„Nachgefragt“ bei Adela Yawitz und Anna Gien vom ASSEMBLE: "Für uns ist das eine einmalige Chance"

Der Kulturförderpunkt Berlin startet eine neue Reihe und fragt nach: Was machen Künstler*innen und Kulturschaffende, nachdem sie bei uns in der Beratung waren? Was hat ihnen die Beratung gebracht? In Teil 1 unserer Reihe „Nachgefragt“ sprechen wir mit Adela Yawitz und Anna Gien vom Performance Serie ASSEMBLE. 
 

Kulturförderpunkt Berlin: Hallo Anna und Adela, stellt euch doch mal kurz vor.

Anna Gien: Hallo, ich bin Anna, ich habe Kulturwissenschaft studiert und arbeite heute als selbständige Kuratorin und Schriftstellerin. Seit Kurzem arbeite ich mit Adela zusammen im Projekt ASSEMBLE. Mit ASSEMBLE werden wir eine Reihe von Performanceproduktionen vom Sommer 2018 bis zum Herbst 2019 für verschiedene Berliner Kunsträume anbieten.

Adela Yawitz: Ich bin Adela und kam 2012 nach meinem Studium in New York nach Berlin. In Berlin begann ich für Ellen Blumenstein zu arbeiten, die damals noch den Salon Populaire leitete. Ellen Blumenstein wurde dann Chefkuratorin der Kunstwerke. Ich bin ihr gefolgt. Hier lernte ich auch Anna kennen. Heute arbeiten wir über ASSEMBLE eng zusammen. 

Als wir an den Kulturförderpunkt herangetreten sind, hatten wir eine Reihe von Fragen: Welche Förderungen machen für uns Sinn? Welche Co-Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Und was gilt es bei den einzelnen Fonds und Förderinstitutionen zu beachten?

Kulturförderpunkt Berlin: Ihr habt euch im Oktober letzten Jahres beim Kulturförderpunkt Berlin beraten lassen. Damals stand ASSEMBLE noch am Anfang. Mit welchen Fragen kamt ihr zu uns und inwiefern konnte euch die Beratung helfen?

Adela Yawitz: Wir hatten eine Reihe von Fragen. Denn wir hatten uns zu diesem Zeitpunkt noch nie mit einem eigenen Projekt für Fördergelder beworben. Wir wollten wissen, welche Förderungen für uns Sinn machen. Welche Co-Finanzierungsmöglichkeiten gibt es? Und was gilt es bei den einzelnen Fonds und Förderinstitutionen zu beachten? Wir hatten zwar schon im institutionellen Rahmen Anträge auf Förderungen geschrieben und uns auch auf City-Tax-Gelder beworben. Wir wurden aber abgelehnt. Darum bewarben wir uns auf den Hauptstadtkulturfonds (HKF). Das war auch der Anstoß, uns noch einmal mit unserem Konzept auseinanderzusetzen.

Anna Gien: Darum sind wir auch an den Kulturförderpunkt herangetreten. Wir hatten ganz viele Fragen bezüglich des HKF und wollten wissen, ob unser Konzept inhaltlich überhaupt verständlich und kohärent ist. Oder anders: Wie kann man die Projektziele so verständlich machen, dass sie den Förderkriterien entsprechen? Hier hat uns eure Beratung wirklich sehr geholfen. Das gilt auch für die Einschätzung einer realistischen Förderungssumme im Hinblick auf die Verteilung der zur Verfügung stehenden Mittel, was für die Jury ja ein wichtiges Entscheidungskriterium ist, um Projekte überhaupt zu finanzieren. 

Unser Ziel ist es, Performances in Kunsträume zu bringen, die nicht Teil ihres regulären Programms sind. Wir wollen die Berliner Performance-Landschaft erweitern

Kulturförderpunkt Berlin: Ihr habt nun eine positive Antwort auf euren Antrag beim Hauptstadtkulturfonds erhalten. Glückwunsch! Was für ein Projekt werdet ihr jetzt wie umsetzen?

Anna Gien:Wir werden im Rahmen von ASSEMBLE sechs bis acht Performances in ganz unterschiedlichen Kunstinstitutionen zeigen. Dazu wählen wir die Künstlerinnen und Künstler im Vorfeld in Bezug auf aktuelle Interessen, gesellschaftliche Fragestellungen und den Konversationen aus, die wir mit ihnen geführt haben.
 

Design @ Timm Häneke


Adela Yawitz: Die performativen Arbeiten, die die eingeladenen Künstlerinnen in Bezug auf Ort und Publikum entwickeln, untersuchen die Verbindungen zwischen dem Ausstellungsraum als öffentlicher Institution, den Künstlerinnen und Künstlern und dem Publikum. Bei ASSEMBLE geht es um den Körper als politisches Subjekt. Im August geht es los mit einer Performance der Künstlerin Amy Ball im Haus am Lützowplatz. Wir freuen uns schon darauf! 

Kulturförderpunkt Berlin: Was ist euch wichtig bei der Umsetzung? Was sind eure konkreten Ideen, Visionen und Projektziele, die ihr beachtet?

