Verbrannt und zugenäht

Verbrannt und zugenäht
Photo: © SNAZZ

Wir starten eine neue Reihe: Wir stellen die Unternehmen unseres diesjährigen Programms „Invest in Creativity - Investors Lab“ vor. In Teil 1 sprechen wir mit SNAZZ über Modeüberproduktion und neue Lösungen. Denn ein Drittel aller produzierten Kleidungsstücke wird nicht gekauft, sondern entsorgt – jährlich verursacht das Kosten von ca. 35 Mrd. Euro weltweit. SNAZZ will das ändern: Das Team aus Berlin entwickelt aktuell eine App, die Überproduktion und falschen Konsum eindämmen will. Wir fragen: Wie soll das gehen? Wie sieht euer Geschäftsmodell aus? Und warum sollten Investoren in euch investieren?

 

Kreativwirtschaftsberatung: Hallo Hannes, Toni und Matthes, stellt euch erst mal vor: Wer seid ihr, was macht ihr, warum sollte man euch kennen?

SNAZZ:Hi, wir sind das Gründerteam von SNAZZ! SNAZZ ist eine neue grüne und faire KI-basierte Modeberatung zur Reduktion von Verschwendung in der Modeindustrie. 

Kreativwirtschaftsberatung:Was ist denn eine grüne und faire KI-basierte Modeberatung? Was macht die KI, was machen die Menschen? Wie funktioniert das Ganze? 

SNAZZ:Die Menschen teilen ihre Outfits mit der Community, sie geben über die App Feedback oder kaufen/verkaufen Kleidung. Die KI wertet im Anschluss die Daten aus. Dazu analysiert die App gezielt den Geschmack der User, lernt Bedürfnisse verstehen und kann vorhersagen, was eigentlich gebraucht wird. Denn ein Problem ist bislang, dass ein Drittel der weltweit produzierten Kleidung überhaupt nicht verkauft wird. Das heißt, dass wir aktuell viel zu viel produzieren. Im Anschluss wird die Mode beispielsweise verbrannt oder entsorgt, wenn sie in den Verkaufsregalen liegen bleibt. Jährlich verursacht das Kosten von 35 Mrd. Euro. Hier wollen wir eine Lösung anbieten. 

Wir produzieren viel zu viel. Im Anschluss wird die Mode verbrannt oder entsorgt, wenn sie in den Verkaufsregalen liegen bleibt. Jährlich verursacht das Kosten von 35 Mrd. Euro. Hier wollen wir eine Lösung anbieten

Kreativwirtschaftsberatung:Und wie genau? 

SNAZZ:Zum einen erhält der Nutzer über die Community Feedback zu der Kleidung und kauft nur Produkte, die er im Anschluss wirklich anzieht. Auch liefern wir Informationen über die Nachhaltigkeit der Kleidung. Zum anderen analysiert die KI deinen Geschmack. Diese Daten sind wiederum hilfreich für die Modeindustrie, um weniger verschwenderisch herzustellen. Das heißt, wir geben Daten an die Industrie weiter, damit sie in Zukunft nur noch das herstellt, was auch wirklich verlangt und getragen wird.


Kreativwirtschaftsberatung:Verstehe ich das richtig, dass der ökologische Fußabdruck im Sinne von chemiefreier Produktion oder ähnlichem unerheblich ist? Es geht also lediglich um die Vermeidung von Überproduktion? Oder werden einem von der Community auch vorwiegend ökologische Marken vorgeschlagen? 

SNAZZ:Das wäre der zweite Schritt, und das heißt, wir wollen beides: erstens die Verschwendung von Ressourcen durch Überproduktion und fehlgeleitete Produktion eindämmen, zweitens große Firmen dazu bringen, nachhaltiger zu produzieren. In absehbarer Zeit soll es darum auch die Möglichkeit geben, dass du ökologische Alternativen findest. Primär geht es im ersten Schritt aber erst einmal darum, Ressourcenverschwendungen zu reduzieren sowie den Usern einen Überblick über die Nachhaltigkeit des eigenen Kleiderschranks zu geben.

Kreativwirtschaftsberatung:Aber analysieren die großen Modeketten nicht schon ihre Daten? Wissen die denn nicht, was ihre Kunden wollen? 

