Kulturförderpunkt Berlin

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  Erscheint in Direktberatungen

Nachgefragt bei Gabriel Vallecillo Márquez: "Jedes Wort zählt"

Nachgefragt bei Gabriel Vallecillo Márquez: "Jedes Wort zählt"
Foto: Stephen Wilkins

Wer als Artist at Risk nach Deutschland kommt, hat es zuerst einmal nicht leicht: er spricht die Sprache nicht, er kennt die Förderlandschaft nicht, braucht Orientierung. Gabriel Vallecillo Márquez kam über ein Stipendium von Weltoffenes Berlin von Honduras nach Berlin und ist ein gutes Beispiel dafür, dass man sich als ausländischer Künstler in der Hauptstadt mit Geduld und Anstrengung schnell etablieren kann. Ende 2020 war er bei uns in der Beratung. Wir wollen von ihm wissen: Was hat die Beratung gebracht? Wie finanziert er sich?

 

Kulturförderpunkt Berlin: Hallo Gabriel. Bitte stell dich mal vor: Wer bist du und was machst du?
 

Gabriel Vallecillo Márquez: Ok. Ich heiße Gabriel Vallecillo Márquez und bin ein Künstler aus Honduras. Im März 2019 kam ich durch ein Stipendium von Weltoffenes Berlin als Resident Artist an das Zentrum für Kunst und Urbanistik (ZK/U), da ich mit meiner Arbeit aufgrund ihrer politisch-ökologischen Implikationen in Gefahr geriet. Ich mache Videoinstallationen, Dokumentarfilme, Projektionsmapping und beginne derzeit ein kuratorisches Forschungsprojekt. Außerdem habe ich einige Gedichtbände geschrieben und veröffentlicht.


Kulturförderpunkt Berlin: Wie bist du auf die Strukturen der Kulturförderung in Berlin aufmerksam geworden?
 

Gabriel Vallecillo Márquez: Eine der Personen, die mich hierher gebracht haben, ist Paz Ponce, eine Kuratorin, die sich u.a. auf lateinamerikanische Kunst konzentriert und wie ich Teil des Künstlerkollektivs Neue Häute ist. Sie kämpfte für mich und half mir mit meinem Stipendium und dem ganzen Papierkram für meine Residenz im ZK/U und war eifrig dabei, mich mit anderen Künstlern zu verbinden. Sie war auch diejenige, die mich mit Andrzej vom Kulturförderpunkt und Creative City Berlin bekannt machte.


Kulturförderpunkt Berlin: Du hast Ende 2020 mit Andrzej in einem Beratungsgespräch gesprochen. Was war der Grund für dein Kommen? Und wie konnte er dir helfen?


Gabriel Vallecillo Márquez: Im Grunde ging es darum, wie ich in Berlin als Künstler überleben kann, nachdem meine Residency am ZK/U und die Förderung beendet waren. Ich wollte natürlich nicht zurück in mein Land, weil es für mich zu gefährlich war und die Situation nicht gut ist, also brauchte ich eine Perspektive auf neue Möglichkeiten und die Logik des Fördersystems in Deutschland. In dieser Hinsicht half mir Andrzej, meine Optionen in zwei verschiedenen Bereichen zu sortieren. Erstens, die allgemeine Finanzierung für das Überleben, z.B. bei welchen Projekten kann ich mich bewerben, welche Zuschüsse gibt es usw. Der zweite Teil war, mich mit Leuten mit ähnlichen Projekten und künstlerischen Ansätzen zu verbinden. Er half mir, meine Interessen, meine künstlerische Arbeit und mein Portfolio herauszukristallisieren; von dort aus konnte er mir detaillierte Informationen über die richtigen Kontakte und Bewerbungsmöglichkeiten geben, auch über den Zeitrahmen für die jeweiligen Bewerbungen. Wir hatten etwa drei Beratungsgespräche, glaube ich, aber er hat mich auch weiterhin per E-Mail beraten. Und ich kann dir sagen: Ich habe mich für alles beworben! Schließlich hatte ich Glück, für mein aktuelles Projekt, Gargantúa, ein Forschungsprojekt für ein Magazin über Projektionen, bekam ich eine Förderung durch NEUSTART für Bildende Künstlerinnen und Künstler (Modul D: Digitale Vermittlungsformate).

Man braucht viel Geduld mit den Bewerbungen für die Fördertöpfe, jedes Wort zählt. Du musst wirklich Zeit investieren. Es ist Arbeit. Also, nimm es nicht auf die leichte Schulter und sei so präzise wie nur möglich

Foto: Daniel Serrano


Kulturförderpunkt Berlin: Auf einer Skala von 1 bis "Woohoo": Wie erfolgreich würdest du den gesamten Bewerbungsprozess beschreiben?


Gabriel Vallecillo Márquez: Es war schwer am Anfang, mein Deutsch ist sehr begrenzt, also musste ich erstmal meinen Weg durch den Dschungel der Bewerbungen finden. Für die meisten Bewerbungen muss man Deutsch sprechen oder schreiben können. In dieser Hinsicht war es also nicht einfach. Aber klar, am Ende hatte ich wirklich Glück, so gesehen war es ein großer Erfolg.


Kulturförderpunkt Berlin: Hast du einen Rat für Menschen, die kein Deutsch sprechen und sich für eine Förderung bewerben möchten? 


Gabriel Vallecillo Márquez: Nun, ich würde sagen, man braucht viel Geduld mit diesen Bewerbungen, jedes Wort zählt. Du musst wirklich Zeit investieren. Es ist Arbeit. Also, nimm es nicht auf die leichte Schulter und sei so präzise wie nur möglich.

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