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This blog informs about current developments of Creative City Berlin.

Back in Berlin, back in Büro

Wir waren in der großen weiten Welt unterwegs und sind wieder zurück! Uns verschlug es nach Warschau, Madrid und Zürich im Rahmen von "Pop into Berlin". In drei Städten luden wir Gäste dieser Welt ein und diskutierten mit Kreativschaffenden vor Ort über Standortbedingungen und Umsetzungsstrategien im Städtevergleich. Ein Nachbericht. 
 



Vor Ort war Jens Thomas 
 


Kurz zusammengefasst: 7.500 Kilometer zurückgelegt (1.125 Kilometer nach Warschau, 4.630 Kilometer nach Madrid, 1,700 Kilometer nach Zürich, das alles hin und zurück). Mal im Zug gesessen (Fahrt nach Warschau), mal geflogen (Madrid und Zürich). Viel erlebt, tolle Menschen kennengelernt und mit zahlreichen Panelisten aus aller Welt über Standortbedingungen und Zukunftsvisionen künstlerischer und kreativer Arbeit diskutiert. Toll war’s gewesen! Wir waren mit der Redaktion in der großen weiten Welt unterwegs - im Rahmen von „Pop into Berlin“, einer neuen Formatreihe von Kulturprojekte Berlin auf Initiative von visit Berlin. Das Ziel: Berlin zeigen, wie es ist. Von seiner kulturellen Seite. Von seiner innovativen Seite. Mit Ideen. Mit Visionen. Das Motto: „Berlin 365/24“. Wir präsentierten an drei unterschiedlichen Orten Ausstellungen, Performances und zeigten Berliner Exponate (insgesamt waren wir in jeder Stadt vier Tage vor Ort, jeder Tag hatte einen anderen Schwerpunkt). Der erste Tripp verschlug uns ins benachbarte Warschau (vom 25. bis 29. Oktober), dann gings landüber nach Madrid (vom 15. bis 19. November), zum Schluss nach Zürich (vom 13. bis 17. Dezember). Gemeinsam mit Partnern wie raumlaborberlin, Berlinische Galerie oder das Musicboard Berlin brachten wir den Sound und die Kultur Berlins in die anderen Städte. 

Warschau

In Warschau angekommen, ging es gleich zur Sache: Ankommen, aufbauen, Tür aufschließen – die Gäste kommen rein. Der Ort: ein ehemaliger Strip-Club. Ein echter Hingucker. Fast 1000 Leute kamen an vier Tagen. Den dritten Tag organisierten wir selbst in Kooperation mit Newniq: Newniq hatte dazu die Berliner als Parcours nachgebaut – Friedrichshain, Kreuzberg, Weißensee, Prenzlauer Berg. Vor Ort waren Johannes Mundinger (Friedrichshain), Sygns (Kreuzberg), FAHRER Berlin (Weißensee), Newniq (Prenzlauer Berg). Newniq führte Besucher durch die Stadtteile, Mundinger (Urban Art Maler aus Berlin) malte, FAHRER Berlin (ein Nachhaltigkeitsdesign-Label) produzierte vor Ort. Alles in allem: geil. Zum Schluss gab es das berüchtigte Panel: Sechs Panelisten hatten wir in Warschau zusammengetrieben, wir saßen im Kreisel verteilt um eine Gogo Tanzstange verteilt, kreativer ging‘s nicht, ein echtes Special. Dann wurde diskutiert: Wie arbeiten Künstler und Kreativschaffende in Berlin? Wie ist die Situation in Warschau? Welche Standortbedingungen gibt es im Städtevergleich? Klar wurde: Berlin ist nicht Warschau und Warschau nicht Berlin. Während Berlin eine immens hohe Galerien- und Museendichte hat, gibt es in Warschau bislang nur ein paar Dutzende. "In Warsaw we have only several dozens of galleries and art spaces – and we still don’t have a strong independent artistic scene" ("In Warschau haben wir nur einige Dutzende Galerien und Kunsträume - und wir haben noch keine starke, unabhängige künstlerische Szene wie in Berlin"), sagt Joanna Turek, eine Panelsitin an diesem Abend und Kuratorin des Residenzprogramms "Warschau Berlin" (WRSW | BRLN) sowie Vorsitzende der Stiftung Public Space Research an der TU Warschau.

Stripup into Warschu: Mitten in Warschau, mitten in einem ehemaligen Strip-Club. Hier diskutierten wir mit Berliner und Warschauer Kreativschaffenden (Meinung der Redaktion: kreativer wirds nicht). 