SNAZZ:
Das ist interessant und hat uns auch gewundert. Die Firmen haben zwar Daten, verwenden sie jedoch kaum für Analysen. Damit ist SNAZZ die einzige Modeplattform am Markt, die sich das Ziel gesetzt hat, mit den Usern gemeinsam eine nachhaltigere Modeindustrie zu schaffen. Und die Gespräche mit vielen Modeketten haben gezeigt: Es gibt einen Bedarf. Das Tolle zum Schluss ist ja: Die User verdienen durch die Nutzung auch noch zusätzlich Geld und können Bäume zum CO2-Ausgleich pflanzen, wenn sie die App nutzen. 

Kreativwirtschaftsberatung:Ihr seid in diesem Jahr Teil des neuen Investors Lab. Ziel ist es, dass Investoren für Kreativunternehmen gefunden werden. Warum sollten Investoren in ein Unternehmen wie eures investieren?

SNAZZ:Weil wir mit unserem Business-Model kommerziellen Erfolg mit nachhaltigem Engagement verbinden. Das unterscheidet uns von vielen Social-Impact-Unternehmen, die oft nicht rentabel sind. Unser Produkt kann schnell international hochskaliert werden. Damit ist SNAZZ nicht nur ein guter Case für profitorientiere Investoren mit Impact-Hintergrund. SNAZZ generiert als Werbeplattform und Datenlieferant auch Einnahmen und kann somit profitabel agieren.

Unser Produkt kann schnell international hochskaliert werden. Damit ist SNAZZ nicht nur ein guter Case für profitorientiere Investoren mit Impact-Hintergrund. SNAZZ generiert als Werbeplattform und Datenlieferant auch Einnahmen und kann somit profitabel agieren

Kreativwirtschaftsberatung:Was versprecht ihr euch von einer Investition in euer Unternehmen? Welche Schritte wollt ihr dadurch im Anschluss gehen?

SNAZZ:
SNAZZ möchte mit dem nächsten Investment eine deutschlandweite Launchphase ermöglichen und den Markt erweitern. Für diesen Schritt sind Investitionen im Bereich Marketing von großer Bedeutung. SNAZZ basiert im Wesentlichen auf einer Community und muss daher im Bereich Social Media entsprechende Kampagnen starten. In dieser Phase wird auch weiteres Personal vonnöten sein, um die nächsten Schritte zu gehen.

Kreativwirtschaftsberatung:Grundsätzlich: Wie baut man ein Business wie eures auf? Welche Hürden gilt es zu meistern? Was gilt es zu bedenken? Welche Finanzierungsstrategie verfolgt ihr oder welche Finanzierungwege habt ihr zum Aufbau eures Business bisher genutzt?

SNAZZ:Entscheidend für unser Business waren die ersten selbst durchgeführten DesignThinking-Studien, da wir unsere Idee regelmäßig hinterfragen. Gerade am Anfang war es wichtig zu verstehen, ob unsere Idee überhaupt ein Problem vom Markt abdeckt. Und ja, das tut es. Nach den ersten positiven Rückmeldungen haben wir dann direkt mit der Entwicklung der Applikation angefangen, zudem haben wir ständige Tests mit Usern durchgeführt, um das Produkt Stück für Stück weiterzuentwickeln. Bisher haben wir das Produkt komplett aus eigenen Mitteln finanziert. In Zukunft wird es aber von Relevanz sein, Investoren an Board zu bekommen. Denn nur mit größeren finanziellen Mitteln können wir das notwendige Wachstum sicherstellen, um eine Community aufzubauen. Mit der ersten Finanzierung sowie den ersten Einnahmen sollte sich SNAZZ aber schon ab 2020 eigenständig tragen können. 


Kreativwirtschaftsberatung:Was erhofft ihr euch vom Investors Lab? Wo und wie seht ihr eure Zukunft?

SNAZZ:Wir erhoffen uns neben Investorengesprächen die Erweiterung unseres Netzwerks und hilfreiche Tipps zur Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells. In Zukunft möchte sich SNAZZ zur relevantesten Modeplattform entwickeln. Wir wollen Kunden bei ihrer Kaufentscheidung unterstützen. Zudem wollen wir Informationen über die Nachhaltigkeit der Kleidung liefern. Wir wollen SNAZZ zum wichtigsten Partner der Modeindustrie entwickeln und die Verschwendung in der Industrie reduzieren. Die Welt ein Stück grüner zu machen, das wäre toll. 

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