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Marcus Fitzgerald: „Nutzt die Zeit, um euch zu professionalisieren!“

Marcus Fitzgerald: „Nutzt die Zeit, um euch zu professionalisieren!“
Photo: © Alexander Rentsch

Marcus Fitzgerald betreibt Gigmit, eine der bekanntesten Vermittlungsplattformen für Musikgigs und ähnliche Events. Mitten in der Corona-Krise hat er ein Tool entwickelt, das Künstler und Bands passgenau zusammenbringen will, um sich für die Post-Corona-Zeit besser aufzustellen. Wie funktioniert es?  
 

INTERVIEW   Jens Thomas 

 

CCB Magazin: Hallo Marcus. Gigmit ist eine der bekanntesten Vermittlungsplattformen für Musikgigs und ähnliche Events. Ihr bringt Musiker und Veranstalter zusammen. Beide Gruppen leiden gerade sehr unter der Corona-Krise. Hast du einen Vorschlag, was man jetzt machen kann? 

Marcus Fitzgerald:Ja, den habe ich. Nutzt die Zeit, um euch zu professionalisieren! Denn es wird eine Zeit nach Corona geben. Hier kommen wir ins Spiel: Als Vermittlungsplattform und Schnittstelle zwischen Künstler und Veranstalter sitzen wir im gleichen Krisenboot. Wir können an der Corona-Krise nichts ändern, aber: Wir haben ein Tool entwickelt, mit dem Clubs und Veranstalter die Möglichkeit haben, Künstler und Bands passgenau zu ihrem lokalen Publikum zu buchen und sich damit wirtschaftlich stärker aufzustellen. Im Wesentlichen geht es dabei um eine effizientere Datennutzung für bevorstehende Events. 

CCB Magazin:Kannst du uns erklären, wie genau dieses Tool funktioniert? Ist das eine App?

Marcus Fitzgerald:Nein, es ist keine App, sondern bei uns auf der Homepage integriert. Mit dem Tool sehe ich als Veranstalter eines Berliner Clubs passgenau, wer gerade performt und ob er oder sie zu meinem Club oder Programm passt. Diese Daten werden uns von Spotify, YouTube und Facebook bereitgestellt. Sie werden in den Künstlerprofilen bei Gigmit für die jeweiligen Künstler einsehbar. Das Tool wertet im Anschluss nach bestimmten Parametern aus, wer für mich passen könnte. Es ist so einfach wie effizient: Es bringt Musiker mit dem passenden Club zusammen. Denn Clubs müssen sich jetzt schon Gedanken darüber machen, wie sie ihr Programm künftig planen, wenn sie wieder öffnen. 

 

CCB Magazin:Aber das löst doch das aktuelle Problem der Existenzbedrohung von Clubs und Musikern nicht, die gerade nicht spielen können. Die Verbände der Musikindustrie rechnen mit einem Umsatz-Minus von rund 5,5 Milliarden Euro für die gesamte Branche. Am meisten sind Konzert- und Tourneeveranstalter mit knapp 3,7 Milliarden Euro betroffen, gefolgt von großen und kleineren Festivals mit bis zu 451 Millionen bzw. 233 Millionen Euro. 

Marcus Fitzgerald:Das ist richtig. Das ist aber eine ganz andere Baustelle, von der auch wir betroffen sind. Jetzt heißt es: Nutzt diese Zeit! Wir müssen als Vermittlungsplattform ja davon ausgehen, dass Clubs die Krise überstehen werden und wieder aufmachen, dass sie weiter planen und nach vorne schauen. Das Tragische: 80 Prozent des Einkommens eines Musikers hängt heute vom Live-Geschäft ab. Studien vor der Krise haben auch gezeigt, dass viele Clubs bei Konzerten oft nicht ausgelastet sind. Sie ziehen nur 40 Prozent ihres potentiellen Publikums an. Das Tool soll hier Abhilfe schaffen. Denn jeder Club braucht seinen passenden Künstler-Act, damit ist man auch in Krisenzeiten besser gewappnet.  

Jetzt heißt es: Nutzt diese Zeit! Denn nach der Corona-Krise wird es im Musikveranstaltungbereich um eines gehen: um das genaue Matching. Daran können wir gerade jetzt arbeiten. Wir müssen uns auf darauf vorbereiten, was nach Corona kommt

CCB Magazin:Aktuell entdecken viele eine neue Welt des Online-Konsums: Gigs werden gestreamt, und das nicht nur unentgeltlich. Plattformen wie Caffeine, Crowdcast, Moment House, StageIt oder Streamlabs bieten ganz neue Möglichkeiten der Monetarisierung für Musiker. Wie verändert das in Zukunft die Musikindustrie? Ist es denkbar, dass Clubs und Musiker künftig mehr Streaming-Angebote anbieten als zuvor und Live-Konzerte in die Defensive geraten? 

Marcus Fitzgerald:Nein, das glaube ich nicht. Ich denke vielmehr, dass wir aus der Krise etwas gewinnen können: Es gibt ja jetzt schon gestreamte Konzerte, die mehr Publikum anziehen als bei der Live-Variante. Nimm Ed Sheeran als Beispiel, der live auf der Bühne nur 100.000 Menschen erreicht und jetzt durch Streams zusätzlich zwei Millionen vor die Bildschirme lockt. Die Streaming-Angebote sind auch nicht ganz neu, aber sie haben durch die Krise einen ordentlichen Schub bekommen. Wenn es wieder Live-Events gibt, gehen sie sicher wieder zurück, das ist klar, aber etwas wird hängenbleiben. Und schon jetzt können Künstler via Stream neue Formen der Fanbeziehung etablieren. Denn darum wird es nach der Krise gehen: um das genaue Matching. Daran können wir gerade jetzt arbeiten, wo wir die Zeit dafür haben. 


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