Ich war diesmal im Agora Collective!

Ich war diesmal im Agora Collective!
Photo: Agora Berlin

In regelmäßigen Abständen biete ich Sprechtage an. Diesmal war ich mit meinem Team von Kreativ Kultur Berlin im Agora Collective in Berlin Neukölln. Jens Thomas von Creative City Berlin hat mich begleitet und einen Nachbericht verfasst. Lest hier! 
 


"Du musst Dich fragen, ob es für Deine Idee einen Markt gibt"

Melanie Seifart berät Selbständige in der Berliner Kreativwirtschaft vom Gründungsvorhaben bis zum bestehenden Unternehmen. Und sie besucht regelmäßig wichtige Orte in Berlin, um dort Sprechtage für Kreativschaffende abzuhalten. In einer neuen Reihe „Unterwegs mit Melanie“ begleiten wir sie und stellen die wichtigsten Orte vor. In Teil 1 waren wir im Agora Collective in Neukölln – mit dem Team von Kreativ Kultur Berlin.

TEXT   JENS THOMAS
 

Wer zum Ziel kommen will, muss mal nach ganz oben. So war das am Donnerstag, den 26.5. An diesem Tag ist Melanie Seifart im Agora Collective, ein Coworking Space im Herzen Neuköllns. Der Raum: ganz oben. Vor Ort: interessierte junge Künstler und freischaffende Kreative und das Team von Kreativ Kultur Berlin – der Kulturförderpunkt Berlin, Melanies Kreativwirtschatfsberatung Berlin und die Netzwerke Creative City Berlin und Crowdfundig Berlin. Es geht um Know-how zu Förderprogrammen, um konkrete Tipps zur Antragsstellung und über eine Netzwerkübersicht in der großen Unübersichtlichkeit Berlins.

Es ist kurz nach 11.00 Uhr. Die ersten Gäste kommen rein, es ist ruhig, die Teilnehmer reden leise auf Englisch und lernen sich kennen. Melanie Seifart wirft den Beamer an und legt los: An der Wand ist die neue Übersichtsseite von Kreativ Kultur Berlin zu sehen, dann stellt sie sich und Kreativ Kultur Berlin vor. Die Gäste kommen aus den unterschiedlichsten Ländern und Kulturbereichen. Sie haben die unterschiedlichsten Fragen - sie sind Modedesigner, Tänzer und Theatermacher, sie arbeiten im Bereich Literatur oder Design. Sie sind Netzwerker, ein bisschen Alleskönner und sie kommen aus Ungarn, Frankreich oder Brasilien. Und sie haben große Ziele, aber wenig Überblick über die aktuelle Berliner Fördersituation.  

In Paris sitzen die etablierten Modeunternehmen, in Berlin die vielen kleinen mit großen Ideen

Schnell wird es konkret: Welche Fördermöglichkeiten gibt es beispielsweise für Modeschaffende in Berlin? Das will Sandra Delpierre wissen. Sie kommt aus Paris, seit über einem Jahr ist sie hier. Ihr Ziel ist es, Berliner Modeschaffende und Mode-Unternehmen aus Paris zusammenzuführen. „In Paris sitzen die etablierten Modeunternehmen, in Berlin die vielen kleinen mit großen Ideen“, sagt sie. Schnell wird klar, dass Berlin zwar gute Netzwerkstrukturen bietet, es aber schwer ist, ein funktionierendes Business im Modebereich aufzubauen. Melanie spricht über Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten, sie unterstützt und trägt Wissen zusammen. „Es ist unheimlich schwer, im Modebereich Fuß zu fassen“, macht auch Sandra Delpierre klar. „Darum musst du wissen, wie dein Modell funktionieren soll. Und du musst dich fragen, ob es dafür langfristig einen Markt gibt“.
 


Sandra Delpierre, zu Besuch bei den Sprachtagen von Melanie Seifart im Agora Collective. Foto: Jens Thomas 
 

Dieser Markt ist, wie in anderen Kreativbranchen auch, hart umkämpft. In Berlin arbeiten rund 3.700 umsatzsteuerpflichtige Unternehmen in der Modewirtschaft mit rund 11.550 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Werden die freien Mitarbeiter, Selbständigen und geringfügig Beschäftigten hinzugezählt, liegt die Anzahl der Erwerbstätigen sogar bei 15.300. Sandra Delpierres entmutigt das trotzdem nicht. Sie wirkt wach und interessiert, ihre Augen sind weit geöffnet, wenn sie spricht. Melanie Seifart gibt ihr erste Tipps: „Gerade Wettbewerbe und Messeförderungen können im Bereich Modedesign für junge Unternehmen zu Beginn hilfreich sein. Diese Programme werden im Bereich der Wirtschaftsförderung angeboten. Viel wichtiger ist es aber, ein Businessmodel zu haben, das langfristig auch ohne Förderung funktioniert“.

Wichtig ist es, ein Businessmodel zu haben, das langfristig auch ohne Förderung funktioniert

Weiter geht’s. Anita Bánhegyi ist dran. Sie ist studierte Tänzerin aus Ungarn und erst seit wenigen Tagen in Berlin. "Ich will in Berlin Fuß fassen und Kontakte knüpfen“, betont sie. Derzeit arbeite sie "mal hier mal da". Ihr gehe es heute darum, sich einen Überblick über Strukturen und Fördermöglichkeiten in Berlin zu verschaffen, was in Berlin geht und was nicht.

Im Gespräch mit Melanie Seifart, Denis Altschul vom Agora Collective. Foto: Jens Thomas 
 

Im Anschluss geht so einiges. Nach einer Stunde gehen alle ins Café Agora Collective in den ersten Stock. Hier riecht es nach frischem Essen, an der Bar gibt es Bio-Cake und Bio-Brause. Ein Mann setzt sich an die Bar und stimmt seine Bio-Gitarre. Laura Seifert und Nathalie Küchen, beide vom Kulturförderpunkt Berlin, beraten zur Antragsstellung im Kulturbereich, Melanie Seifart analog zu Businessplänen und eventuellen Gründungsvorhaben für Kreativunternehmer. Alle netzwerken, sie tauschen Ideen, Visionen und Visitenkarten aus. Das Agora Collective existiert seit 2011 und versteht sich sowohl als Coworking-Space als auch als Projektraum für kollektives Forschen, Nachhaltigkeit, Kunst und Weiterbildung. Melanie Seifart sagt zum Schluss: „Es ist toll, hier zu sein. Das Agora Collective ist mittlerweile ein Melting Pot für internationale Kreativschaffende in Berlin, eine wunderbare neue Anlaufstelle“. Ihr sei heute klar geworden, dass die Leute in erster Linie Orientierung brauchen: „Die meisten sind zwar gut vernetzt, sie haben aber wenig Wissen über die Förderlandschaft“. Gut, dass Melanie mal da war. Und: sie wird wiederkommen.


Alle Termine von Melanie Seifart findet ihr hier:  www.creative-city-berlin.de

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