Susan Weiß

Susan Weiß

Bildhauerin

Skulpturen - eine alte Kunstform im immer wieder neuen Gewand

Skulpturen - eine alte Kunstform im immer wieder neuen Gewand

Seit Menschen Werkzeug zu gebrauchen lernten, nutzten sie es auch zum Erschaffen von Kunstwerken. Neben Gemälden und Zeichnungen standen Skulpturen ganz oben im Ranking beliebter Schöpfungen.

Streifzug durch die Skulpturen-Geschichte
Zu den bekanntesten gehört die "Venus von Hohlefels" - eine prähistorische Hommage an das wiederkehrende Wunder des Lebens. Sie steht stellvertretend für die furchtsame Verehrung der allgegenwärtigen Naturkräfte.

Diese spielten auch in nachfolgenden Hochkulturen eine große Rolle. Unter der Herrschaft Ägyptens wurde es zunehmend üblich, nicht Fassbares in Figürliches umzuwandeln. In den Skulpturen dieser Zeit flossen Realität und Fiktion zusammen - wie unterschiedlich große Kombinationen aus Mensch und Tier belegen.

Größe war auch in der Antike von entscheidender Bedeutung. Viele Machthaber Griechenlands und Roms ließen sich überdimensioniert abbilden, um ihren Einfluss und ihre Überlegenheit zu demonstrieren. Davon zeugen sowohl politisch-psychologische Begriffe wie "Cäsarismus" als auch die Skulpturen der jeweiligen Herrscher. 

Eine ähnliche Bedeutung hatten Götter- und Heiligenfiguren. Über viele Jahrhunderte und Kunststile hinweg entstanden zahlreiche mythologische Darstellungen, Marien-Skulpturen und Kreuzigungs-Szenen. Die berühmtesten davon sind der versunkene "Koloss von Rhodos", Michelangelos "David" und die idealisierten Putten des Barock-Zeitalters.

Überhaupt ging es zunehmend mehr um Interpretation als um Wirklichkeit. Die Künstler ließen immer öfter eigene Sichtweisen in ihre Skulpturen einfließen. Je mehr Wissen die Menschen sich aneigneten und je mehr Hilfsmittel sie sich zunutze machen konnten, desto freier gestalteten sie ihre Skulpturen.

Flickr: Kyi ChoFlickr: Kyi Cho


Vielfältige Materialien, Bearbeitungstechniken und Ausdrucksformen
Im Zuge dieser Entwicklung kamen die unterschiedlichsten Materialien zum Einsatz. Leicht zu bearbeitenden Rohstoffen wie Holz, Knochen oder Lehm folgten verschiedene Gesteinsarten und Metalle. Sie erforderten jeweils eigenes Werkzeug und individuelle Techniken - die sich ihrerseits ebenfalls weiterentwickelten.

So arbeiten viele Holz- oder Steinbildhauer heute mit elektrisch betriebenen Maschinen (vor). Einige haben den Einsatz derselben sogar zum eignen Kunststil erhoben und bieten so genannte Motorsägen-Skulpturen an.

Andere verschmelzen Gattungen, indem sie durch pastosen Farbauftrag plastische Malereien schaffen oder Objekte in die noch feuchten Gemälde drücken. Auch das Duplizieren und Übereinanderschichten einzelner Bildelemente gehört dazu - eine Technik, mit der der Pop-Artist James Rizzi weltberühmt geworden ist.

Des Weiteren gibt es Künstler, die Fundstücke als Skulpturen präsentieren und damit zu wertvollen Objekten erheben. Sie vertreten die Meinung, dass bereits die Wahl eines Gegenstandes künstlerisch ist und entsprechend eingestuft werden sollte. Damit agieren sie ganz im Sinne von Marcel Duchamp, der Pionierarbeit auf diesem Gebiet leistete.

Er schuf auch die ersten kinetischen Skulpturen, bei denen Mobilität Bestandteil des Objektes ist - ganz gleich, ob sich das Kunstwerk selbst bewegt oder seine Betrachter/-innen. In der Kinetischen Kunst werden Hilfe von Bewegungen die Aufmerksamketi auf das Objekt geyogen. Oft drehen sich Skulpturen im Wind oder auf kleinen Motore. Dafür kommen u.a. Gleitlagerbuchsen zum Einsatz mit denen sich die verschidenenen Objekte und Teile des Kunstwerks drehen und bewegen können. Das größte öffentliche Bewusstsein wecken solche Schöpfungen in Form von Maschinentheater, wie es die Künstler-Vereinigung Titanick präsentiert.

Flickr: Dmitry Dzhus


Bestes Beispiel in bester Lage: die Kafka-Büste in Prag
Eine buchstäblich feststehende kinetische Skulptur entwarf der tschechische Künstler David Cerný. Seine Kafka-Darstellung vereint die Merkmale verschiedener Epochen in einem Werk: Die zentral platzierte Büste des weltberühmten Schriftstellers ist ebenso furchteinflößend wie Ehrfurcht gebietend, mit 11 Metern Höhe bewusst überdimensioniert und durch 42 Ebenen mehrfach beweglich.

Ein Blickfang für alle Vorübergehenden und eine kinetische Skulptur, die auch ohne tiefgreifendes Kunstverständnis wirkt.
 

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