereich. Es geht nicht primär um die Wertschöpfungskette, es geht darum, Theaterproduktionen erst mal zugänglich zu machen“. Caesar wirft Zahlen an die Wand: „Im deutschsprachigen Raum werden jährlich 8.500 unterschiedliche Produktionen gezeigt. Nach aktueller Lage bräuchte man aber eine Vollzeitstelle, um knapp fünf Prozent dieser Produktionen überhaupt sehen zu können“, sagt sie. Caesar redet mit Verve, die Folien rattern im Hintergrund nur so durch. „Es gibt insgesamt 1.000 Bühnen in Deutschland, 65.000 Theaterprofis und 25 Millionen Theaterzuschauer bundesweit. Bitte versteht mich nicht falsch! Wir möchten keine Live-Erlebnisse ersetzen. Aber wir wollen ein erweitertes Angebot und einen Überblick schaffen; wir wollen das Interesse wecken und den Zugang zu performativen Künsten erleichtern“ – Caesar ist hier noch lange nicht fertig. Ihre Plattform geht gerade erst an den Start.

An anderer Stelle tritt der Maler Roman Lipski auf die Bühne, er hat es geschafft, dass eine KI seine Bilder malt. "Ich sehe Mensch und Technik aber nicht als Gegensatz. Die KI ersetzt nicht mich als Künstler". Ab und an habe er aber sogenannte 'Malblockaden', die viele Künstler hätten. "Die KI hilft dann, diese Blockaden zu überwinden, sie fängt an zu zeichnen, ich lege mache dann weiter". Auch Gad Baruch Hinkis von Jambl macht seit Jahren immer weiter, er hat Jambl gegründet. Jambl ist eine eigens entwickelte App, mit der sich Sounds neu mischen lassen oder sogar Instrumente auf dem Handy hinzugefügt werden können. "Jeder macht mit Jambl seine eigenen Tracks, eigene Musik lässt sich über die App produzieren", sagt Gad – ohne Instrumente. Für seine App ist Gad Baruch Hinkis in Cannes sogar mit dem renommierten Midemlab-Award ausgezeichnet worden. An diesem Abend steht er im Podwil und performt.

Es folgen weitere namhafte Projekte und Unternehmen wie STATE Studio, mojoreads oder die Sonnenrepublik - um nur einige zu nennen. Um 22 Uhr ist dann Schluss. Ein toller Abend. Danke! Das Heft liegt nun gedruckt in den Regalen, es riecht noch frisch. Und es ist nicht das Ende, es ist der Anfang: Denn ihr findet nochmal so viele Beiträge in unserem neuen CCB Magazin online, die ihr direkt vom Heft aus mit der Bowerbird-App lesen könnt. Kennt ihr schon das neue CCB Magazin online? Schaut mal hier. Viel Spaß dabei! 

Euer CCB-Team


Hier gibt es für euch das Heft zum Blättern und Lesen. Viel Spaß! (english Version)


 

 

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