Madrid

Weiter ging‘s nach Madrid. Zugegeben, Madrid ist eine tolle Stadt: pulsierend, international, mediterran. 3,15 Millionen Einwohner. Ähnlich wie Berlin, und doch ganz anders. Verschachtelter, enger, traditioneller. In Madrid kamen wir im Stadtteil Malasaña in einem Coworking-Space unter. Eigentlich ein leerer Raum. Unser Partner raumlaborberlin verwandelte diesen in unfassbar kurzer Zeit in ein Labyrinth aus recycelten Materialien, mit Nischen zum Verkriechen und Ecken zum Präsentieren und Diskutieren. Diesmal kamen binnen vier Tagen 1.800 Leute! Vor der Tür pulsierte und wackelte die hauseigene Teledisko. Um 19:00 begann dann das Panel: Sieben Leute waren am Start, mit dabei Judith Trifonoff (Design-Plattform Newniq, Berlin), Johannes Mundinger (Künstler, Berlin), Michael Turner (Design-Label FAHRER, Berlin), Carla Berrocal (Illustratorin, Madrid), Alberto Rodriguez (Grafikdesigner, Madrid) und Goyo Villasevil (Designer, Madrid). Schnell wurde klar, wie deutlich die Krise sich in Madrid bemerkbar macht. Viele Künstler verlassen mittlerweile die Stadt, weil es kaum noch Arbeit gibt. Auch eine Kultur- oder Galerienförderung gibt es in Madrid kaum. Kunst und Kultur ist mehr oder minder dem freien Markt ausgesetzt – mit verheerenden Konsequenzen: Viele Kulturschaffende, vor allem freie Künstler, können sich auf dem Markt nur schwer behaupten.

Welcome to Madrid, welcome to Prenzlauer Berg: Vor Ort in Madrid im Stadtteil Malasaña in einem Coworking-Space
 

Zürich

Last but not least: Zürich, knapp 400.000 Einwohner zählt die größte Stadt der Schweiz. Was in Berlin Stadtteile sind, sind hier Kreise, zwölf an der Zahl, inklusive 22 sogenannter Stadtquartiere. Wir waren mittendrin: im Kreis 1. Und präsentierten in einem ehemaligen Modegeschäft in der Altstadt Berliner Architektur, Kunst, Musik und neueste Designformate. Schon am Eröffnungsabend am 13. Dezember 2016 gab es reichlich Performance, eine Harfenistin aus Zürich war am Werk und offenbarte gemeinsam mit Freestyle-HipHoppern und Freedarich von Mittekill ausgefallene Klangkunst. Am nächsten Tag stand Berlin als Kunst- und Kreativmetropole im Fokus: Zunächst führte Newniq wieder durch ausgewählte Berliner Stadtteile und zeigte neue Berliner Designprodukte. Anschließend debattierten wir mit Kulturschaffenden aus Berlin und Zürich über Standortbedingungen und Umsetzungsstrategien im Städtevergleich. Auf dem Podium saßen diesmal David Torcasso (Journalist, Berlin/Zürich), Manuela Murschetz (Corporate Design, Studio Murschetz, Zürich), Stefan Müller (Raumtakt, Architektur, Zürich), Philipp Krause (Produkt-Design Label FAHRER, Berlin), Julia Depis (Design-Plattform Newniq, Berlin), Johannes Mundinger (Urban Art Maler, Berlin). Das Ergebnis: Mut zur Lücke! Wir brauchen neue Nachhaltigkeitsformate, einen städteübergreifenden Austausch über Produktionsbedingungen und Produkte, die gut für die Gesellschaft sind. Hier können Kultur und Kreativwirtschaft eine Vorreiterrolle übernehmen. Und wenn wir in der Schweiz über Kunst und Kultur reden, dann sprechen wir übers Geld. Über großes Geld. Zürich ist teuer. Der Kultursektor ist mehr oder minder mit der klassischen Wirtschaft verzahnt – zumindest wesentlich stärker als in Warschau, Madrid oder in Berlin. Und in Zürich denkt man über Berlin: Berlin, das ist doch diese Stadt voller Ideenreichtum und den vielen Leerräumen. Zum Schluss einigte man sich: "Ok, lasst uns so etwas wie Creative City Berlin auch in  Zürich aufbauen. Das wäre doch toll". Warum nicht, sagen wir. Wir sind gespannt. Und bleiben alle in Kontakt.

Stay tuned, Eure Redaktion.

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