Adela Yawitz: Unser Ziel ist es, Performances in Kunsträume zu bringen, die nicht Teil ihres regulären Programms sind. Wir wollen die Berliner Performance-Landschaft erweitern. Über unsere Arbeit soll eine Plattform entstehen, die neue performative Arbeiten hervorbringt und zugleich kuratorische sowie strukturelle Grundlagen schafft, um bereits existierende Arbeiten nach Berlin zu bringen: als wandernde Serie können wir so zum Beispiel eine Performance für eine Institution produzieren, die sich einmalig in deren Programm einfügt. 

Anna Gien:Für diese Spielzeit wollen wir zunächst ein breites Spektrum an Berliner Kunsträumen bespielen. Unsere Performances befinden sich darum an ganz unterschiedlichen Orten der Stadt. Eine unserer Ausgangsfragen war, wie Öffentlichkeit entsteht und welche Rolle Kunsträume hier spielen können. Oft werden Räume nur von großen und “öffentlichen” Institutionen repräsentiert, weil in diese Institutionen die meisten Gelder fließen. Uns interessiert aber der Kunstraum als Ort der Versammlung und der Körper, der darin als politisches und soziales Subjekt wirksam wird. 

Beim Schreiben eines Antrags gilt: Versuche nicht, das Rad neu zu erfinden! Denn man schreibt einen Antrag immer auch für die, die ihn lesen und bewerten müssen. Ziele sollten so konkret wie möglich formuliert werden

Kulturförderpunkt Berlin: Berlin hat eine breite Kulturförderlandschaft mit über 6.000 Bildenden Künstler*innen. Jährlich gibt der Kultursenat über 400 Millionen Euro zur Kulturförderung aus. Wenn ihr anderen einen Tipp geben würdet: Auf was kommt es bei der Umsetzung von Projekten an? Und welche Fehler gilt es zu vermeiden?

Adela Yawitz: Beim Schreiben eines Antrags gilt: Versuche nicht, das Rad neu zu erfinden! Man schreibt einen Antrag immer auch für die, die ihn lesen und bewerten müssen. Die Ziele sollten darum so konkret wie möglich formuliert werden. Wichtig ist, dass das Konzept schlüssig ist. Und man muss einer Jury vermitteln, dass man die Realitäten des Kulturbetriebs kennt. Das gilt umso mehr für freiberufliche Kulturschaffende wie wir es sind, die nicht im geschützten Raum einer Institution arbeiten. Denkt immer daran, dass die Jury euch öffentliche Gelder anvertrauen muss. 

Anna Gien:Versucht zudem realistisch zu bleiben und die finanziellen und organisatorischen Ressourcen eures Projekts nicht überzustrapazieren. Wir zum Beispiel arbeiten schon jetzt an der Umsetzung unseres Projekts, seit wir den Bescheid über die Projektförderung erhalten haben. Zwischen Antragsbescheid und Realisierung empfehle ich euch, eng mit den Menschen in Kontakt zu bleiben, die hinter dem Funding stehen, in unserem Falle wäre das der HKF. Und habt keine Angst, wichtige Fragen zu stellen!

Kulturförderpunkt Berlin: Was bedeutet es für eure weitere Laufbahn, ASSEMBLE als Projekt umsetzen zu können?

Adela Yawitz: Für uns als junge Kuratorinnen ist die Umsetzung eine einmalige Chance, neue künstlerische Arbeiten abseits eines institutionellen Rahmens in Auftrag geben zu können. Und für mich persönlich eröffnet ASSEMBLE die Möglichkeit, ins Gespräch mit Künstlern und Künstlerinnen zu kommen, deren Arbeiten ich seit Jahren verfolge. 

Anna Gien:Ich schätze es sehr, dass ich dieses Projekt gemeinsam mit Adela umsetzen kann. Das ist unser erstes unabhängiges Projekt, es steht für mich für Freiheit und Selbstbestimmtheit, was ich im institutionellen Kontext immer vermisst habe. Das war unter anderem auch ein Grund, warum ich mich gegen die klassische institutionelle Laufbahn und für ein eigenes, unabhängiges Projekt entschieden habe. 

Kulturförderpunkt Berlin: Was steht in Zukunft noch an? Wo wollt ihr hin?

Anna Gien:Einen konkreten Plan habe ich nicht. Neben der Arbeit an ASSEMBLE beende ich gerade mein Masterstudium und schreibe an einem Roman, die Weichen sind also gestellt. Ich bin gespannt auf alles, was noch kommt. 

Adela Yawitz: Für mich ist ASSEMBLE eine Möglichkeit, die Berliner Kulturlandschaft auszutesten, um herauszufinden, welche Potentiale es im institutionellen Kunstraum für Performance gibt. Nach Abschluss des Projekts würde ich gerne in einer Institution arbeiten und in diesem Kontext wieder ein Performance- und Eventprogramm gestalten. 

Stichworte: Nachgefragt
RSS
0Zu Favoriten hinzufügen
schließen
schließen